In der Altstadt entsteht jetzt das Wohnzimmer für Schönebeck. Dieses Bild gebrauchte Oberbürgermeister Bert Knoblauch beim Spatenstich für die umfangreiche Marktsanierung für den nun neu entstehenden urbanen Bereich zwischen Salzer Straße und Elbstraße.

Schönebeck l Ob Schönebeck bislang einen Marktplatz hatte, war auch innerhalb der Bevölkerung eher umstritten. Die einen meinten so, die anderen so. Gäste der Stadt jedenfalls nahmen die vom Schwerlast- und anderem Straßenverkehr intensiv durchflutete Fläche vor dem Rathaus oft gar nicht als Marktplatz wahr. Nach dem Bau von Ortsumgehung und zweiter Elbbrücke sind die rumpelnden Laster inzwischen aus der Altstadt verbannt. Jetzt soll aus dem Marktplatz tatsächlich ein Refugium werden, das diesen Namen auch verdient. Am Dienstag war erster Spatenstich für ein alles in allem Drei-Millionen-Euro-Bauprojekt.

Entsprechend euphorisch fielen die Worte aus, die Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) zum feierlichen Spatenstich fand: "Es ist wohl nicht übertrieben, dass dieser Tag und dieser Beginn des Monats März 2015 einen deutlichen Markierungspunkt unserer Stadtgeschichte darstellen. Große Dinge kündigen sich an", sagte das Stadtoberhaupt vor den Gästen der Veranstaltung, zu denen der Staatssekretär im Landesverkehrsministerium, Klaus Klang, ebenso gehörte wie der Landtagsabgeordnete Gunnar Schellenberger (CDU), Salzland-Landrat Markus Bauer (SPD) und mehrere Stadträte.

Und Knoblauch ließ keinen Zweifel daran, dass sich im Geschichtsbuch der Schönebecker Stadtentwicklung eine neue Seite auftut. "Es ist jede Menge Bewegung im Spiel. Die Stadt erlebt Veränderungen, wie sie in ihrem Umfang und in ihrer Bedeutung wohl nur sehr selten erfolgen." Mit diesem Hinweis ging der Oberbürgermeister auch auf die umfangreichen Bauarbeiten ein, die am Montag in der Geschwister-Scholl-Straße begonnen haben (die Volksstimme berichtete).

Der Markt der Altstadt, so Knoblauch, stehe vor einer komplexen Umgestaltung und Aufwertung. Die urbane Fläche soll wieder stärker ein Treffpunkt werden, "ein Ort der Kommunikation und der Interaktion". Der Markt "soll auch eine gewisse kulturelle Qualität erreichen, sei es durch Wasserspiele, Stadtmöbel und künstlerische Gestaltungselemente oder auch durch Aktionen und Veranstaltungen".

Und: "Er soll einen verkehrsberuhigten Ruhepunkt darstellen, einen sicheren Bürgerort an jener Stelle, wo viele Straßen und Fäden zusammenlaufen."

Noch einmal zur Erläuterung: Vorgesehen ist die Realisierung eines sogenannten Shared Space. Übersetzt bedeutet das so viel wie: gemeinsam genutzter Raum. Zwar dürfen nach der Marktplatz-Sanierung auch Autos diesen Bereich befahren, allerdings in Schritt- beziehungsweise stark reduzierter Geschwindigkeit. Knoblauch gebrauchte das Bild des Marktes als "öffentliches Wohnzimmer der Stadt". Gefördert wird die Umgestaltung über das Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" mit zwei Drittel der Investsumme.

"Sie gestalten das Gesicht Ihrer Stadt."

Von einem "besonderen Ereignis" für die Stadt sprach auch Staatssekretär Klaus Klang. An die Anwesenden gewandt sagte der Landespolitiker: "Sie gestalten das Gesicht Ihrer Stadt neu. Sie gestalten Ihr Image." Genau das sei auch im Interesse des Bau- und Verkehrsministeriums des Landes Sachsen-Anhalt, "weil wir wollen, dass es mit dem Städtebau vorangeht". Und das in einer Zeit, die geprägt ist von Bevölkerungsrückgang. Eine politische Aufgabe sei es deshalb, die Menschen zu halten, ihnen das Gefühl zu geben, dass sie sich wohlfühlen können. "Wir sprechen im Ministerium davon, Haltefaktoren zu entwickeln. Genau das tun Sie hier", würdigte Klang.

Seine Definition von Marktplätzen: "Sie sind Stätten der Begegnung. Menschen brauchen sie zur Identifikation mit ihrer Umgebung." Dass sich der Staatssekretär mit den hiesigen Verhaltensweisen enger beschäftigt haben muss, beweist dieser Satz: Vom Salztor bis zur Elbe könne nun eine Flaniermeile entstehen, die die Schönebecker vor die Tür und nicht ins Auto lockt.

Ernste Worte schlug Elke Kromnik an, die im Namen der Innenstadt-Händler sprach und aufgrund der Bauarbeiten auf eine "ganz, ganz schwere Zeit" aufmerksam machte, nämlich die der knapp einjährigen Bauphase. "Hoffen wir, dass wir in einem Jahr hier stehen und alle Händler auch dann noch hier vereinigt sind." Prinzipiell aber begrüßte sie die Baumaßnahme.

 

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