Auf Einladung haben gestern die Landes-Grünen ihre Fraktionssitzung in der Saalestadt abgehalten. Im Anschluss setzten sie nach Gottesgnaden über und plädierten dabei für einen Erhalt der Gierseilfähren im Land. Das Calbenser Exemplar ist weiterhin akut vom Rotstift bedroht.

Calbe/Gottesgnaden l Es war der Neujahrsempfang der Grünen-Landtagsfraktion in Magdeburg gewesen, als Bürgermeister Sven Hause (parteilos) der Fraktionsvorsitzenden Claudia Dalbert die Einladung für eine auswärtige Fraktionssitzung in der Saalestadt vorschlug. Gestern erfolgte die Tagung im Rathaus von Calbe, "einem weiteren unterschätzten Kleinod Sachsen-Anhalts", wie Landtagsabgeordneter Sören Herbst via Smartphone schon kurz nach der Ankunft twitterte.

Zu diesem Kleinod gehört seit mehr als 800 Jahren eine Fährverbindung, die Calbe mit der Saaleinsel Gottesgnaden verbindet. Die Personalkosten zum Betrieb der Gierseilfähre wachsen der schrumpfenden Stadt zunehmend über den Kopf. Seit Jahren steht das umweltfreundliche Transportmittel auf der Beanstandungsliste der Kommunalaufsicht des Salzlandkreises. Tenor: Die verschuldete Stadt kann sich den Betrieb nicht leisten und muss im Bereich der freiwilligen Aufgaben den Rotstift ansetzen.

"Wir werden uns für den Erhalt von Gierseilfähren in Sachsen-Anhalt einsetzen", kündigt Claudia Dalbert an. Diese Verkehrsmittel seien ein wesentlicher Bestandteil der notwendigen Infrastruktur von Kommunen. Vor allem im Hinblick auf Tourismusförderung müsse agiert werden. Daher will die Fraktionschefin das Thema in Magdeburg im Landesausschuss für Entwicklung und Verkehr auf die Agenda heben. Angesichts der langen Geschichte des "grünen" (weil nur durch die Fließgeschwindigkeit des Flusses angetriebenen) Verkehrsmittels habe die Gierseilfähre auch eine "identitätsstiftende Wirkung", meint die Psychologie-Professorin.

Die Fraktion hat sich zudem auf die Fahnen geschrieben, den Tourismus in Sachsen-Anhalt stärker ans Wasser zu bringen. "Die Fähre in Calbe gehört zum touristisch wichtigen Saaleradweg dazu", argumentiert der verkehrspolitische Sprecher der Grünen Dietmar Weihrich. Dazu müssten seiner Meinung nach Finanzierungsmöglichkeiten aus Fördertöpfen der Europäischen Union ausgelotet und an die Kommunen weitergereicht werden. Eine Privatisierung des Fährbetriebs in Calbe ohne Zuschüsse hält der Abgeordnete für utopisch.

Worte, die nicht nur Sven Hause gern hören dürfte. Ob es lediglich bei wohlwollenden Worten auf Landesebene bleiben wird, ist abzuwarten. Konkret werden sich Calbes Stadtverwaltung und Stadträte jedenfalls schon Ende des Monats mit dem fortgeschriebenen Haushaltskonsolidierungskonzept (2015 bis 2023) beschäftigen müssen. Und dort steht neben weiteren freiwilligen Aufgaben die Fähre erneut zur Diskussion.