Der ehemalige Barbyer Superintendent Ernst Neugebauer folgte einer nicht alltäglichen Einladung nach England. Die dortige Partner-Kirchengemeinde hatte ihn als Redner zum "Remembrance" Day eingeladen.

Barby l Stourport-on-Severn ist eine Stadt in der britischen Grafschaft Worcestershire im mittleren Westen Englands. Rund 19000 Einwohner leben dort.

Seit Mitte der 90er Jahre verbindet die anglikanische Kirchengemeinde Stourport und die evangelische von Barby eine Partnerschaft. Daraus entstanden persönliche Freundschaften, man besucht sich bis heute im Wechsel etwa alle zwei Jahre.

Der damalige Superintendent Ernst Neugebauer zählte vor 20 Jahren zu den Konstrukteuren dieser Freundschaft. Ende vergangenen Jahres besuchte er Stourport-on-Severn erneut, allerdings zu einem ganz besonderen Anlass. Neugebauer erhielt eine Einladung zum "Remembrance Day" (Kriegstotengedenktag), der in Großbritannien immer Anfang November begangen wird. Er geht auf das Ende des Ersten Weltkrieges mit dem Waffenstillstand von Compiègne zurück, wo die Kriegshandlungen am "Elften Tag des elften Monats um elf Uhr" enden sollten.

Der Gast aus Barby wurde gebeten, bei der Festveranstaltung am "Remembrance Day" eine Rede zu halten. Was nach Angaben der Gemeinde noch nie einem Deutschen vergönnt war. Neugebauer leitete seine Rede mit der Beschreibung eines Details der Barbyer Marienkirche ein: Dort gibt es ein Kriegerdenkmal in Kreuzform mit den Namen aller im Ersten Weltkrieg Gefallenen. Auf ihm thront ein Stahlhelm, der von einem Dolch durchstoßen wird. "Es ist für mich eine ganz schreckliche Vorstellung, wenn ich daran denke, dass da ein menschlicher Kopf drin ist", sagte Neugebauer auf englisch. Knapp 200 Namen gefallener Soldaten sind darauf zu lesen, die aber, ehe sie ums Leben kamen, andere getötet haben. Was in Deutschland mit großer Begeisterung begann, habe sich im Laufe der Zeit in Furcht verwandelt. Neugebauer erinnerte an das deutsche Koppelschloss, auf dem "Gott mit uns" stand und an Gebete im Feld, die um Siege gegen Engländer, Franzosen oder Russen baten. "Dabei waren die meisten Soldaten aller Nationen im Namen dieses Gottes getauft", sagte der Gast aus Barby.