Im Schönebecker Freibad geht Wasser in Größenordnungen verloren, die nicht mehr zu verkraften sind. Und im Spaßbecken kann nur unter Verletzungsgefahr gebadet werden. Sind das zwei Kosten-Löcher, die nicht mehr zu stopfen sind?

Schönebeck l Ganz schön in die Jahre gekommen ist das Freibad in der Barbarastraße. In den 1930er Jahren erbaut, wurde es 1998 komplett saniert. "Seither haben wir Jahr für Jahr investiert", sagt Joachim Schulke, in dessen Aufgabenbereich das Freibad gehört. 2015 scheint der Zustand der beliebten Freizeiteinrichtung jedoch einen derart kritischen Punkt erreicht zu haben, dass die Mitarbeiter in der Verwaltung kein weiteres Geld in das Freibad reinstecken wollen. Ihrer Meinung nach ist es nur noch ein Fass ohne Boden. Deshalb gibt die Verwaltung den Vorschlag, das Freibad komplett und für immer zu schließen (Volksstimme berichtete). Ein Vorstoß, der auf reichlich Kritik stößt.

Bleibt trotzdem die Frage: Über welche Schäden am Freibad reden wir überhaupt? Deshalb hat sich die Volksstimme vor Ort einen Einblick geben lassen von Dezernent Joachim Schulke und Freibad-Hausmeister Hans-Werner Hanisch. Das akute Problem, weshalb die Freibadöffnung 2015 auf der Kippe steht, liegt im kleinen Becken, dem Spaßbecken. Hier müssen in die Reparatur der Beckendurchströmung und der Chlorgasanlage rund 190000 Euro investiert werden. Denn: Eigentlich wird das gefilterte und mit Chlor versetzte Wasser über drei Beckeneinläufe gebracht - das sind die Siebe, die man am Boden sieht. Diese drei "Siebe" werden über drei unterirdische Rohrsysteme versorgt. "Zwei der drei Stränge haben wir schon vor Jahren zu gemacht, weil sie undicht waren", erklärt Hans-Werner Hanisch. Das kann Folgen haben, nämlich dass das Wasser, das immerzu mit frisch gefiltertem und gechlortem Wasser versetzt wird, nicht komplett durchmischt ist. Folglich ergibt die regelmäßige elektronische Messstelle unter Umständen einen falschen Wert. Das wiederum kann dazu führen, dass die automatische Chlorzufuhr zu viel des chemischen Stoffes zuführt als eigentlich notwendig.

Bis 2014 habe es trotz der Reduzierung der Beckeneinläufe keinen Nachteil gegeben. "Bisher funktionierte die Mischung", sagt Joachim Schulke und erklärt, dass diese bauliche Veränderung trotzdem der DIN-Norm entspreche. Jedoch ist im vergangenen Sommer der "worst case", also der schlimmste Fall eingetroffen, dass das Beckenwasser nicht richtig durchmischt war. Dadurch sei eine Art Chlorblase über dem einzig verbliebenen Beckeneinlauf entstanden und ein Kind wurde verletzt.

Das bedeutet im Umkehrschluss: Nun muss die Beckendurchströmung doch repariert werden. Hinzu gesellen sich Neuanschaffungen für die technischen Anlagen. In Summe sind das die 190000 Euro, die 2015 nötig sind, um das Freibad ohne Bedenken zu öffnen.

Doch das ist nicht die einzige Kostenfrage, die Joachim Schulke beim Gedanken an diese Einrichtung plagt. Dazu muss er nur den Blick vom kleinen auf das große Schwimmerbecken werfen. Obwohl das Wasser vom Sommer über den Winter hinweg im Becken gelassen wird, damit keine Frostschäden entstehen, so ist es jetzt im März nur noch halb voll. "Wir registrieren seit dem vergangenen Jahr einen enormen Wasserverlust", sagt der Dezernent. Geringe Mengen aufgrund von Verdunstung beispielsweise seien normal. Doch inzwischen seien mindestens 2000 Kubikmeter Wasser verlorengegangen. Wohin? Das ist die große Frage. Aufklärung gibt es noch nicht. "Das müssen wir noch untersuchen", sagt Joachim Schulke und fügt direkt hinzu, dass das kein einfaches Unterfangen werde. Irgendwo in den Rohren unterhalb des Beckens, die für die Beckendurchströmung zuständig sind, muss ein oder mehrere Löcher sein. Dadurch könne das Wasser den Boden unterspülen.

"Eine Kamerafahrt durch die Rohre geht nicht, weil sie dafür zu klein sind", erklärt der Dezernent. Das heißt, das Leck oder die Löcher lassen sich nur finden, wenn der Beckenboden geöffnet wird. Was das an Kosten verursacht? Darüber kann Joachim Schulke keine Vermutung äußern. Er ist sich nur in dem Punkt sicher: "Mit der sicherheitsrelevanten Reparatur in diesem Jahr allein ist es nicht getan." In den nächsten Jahren kommen weitere Arbeiten und damit Kosten auf die Stadt zu, sagt der Dezernent.

Ihm selbst fällt es nicht leicht, das Ende der Freibadzeit in Schönebeck vorzuschlagen. Seit Jahren schon wird in seinem Kulturbereich, der zu den freiwilligen Aufgaben gehört, gekürzt. Seiner Meinung sei es aus finanzieller Sicht der beste Weg, wie im Kulturausschuss vorgeschlagen, den Neubau der Volksschwimmhalle zeitlich vorzuziehen. Denn mit diesem Großbauprojekt soll auch ein Außenbecken realisiert werden, das das Freibad sowieso ersetzen soll. Aber: Dieses Vorhaben ist vorerst Zukunftsmusik, da die Planung und der Bau noch einige Jahre benötigen werden.

 

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