Das Kleingartenwesen ist im Umbruch begriffen. Immer mehr ältere Pächter geben ihre Gärten ab. In manchen Regionen besteht ein Leerstand von 40 und mehr Prozent. In Schönebeck sollen mit einer Entwicklungskonzeption Weichen für die Zukunft gestellt werden.

Schönebeck l Das Kleingartenwesen steckt in der Krise. Viele Pächter kommen in ein Lebensalter, in dem sie einen Kleingarten nicht mehr bewirtschaften können und wollen. Nachwuchs fehlt oft. Der Anteil leerstehender Gärten wächst seit Jahren. Hinzu kommt das Problem des Rückbaus der Lauben. Wer kann, wer muss das leisten? Der Pächter? Der Verein? Gar die Stadt als Grundstückseigentümerin? Mit Fragen wie diesen haben sich die Vorsitzenden der Kleingärtnervereine des Altkreises Schönebeck während einer Sitzung am Sonnabend beschäftigt.

Die Versammlung mit knapp 70 Teilnehmern in einer Gaststätte in der Barbarastraße eröffnete die Vorsitzende des Verbandes der Gartenfreunde Schönebeck und Umgebung, Karin Libbe. Mit dem eindeutig Positiven stieg sie ein in ihren Rechenschaftsbericht: "Wie im vergangenen Jahr erhielt unser Verband Einladungen zum Neujahrsempfang des Salzlandkreises und der SPD-Fraktion, ebenso für die Festveranstaltung `Salzlandfrau 2015`. Das zeigt, dass unser Verband immer besser bekannt wird und unsere Arbeit in der Öffentlichkeit Würdigung findet. 4000 Kleingärtner in unserer Region sind eben auch nicht zu übersehen."

Doch es erfolgte auch Kritik in die eigenen Reihen hinein. "Der Plan 2014 sah einen Fotowettbewerb für unseren Verbandskalender vor. Leider erfolgten nur zwei Einsendungen." An einer angebotenen Fachberaterschulung zum Obstbaumschnitt waren nur wenige Gartenfreunde interessiert, bedauerte Karin Libbe. Ihre Anregung: "Vielleicht wäre es möglich, dass aus Euren Reihen Themen vorgeschlagen werden, damit wir nicht am Interesse vorbei schulen."

Kommt Landesgartenschau nach Schönebeck?

Erwähnung fand weiterhin eine Studienfahrt zur Landesgartenausstellung (Laga) in Gießen (Hessen) und der hiesige Kleingärtnerball. "Allerdings stand dieser Ball nicht, wie geplant, im Zeichen des 90-jährigen Bestehens des Verbandes", bilanzierte Karin Libbe und erläuterte auch den Grund: "Wir wollen lieber 2023 das 99-jährige Bestehen des Verbandes zusammen mit dem 800. Geburtstag der Stadt Schönebeck feiern und dies am besten mit einer Landesgartenschau in Schönebeck. Hier möchte ich ganz speziell unseren Oberbürgermeister für diese Idee begeistern."

Der so Angesprochene - Oberbürgermeister Bert Knoblauch war der Einladung zur Versammlung gefolgt - zeigte sich indes eher bedeckt begeistert. Die Idee sei in der Verwaltung bereits besprochen worden, jetzt aber von anderen Themen in den Hintergrund gedrückt worden, führte das Stadtoberhaupt aus. Seinen Worten, aber auch seinem Gesichtsausdruck war anzumerken, dass er sich um die Finanzierung einer solchen Sache sorgt. Knoblauch geht von Kosten in etwa um die sechs Millionen Euro aus. Zwar würde das Land Sachsen-Anhalt Fördermittel geben, einen Großteil müsse die Stadt aber selbst finanzieren. "Die Laga hat nicht oberste Priorität. Aber sie steht weiter auf der Tagesordnung", äußerte er sich mehr oder minder vage.

An die anwesenden Vereinsvorstände appellierte er, die Kraft, die sie gemeinsam haben, zu nutzen, sich nach außen vereint darzustellen und den Verband zu unterstützen. "Wir wollen das gerne tun, soweit wir das können", sagte er für die von ihm geleitete Verwaltung.

Und dann folgte dieses Bekenntnis: "Anders als in Magdeburg, wo darauf gedrängt wird, Gärten leer zu ziehen, wollen wir das Kleingartenwesen stärken."

Damit kam Knoblauch auf das Hauptproblem der Kleingärtnerei zu sprechen. Der Landesverband nämlich meldet Leerstände von 20 Prozent in den Städten und bis zu 40 Prozent (und mehr) auf dem Lande. So mancher Kleingartenverein ist aufgrund der zurückgehenden Pachtzahlungen von Insolvenz bedroht. Mit diesem Hinweis nahm Karin Libbe wieder das Wort an sich. Geht ein Verein in die Zahlungsunfähigkeit, müsste der Verband als Zwischenpächter einspringen. Womit denn auch der Verband überfordert wäre. Die Gefahr sei realistisch, dass das Kleingartenwesen in naher Zukunft am Boden liegt. Daran könne eine Kommune kein Interesse haben, denn sie müsste dann für die Pflege der Flächen aufkommen, wofür sie heute noch Pacht erhält.

Der Leiter des Stadtplanungsamtes, Michael Gremmes, stellte den Entwurf für das Kleingarten-Entwicklungskonzept Schönebeck, kurz: KEKS vor (Volksstimme berichtete bereits). "Dieser Prozess ist auf Langfristigkeit und Freiwilligkeit angelegt", stellte Gremmes klar. Und ja: Etwa 1000 Parzellen werden langfristig nicht mehr genutzt werden - 500 Parzellen liegen jetzt schon brach.

Im September will die Arbeitsgruppe KEKS dem Stadtrat ein "informelles Konzept" vorlegen, das dann als Handlungsgrundlage sowohl für die Stadt als auch für den Verband dienen soll.

Manfred Peters vom Verband stellte klar, dass kursierende Befürchtungen, in Schönebeck würden den Pächtern die Parzellen weggenommen, um daraus Bauland zu machen, unbegründet seien. Auch wenn im bis 2030 ausgelegten Konzept Bauland auf heutigen Teilstücken von Kleingartenanlagen ausgewiesen würde, handle es sich lediglich um "Vorschläge". "Es wird niemanden gekündigt", versicherte Peters.

In der sich anschließenden Diskussion kam unter anderem das Thema der zunehmenden Einbrüche in Gartenlauben und die damit oft verbundene Zerstörungswut zur Sprache. Die Polizei komme zwar schnell, finde aber nie jemanden, hieß es - verbunden mit dem Aufruf an die Stadt, sich bitteschön auch einmal Gedanken zu machen zur Sicherheit der Kleingärtner und ihres Eigentums.