Vor gut zehn Jahren ist der Grundstein für das Friedensfahrtmuseum Kleinmühlingen gelegt worden - und zwar im wahrsten Sinn des Wortes. Ein Treffpunkt für die Freunde des Radsports sollte es sein. Daraus ist über die Jahre eine Attraktion geworden. Nicht nur für den Ort, sondern für die Region.

Kleinmühlingen l Wundern Sie sich nicht, wenn heute ein Reisebus durch die Seitenstraßen von Kleinmühlingen fährt ... Sein Ziel ist das Radsportmuseum. 50 Berliner haben sich angekündigt. Obwohl, so richtig wundert sich darüber kein Kleinmühlinger mehr. Seit einigen Jahren gehören die Reisegruppen zum Dorfbild. Über die zahlreichen Besucher freuen sich nicht nur die Museumsmitstreiter, sondern auch alle, die davon profitieren. Wie zum Beispiel die umliegenden Gaststätten und andere Vereine.

Dass einmal Besuchergruppen aus nah und fern das Friedensfahrtmuseum ansteuern, haben sich zur Grundsteinlegung für das Haus alle Beteiligten gewünscht. Der Wunsch ist nun, zehn Jahre danach, gelebte Wirklichkeit geworden. Eine wichtige Rolle dabei spielt Horst Schäfer. Er ist seit 1992 quer durch Deutschland gefahren, hat Freunde der Friedensfahrt gesucht und reichlich gefunden. In einer Garage hat er Utensilien rund um die Friedensfahrt aufbewahrt. Und 2002 war dann die Zeit reif, diese Sammlung der Öffentlichkeit zu zeigen. Aus der Garage wurde ein Museum. Doch das Sammeln ging weiter und die Garage schnell zu klein. Das provisorische Museum wurde erweitert, der Dachboden ausgebaut. 2003 kamen 600 Besucher. Ein Verein wurde gegründet. 2004 wurden 1000 Gäste gezählt, der erste Reisebus hielt. "Ich habe alle verrückt gemacht, dass wir bauen müssen", erinnert sich Horst Schäfer, Leiter des Museums. Und sein Drängen hat Früchte getragen. Mit Horst Zabel als Architekt und Bauleiter an ihrer Seite haben die Enthusiasten um Horst Schäfer 2005 den Grundstein für ein Radsportmuseum gelegt. "Er hat alle Fäden gezogen, er war unser großes Plus", so Schäfer.

In geselliger Runde - natürlich im Museum - blicken Heinz Schultz aus Dornburg, Klaus Krüger aus Schönebeck, Klaus Böde aus Calbe sowie Klaus Dahlke, Frank Helbeck und Horst Schäfer aus Kleinmühlingen zurück. Sie waren dabei, als das Haus gebaut wurde, haben gern unzählige Stunden ihrer Freizeit gegeben. "Wir hatten kein Geld, aber wir wollten bauen. So finanzierten wir über Rechnung, freiwillige Leistungen und Spenden", erzählt Schatzmeister Heinz Schultz. Der Wert des Hauses liege bei 240 000 Euro. "Die Männer haben 100 000 Euro in freiwilliger Leistung abgeleistet", betont Horst Schäfer. Stolz schwingt in seiner Stimme mit. Zu recht.

Frank Helbeck gibt zu: "Am Anfang habe ich gezweifelt. Ich habe gedacht: ,Horst ist verrückt, wie kann er so etwas machen ohne Sicherheiten, nur mit Enthusiasmus?` Aber als dann langsam der Rohbau fertig geworden ist, Donnerwetter, da haben wir auf die Brust geklopft." Klaus Krüger winkt ab: "Ich habe geahnt, dass das so etwas Großes wird. Das hat hier noch gefehlt. Wenn jemand im Raum Magdeburg nach dem Museum gefragt wird: Kennen tun es alle, auch, wenn sie noch nicht da waren. Das ist gut so. Wir brauchen ja auch in Zukunft noch potenzielle Besucher."

Horst Schäfer wird in der Runde oft liebevoll als "der mit der Macke" betitelt. Zum Glück! Sonst hätten sie jetzt nicht dieses tolle Museum in Kleinmühlingen, sind sich alle einig.

"Die Grundsteinlegung sollte zeigen: Leute, wir wollen etwas bewegen - wir brauchen euer Geld", erklärt Horst Schäfer. Lange betteln mussten sie nicht. Alle haben gerne Geld gegeben, erinnern sie sich. 30 000 Euro sind alleine zu Täve Schurs 75. Geburtstag zusammengekommen. Die Größe im Radsport verzichtete zugunsten des Kleinmühlinger Vereins auf Geschenke, sammelte Spenden für das Haus.

Nun gibt es das Radsportmuseum seit gut zehn Jahren. "Es ist ein echter Treffpunkt für Radsportfreunde geworden", sagt Heinz Schultz. National und international. "Das Haus ist eine Attraktion. Nicht nur für Kleinmühlingen."

Auch beim Blick in die Zukunft sind sich alle einig. "Unser Ziel ist es, Jüngere fürs Radfahren zu begeistern und neue Mitglieder für den Verein, dem Träger des Hauses, zu gewinnen. Das ist unser Hauptanliegen", sagt Heinz Schultz. Für Klaus Krüger ist die Kleine Friedensfahrt ein Grundstein für die Zukunft. Horst Schäfer pflichtet ihm bei: "Die Grundschüler sind ganz närrisch dabei, die Sekundarschüler schon nicht mehr so. Vielleicht könnte in den Unterricht eine Museumsstunde eingebaut werden, um die Tour de France und die Friedensfahrt erklärend nebeneinander zu stellen." "Und wir brauchen nach wie vor Sponsoren", so Heinz Schultz.

Bevor die Runde auseinander geht, stellt Klaus Böde entrüstet fest: "Jetzt haben wir alle auf den Putz gehauen, was wir hier geschaffen haben. Aber Gudrun, Horsts Frau, haben wir vergessen. Sie hat uns immer unterstützt, ihm den Rücken freigehalten." Horst Schäfer: "Ohne sie wäre das gar nicht gegangen."

www.friedensfahrt-museum.de

   

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