Schönebeck l "Die Umleitungsführung der U1 ist für mich nicht logisch", schreibt Lothar Schlünz aus Schönebeck der Volksstimme. Gemeint ist die Strecke von Magdeburg kommend, die über die Stadionstraße/Lutherstraße/Tischlerstraße zum Zentrum von Schönebeck führt. "Diese Streckenführung ist für die Anlieger und die Umwelt belastend und ungeeignet", schreibt der Schönebecker. Seiner Meinung nach sollte die Umleitungsstrecke über die Welsleber Straße/Welsleber Brücke zum Zentrum geführt werden. Damit d`accord gehen auch die Stadträte Udo Simon (Linke) und Christian Jung (FDP/Rettet die Altstadt). Ihrem Unmut haben sie im Bau-, Stadtentwicklungs- und Umweltausschuss Luft gemacht.

So kritisiert Christian Jung, dass es auf den drei von der Stadt initiierten Umleitungsstrecken keine Tonnagebegrenzungen bestehen. "Dann führt der Schwerverkehr ja mitten durch das Wohngebiet in der Lutherstraße", führt er ein Beispiel an.

Darauf reagiert im Ausschuss Silvia Franke, Leiterin des Sachgebietes Straßenverkehr. Demnach sei eine Tonnagebegrenzung derzeit unpraktisch, weil für Linienverkehr oder auch den Liefer- und Entsorgungsdienst Ausnahmegenehmigungen gelten, die durch Zusatzschilder gekennzeichnet werden müssen. Des Weiteren führt sie das Problem der Kontrolle an.

Das kommentiert Christian Jung kurz: "Das ist ja niedlich."

Davon unberührt erklärt Baudezernent Guido Schmidt, dass die U1 aus gutem Grund nicht über die Welsleber Straße geführt werde. Sie würde nämlich seiner Aussage nach das erhöhte Verkehrsaufkommen nicht verkraften. Das liege schlichtweg am baulichen Zustand der Welsleber Straße. Deshalb haben sich die Verantwortlichen dazu entschieden, die Umleitungsstrecke über die Stadionstraße zu führen und sozusagen damit auch den Autofahrern einen Umweg zuzumuten.

Gleichzeitig habe die U1 zur Folge, dass nun für den Zeitraum der Umleitung die Verkehrsführung an der Kreuzung Am Stadtfeld/Dr.-Martin-Luther-Straße "leider", wie Silvia Franke informiert, wieder geändert werden musste. Jetzt führt die Hauptstraße wieder von der Stadtfeld-Straße auf die Lutherstraße. Das ist mit Verkehrszeichen gekennzeichnet.

An anderer Stelle sehen die Verantwortlichen sogar eine Ampel als nötig an. Das betrifft die Kreuzung Magdeburger Straße/Hohendorfer Straße/Welsleber Straße. "Denn hier nimmt der Verkehr deutlich zu", sagt Guido Schmidt.

Grundsätzlich seien die Umleitungsstrecken - drei an der Zahl sind es insgesamt - nicht nur auf dem "Mist" der Stadtverwaltung gewachsen, macht der Baudezernent deutlich. Baulastträger wie der Kreis und das Land seien genauso an den Entscheidungen beteiligt wie die Polizei.

"Wir hatten heute morgen noch eine Prüffahrt mit den beteiligten Entscheidungsträgern", sagt an der Stelle Silvia Franke. Fazit: "Besser und umfangreicher kann man es nicht machen."

Den Stadträten im Bauausschuss reicht das aber nicht aus. Sie sind einerseits verärgert, dass sie bei der Entscheidung über die Umleitungsstrecken nicht einbezogen wurden. Worauf die Sachgebietsleiterin auf das Straßenrecht und das Straßenverkehrsrecht verweist. Andererseits haben die Stadträte weitere Kritikpunkte und zweifeln die Fachkompetenz der Verwaltungsmitarbeiter an. Das zeigt sich in der unter anderem unsachlichen Diskussion, die Vorhaltungen und Vorwürfe zu Tage bringt. Der Disput erfolgt zwischen Verwaltung, Stadträten und dem Ausschussvorsitzenden. Die Folge, ohne die Streiterei an dieser Stelle wörtlich wiederzugeben, ist, dass Christian Jung den Sitzungssaal des Rathauses während der Diskussion verlässt.