Glinde (tli) l Gegenüber der ehemaligen Dornburger Ziegelei erhebt sich ein kleiner Hügel, der auch bei Hochwasser zu sehen ist. Er heißt noch heute "Glücks Hügel", nach dem damaligen Fährmann "Glück". Hier war eine Fährstelle, der große Bedeutung zukam, da die Brücken in Schönebeck und Barby noch nicht vorhanden waren. Gleichzeitig war hier eine der ehemaligen Zollstellen. Alte Glinder, die es noch von ihren Großvätern gehört hatten, erzählten, dass hier ein Teil der Napoleonischen Truppen vor dem Russlandfeldzug die Elbe überquert hätte. Im vorhergehenden Winter hatten die Bauern aus den nahegelegenen Dörfern Stroh anfahren müssen. Die Bunde wurden auf das Eis des Flusses gelegt und mit Wasser übergossen. Gefroren erhöhte es die Tragfähigkeit der Eisdecke, so dass sogar Kanonen diesen künstlichen Weg passieren konnten.

Eine weitere Fährstelle befand sich direkt bei Glinde. An einem Weidenbaum auf der Ranieser Seite hing eine Eisenschiene. Mit lauten Schlägen machte man sich bemerkbar, wenn man übergesetzt werden wollte. Auf der hiesigen Seite stand auf dem Damm eine Bretterbude, die dem Fährmann als Unterkunft bei schlechtem Wetter diente.

Zum Erwerb des Fährmannpatentes gehörte eine Prüfung. Als Otto Clemens diese ablegte, nahm einer der Prüfer die Ruder an sich, um festzustellen, was der Fährmann nun in dieser Situation machen würde. Otto nahm kurzerhand ein Bodenbrett aus seinem Kahn und ruderte damit. So hatte er sich mit Bravour aus der Affäre gezogen und die Prüfung bestanden.

Wilhelm Puder, ein alter Schiffer, versah mit Gottfried Bethge lange Zeit den Fährdienst zwischen Glinde und Ranies. Sonntags musste regelmäßig der Pastor übergefahren werden. Beide saßen dann unter einem Weidenstrauch und "rookten" die Zigarre, die der Pastor spendierte und die schon so etwas wie "Gewohnheitsrecht" geworden war. War der Pastor dann in Ranies mit seinem Gottesdienst fertig, ging es in aller Ruhe wieder zurück auf die andere Seite.

Manne Schmidt hielt dann noch lange Zeit den Fährbetrieb allein aufrecht. Er hatte sich für diesen Zweck einen Kahn mit einer Stahlblechhaut zugelegt und diesen aus Sparsamkeitsgründen mit Kaltanstrich versehen. Manne erregte mit seiner "Schwarzen Galeere" immer beträchtliches Aufsehen, wenn er auf der Elbe auftauchte. Erst als der Kahn so viele Löcher aufwies, dass der Schmiedemeister Moratz sich weigerte, noch einmal Blechflicken darauf zu setzen, stellte Hermann Schmidt den Fährbetrieb ein.

Manne Schmidt war allgemein bekannt als der "Vadder von Glinde" oder der"Lassmann".