Zu einem Warnstreik in der Landeshauptstadt Magdeburg rief gestern die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft auf. Betroffen waren auch alle Schulen im Altkreis Schönebeck. Hier legten Lehrer und Erzieher die Arbeit nieder.

Schönebeck/Calbe/Barby/Bördeland (ok/fm/ro/api/tli) l Das war nahezu flächendeckend. fast alle Schulen des Altkreises Schönebeck wurden gestern nach einem Aufruf der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bestreikt. Lehrer, Erzieher und andere pädagogische Kräfte legten die Arbeit nieder und nahmen an einem Warnstreik in Magdeburg teil. "Die Arbeitgeberseite unter Führung des sachsen-anhaltinischen Finanzministers Jens Bullerjahn haben uns mit ihrer provokativen Blockadehaltung keine andere Wahl gelassen", erklärte der Vorsitzende des GEW-Kreisvorstandes Salzlandkreis, Gerhard Müller. "Wir können es nicht hinnehmen, dass die Arbeitgeberseite wie bisher die Verhandlungen blockiert und Kürzungen der betrieblichen Renten vornehmen will. Insbesondere diese Ankündigung, Einschnitte in der betrieblichen Altersvorsorge vornehmen zu wollen, macht unsere Mitglieder regelrecht wütend."

Der Warnstreik gestern führte zu einer eingeschränkten Unterrichtsdurchführung. Wie eine Umfrage der Volksstimme an Grund- und Sekundarschulen, an den Gymnasien sowie an der Berufsschule ergab: Die Betreuung der Kinder und Jugendlichen war nach Aussagen der anwesenden Lehrkräfte durchweg abgesichert. Viele Schüler hatten im Vorfeld Briefe mit nach Hause bekommen, um die Eltern zu informieren.

So wurde in den Schulen mehr und weniger Unterricht erteilt. Das ganze Gebäude für sich hatten gestern Zehntklässler der Schönebecker Sekundarschule "Maxim Gorki". Auf ihrem Tagesplan stand "Vorprüfung Englisch". Die fiel nicht aus, der Unterricht für den Rest der insgesamt 440 Schüler allerdings schon. Von den 39 Lehrern streikten 23. Bereits am Dienstag hatten die Lehrer alle Schüler darauf hingewiesen, dass es am Mittwoch aufgrund des Warnstreiks nicht zu einem geregelten Unterricht kommen kann. Die große Mehrheit blieb daraufhin zu Hause, nur sieben Schüler kamen dennoch, hatte der stellvertretende Schulleiter Jürgen Heß nachgezählt.

"Es geht auch um die Altersteilzeit."

Auf eine schnelle Tarifeinigung hofft derweil Schulleiterin Dagmar Bitterlich, Maxim-Gorki-Sekundarschule. "Das wäre schon gut, damit nicht noch länger gestreikt wird", sagte sie. Auf die Frage, ob der Arbeitskampf der Pädagogen gerechtfertigt ist, meinte die Schulleiterin: "Es geht nicht nur um das Gehalt, sondern etwa auch um die Regelung zur Altersteilzeit." Ihr Appell an das Land Sachsen-Anhalt: "Wir brauchen unbedingt junge Lehrer." Der Altersdurchschnitt an der Gorkischule liegt bei 53 Jahren. Bei den Lehrern, versteht sich.

Viel Koordination war auch im Friedrich-Schiller-Gymnasium Calbe mit seinen mehr als 600 Schülerinnen und Schülern gefragt. "Rund 40 Prozent unserer Lehrkräfte fehlen uns", sagte der stellvertretende Schulleiter Manfred Bäthge gestern gegenüber der Volksstimme. Daran hätten neben dem Streik auch ein hoher Krankenstand und Fortbildungsmaßnahmen ihren Anteil. Man habe sich mit dem Unterricht vor allem auf die erste bis sechste Stunde konzentriert, viel Ausfall habe es in der siebten und achten Stunde gegeben. Die Fürsorge- und Aufsichtspflicht sei stets gewährleistet gewesen, sagt Bäthge. Die Schilleraner haben in derartigen Fällen im Hausaufgabenzimmer oder der Caféteria immer einen Ausweichplatz.

Auch in der Sekundarschule "J. G. Herder" hatte der Streik Auswirkungen. Schulleiter Norbert Volkland hielt sich mit Informationen bedeckt und verwies auf das Landesschulamt. "Die Eltern wurden durch entsprechende Mitteilungen im Vorfeld nicht kalt erwischt", betont Henry Melle, Leiter der Grundschule "G. E. Lessing". Natürlich habe in der Unterrichtsgestaltung improvisiert werden müssen, größere Probleme in der Betreuung seien jedoch ausgeblieben.

An der Jakob-Friedrich-Fries-Sekundarschule in Barby verlief der gestrige Tag nach Aussage von Schulleiterin Anita Schaub "ordnungsgemäß". Von den acht nicht verbeamteten Lehrkräften machte nur eine Lehrerin von ihrem Streikrecht Gebrauch. Sie wurde von ihren Kollegen vertreten.

Nicht nur in Schönebeck, Calbe und Barby legten die Lehrer gestern die Arbeit nieder, sondern auch in der Gemeinde Bördeland. Aus der Schule in Großmühlingen nahmen vier Kollegen an dem Warnstreik teil. In Welsleben stellte sich die Situation dramatischer dar. Von dort machte sich die komplette Lehrerschaft auf den Weg in die Landeshauptstadt. Dennoch wurde an der Gagarinschule ein gewisser Unterricht aufrecht erhalten.