Eine der schlechtesten Fahrbahnen der Einheitsgemeinde Barby ist die Bahnhofstraße zwischen den Einmündungen Magdeburger Tor und Froschvilla. Für Radfahrer ist sie regelrecht gefährlich. Alle Jahre wieder wird Kritik laut. Doch jetzt keimt verhaltene Hoffnung für eine mittelfristige Lösung auf.

Barby l Schon vor fast zehn Jahren legte der damalige Abgeordnete Fritz Bertram demonstrativ einen Betonbrocken während einer Stadtratssitzung auf den Tisch, um auf den Zustand aufmerksam zu machen. Weil die Bahnhofstraße eine der ältesten Betonstraßen Deutschlands ist, sei das Fragment eine Antiquität, argumentierte Betram damals sarkastisch. Der Beton-Pfusch nach Abwasserkanalverlegung 2002, der sich heute teilweise auflöst, gab ihr den Rest. Eine Rosenburger Firma hatte zum Teil Beton mit einem viel zu hohen Wasseranteil "eingebaut". Fachleute sagten diesem Flickwerk schon damals keine große Zukunft voraus.

So verging kein Jahr, in dem der miserable Straßenzustand nicht mit schöner Regelmäßigkeit bei Ratssitzungen angemahnt wurde. Der letzte öffentliche Vorstoß geschah bei einer Stadtratssitzung im Dezember 2012, als eine Radfahrerin den Zustand als "lebensgefährlich" beschrieb. Doch bis auf Ausflickarbeiten ist in all den Jahren nichts geschehen.

In der Hauptausschusssitzung wiederholte Ernst Neugebauer (CDU) im März 2013 jene Kritik, die die Frau ein halbes Jahr zuvor geübt hatte. Er führte zudem Haftungsansprüche ins Feld, die bei Unfällen an die Stadt heran getragen werden könnten. Auch die Antworten von Bauamtsleiter Holger Goldschmidt klingen alle Jahre ähnlich. Damals versuchte er das lange überfällige Ausflicken mit "ungünstigen Witterungsverhältnissen" zu begründen. Um Gussmasse zu verarbeiten, müsse es erstens trocken und zweitens längere Zeit über 5 Grad Celsius sein. Nicht anders dürften Dialoge dieser Art auch 2015 ausfallen.

Dabei will man hauptsächlich Risse vergießen - die der Mondoberfläche ähnlichen Betonflächen von 2002 könnten mit diesem Verfahren nicht saniert werden.

An eine grundhafte Sanierung ist laut Goldschmidt in der gegenwärtigen Haushaltssituation kurzfristig nicht zu denken. Man werde auch in den kommenden Jahren nicht viel mehr als Fahrbahnausflickungen vornehmen können. Wie der Amtsleiter sagte, sei die Bahnhofstraße nur einer von vielen Reparatur-Brennpunkten der Einheitsgemeinde. Besonders in Groß Rosenburg bestehe ebenfalls "erheblicher Bedarf".

Aber es zeichnet sich jetzt erstmalig ein Lichtstreif am Horizont ab, auf den zu warten allerdings Geduld nötig ist: Bis 2020 soll die marode Straße grundhaft saniert werden. Die Bahnhofstraße befindet sich in Trägerschaft der Stadt, die sie auch unterhalten muss. Sie verbindet Magdeburger Tor und Otto-Beckmann-Straße/Wilhelmsweg. Beides sind Landesstraßen, stärker frequentiert und in Verantwortung des Landes Sachsen-Anhalt. Dadurch sind sie auch in ungleich besserem Zustand. Dieser Hinweis nur, weil einige Bürger die unterschiedliche Straßensanierungsphilosophie nicht verstehen.

 

Bilder