Geschichts-AG, Bundespräsident, Judy Urman: Was Lehrerin Romina Altenburg gemeinsam mit Schülern des Schönebecker Gymnasiums erreicht hat, kann sich sehen lassen. Für sie ist Unterricht nicht nur Stoffvermittlung, sondern weitaus mehr. Deshalb sagt die Volksstimme: "Du bist spitze!"

Schönebeck l Als dieser ganz besondere Anruf kommt, ist Romina Altenburg gerade einkaufen. "Sitzen Sie?", wird sie gefragt. Dann teilt ihr der Mann am anderen Ende mit, dass die Geschichtsarbeitsgemeinschaft des Schönebecker Dr.-Carl-Hermann-Gymnasiums den 1. Platz in einem Wettbewerb erreicht hat und dafür vom Bundespräsidenten ausgezeichnet werden soll. Wochen später steht Romina Altenburg mit einer Gruppe Gymnasiasten im Berliner Schloss Bellevue neben Joachim Gauck - dem höchsten Repräsentanten der Bundesrepublik.

Der Frage, ob es etwas noch Schöneres geben kann, weicht die Lehrerin für Geschichte und evangelische Religion aus. "Klar, die Auszeichnung ist für uns alle schon etwas ganz Besonderes gewesen. Aber die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen in der Schule jeden Tag ist genauso schön." Die 30-Jährige, glücklich in einer festen Partnerschaft lebend, ist Lehrerin mit Leib und Seele. Sie hat Spaß daran, vor den Schülern zu stehen und ihnen die kleinen sowie großen Dinge dieser Welt nicht nur zu erklären, sondern sie gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen zu entdecken. "Manchmal haben die Schüler ein starkes Redebedürfnis. Ich animiere sie auch dazu, bestimmte Dinge ehrlich zu hinterfragen", sagt sie.

Erste Schülergeneration ist erwachsen geworden

Inzwischen ist Romina Altenburg das sechste Jahr am Hermann-Gymnasium und hat die erste Schülergeneration heranwachsen sehen: wenn die Mädchen und Jungen aus der Grundschule kommen, später ihre Rolle in der Klasse entdecken, reifer werden und am Schluss freudestrahlend ihre Abiturzeugnisse in der Hand halten. Dass Romina Altenburg Lehrerin geworden ist, hat sie einem Pädagogen aus ihrer Jugend zu verdanken - ein Lehrer, der das junge Mädchen mit seinem Allgemeinwissen, seinem Umgang und seinen Geschichten prägt.

Dieser Spaß auch außerhalb der 45-minütigen geplanten Unterrichtsstunde ist es, den Romina Altenburg nun weitergibt. Sie leitet eine Geschichts-AG mit wechselnder Schülerschaft und weiß die Mädchen und Jungen immer wieder neu zu begeistern. "Ja, das kann für die Schüler manchmal auch sehr fordernd sein, aber am Ende ist ihnen immer bewusst, was sie geschafft haben", begründet die 30-Jährige. Während der Projektarbeit begegnen sich Schüler und Lehrerin gleichermaßen auf einer anderen Ebene, die eine neue Wahrnehmung schafft.

Trotz Hindernissen ein Treffen mit Judy Urman

Es ist eine andere Form des Lernens, der so nicht in einem Lehrplan steht. Dass dabei immer wieder der Holocaust im Allgemeinen und die Schönebecker Jüdin Judy Urman im Besonderen im Mittelpunkt steht, ist Romina Altenburg ein besonderes Bedürfnis. Regelmäßig nimmt sie mit den Schülern der Geschichts-AG an lokalen Wettbewerben teil und erreicht mit den Arbeiten immer sehr gute Plätze.

Gemeinsam mit Partnern schafft Romina Altenburg im vergangenen Jahr etwas, was andere nicht nur für aussichtslos, sondern auch für nicht zielführend hielten. Trotz anfänglicher finanzieller Hürden starten Schüler aus Schönebeck und amerikanische Jugendliche aus Denver in den USA ein gemeinsames Projekt über den Holocaust. Bei einer einwöchigen Studienfahrt trifft die Schülergruppe von der Elbe Judy Urman. Mehrmals nimmt die Frau sich Zeit für den Nachwuchs, spricht mit ihm vor und hinter der Kamera.

Aus dem stundenlangen Rohmaterial ist in diesen Tagen ein 30-minütiger Film entstanden, den ein professioneller Schneider nun in eine endgültige Version gebracht hat. "Wir würden ihn zur Verleihung des diesjährigen Urman-Preises das erste Mal öffentlich aufführen", berichtet Romina Altenburg. Ein Novum, der in diesem Jahr den Titel verdient: "Du bist spitze!"

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