Zu aktuellen Problem- feldern der Einheitsgemeinde Barby sprach Thomas Linßner mit Bürgermeister Jens Strube sowie den Amtsleitern Karin Knopf und Holger Goldschmidt. Themen waren Baumfällungen, Hochwasserschadensabarbeitung, kommunale Immobilien oder die Sekundarschule.

Volksstimme: Dauerbrenner Bäume: In Barby wurden in den vergangenen Tagen mehrere Bäume gefällt. Nicht jeder Bürger kann nachvollziehen, warum einige umgesägt und nicht ausgeästet wurden. Gibt es jemanden bei der Stadtverwaltung, der ein geschulter Sachverständiger ist?

Holger Goldschmidt: Es gibt bei der Stadtverwaltung keinen sachkundigen Baumschutzgutachter. Wir haben uns aber darauf verständigt, dass wir einen ausbilden lassen müssen. Dafür muss Geld in die Hand genommen werden.

Volksstimme: Wie konnte dann eine qualitative Bewertung erfolgen, welcher Baum ausgeästet und welcher gefällt werden sollte?

Holger Goldschmidt: Ein Mitarbeiter des Bauhofes hat sich längere Zeit mit dem Thema beschäftigt und besitzt Erfahrungen. Er hat darüber eine Fotodokumentation angefertigt.

Volksstimme: Stimmt es, dass die beauftragte Firma gleichzeitig das Baumgutachten machte?

Holger Goldschmidt: So kann man das nicht sagen. Sie hat mit unserem Mitarbeiter die Bäume begutachtet und seine Vorschläge bestätigt. Als Vorlage diente auch eine Fotodokumentation, als die Bäume noch belaubt waren.

Volksstimme: Was kostet der Rückschnitt eines Baumes, was die komplette Fällung? Was geschieht mit dem Holz?

Holger Goldschmidt: Das Reisig wurde von der Fachfirma entsorgt, das Stammholz durften sich die Anwohner abholen. Anderenfalls wäre der Auftrag noch teurer geworden.

Volksstimme: Wird es Ersatzpflanzungen geben?

Holger Goldschmidt: Es sind Pflanzungen von 80 Bäumen geplant.

Volksstimme: Wo?

Holger Goldschmidt: Das steht noch nicht fest. Wir müssen gucken, wo Nachpflanzungen Sinn machen und nicht stören. Wir sind aber bestrebt, solche Stellen auszuwählen, wo auch Bäume gefällt wurden. Anlaufen soll die Aktion noch in diesem Frühjahr.

Jens Strube: Die wegen ihres schlimmen Zustands viel kritisierte Bahnhofstraße wollen wir mit eigenen Mitteln bis 2020 sanieren. Da werden wir sicherlich erst pflanzen, wenn die Baumaßnahme abgeschlossen ist.

Volksstimme: Ein anderes Thema. Wie ist der Verkauf von städtischen Immobilien angelaufen, wozu das Lichtmessmuseum oder die Marie-Gerda zählen?

Karin Knopf: Beim Lichtmessmuseum liegt ein Notarentwurf für den Kaufvertrag vor. Das Haus kauft der Heimatverein.

Holger Goldschmidt: Für die Marie-Gerda gibt es noch kein abschließendes Wertgutachten. Da müssen noch einige Dinge geklärt werden.

Volksstimme: Welche?

Holger Goldschmidt: Das Schiff steht zum Beispiel auf zwei unterschiedlichen Grundstücken. Einen Interessenten haben wir, der auch den Schiffs- und Bootsanlieger übernehmen möchte.

Volksstimme: Gibt es auch für andere Immobilien aussichtsreiche Interessenten?

Holger Goldschmidt: Ja, zum Beispiel verkaufen wir jetzt einen ehemaligen Bauernhof in Pömmeltes Dorfstraße 1; für die Barbyer Straße 14, die mal Gemeindebüro war, gibt es einen Interessenten.

Volksstimme: Ich kann mir vorstellen, dass die Bürger in den Ortsteilen nicht gerade begeistert sind, wenn sie sich von den Häusern trennen müssen.

Karin Knopf: Das stimmt. Wir werden in der Zukunft aber nicht umhin können, in den Ortsteilen nur noch ein kommunales Objekt zu betreiben. Wie zum Beispiel in Gnadau, wo es ein modernes Kultur- und Sportzentrum gibt und am Zinzendorfplatz noch ein Gemeindehaus.

Volksstimme: Wie hoch sind die jährlichen Betriebskosten für alle diese Objekte:

Karin Knopf: Die belaufen sich auf rund 150.000 Euro.

Holger Goldschmidt: Deshalb müssen wir beispielsweise auch bei der Planung des neuen Dorfgemeinschaftshauses in Breitenhagen aufpassen, dass die späteren Betriebskosten im Rahmen bleiben werden.

Volksstimme: Apropos: Gibt es etwas Neues zum Abriss und Neubau der Sporthalle am Gribehner Weg? Da war ja lange Zeit offen, ob Abriss oder Sanierung.

Holger Goldschmidt:Der Totalschaden ist jetzt anerkannt worden. Es wird an der selben Stelle ein Ersatzneubau errichtet, der wie bisher von der Schule und dem SSV genutzt werden kann.

Volksstimme: Konkret - wann soll die neue Sporthalle stehen?

Holger Goldschmidt: In diesem Jahr soll die alte Halle abgerissen werden und 2016 der Neubau erfolgen.

Volksstimme: Und wie ist der "Fahrplan" für den Sportplatz?

Holger Goldschmidt: Der ist noch nicht in trockenen Tüchern. Das Gutachten ermittelte ein Schadensmaß von 890.000 Euro. Es gibt aber noch Abstimmungsbedarf über das geplante Beregnungssystem mit der Investitionsbank.

Volksstimme: Wie werden die Hochwasserschäden fortan abgearbeitet? Die befristeten Stellen der Bauingenieure laufen zum 18. März aus.

Karin Knopf: Wir werden Umbesetzungen in der Verwaltung vornehmen und eine Vollzeitkraft aus der Stammbelegschaft mit dieser Aufgabe betrauen. Außerdem haben wir eine Stelle für einen Sachbearbeiter in der Bauverwaltung ausgeschrieben, der sich mit der Abarbeitung der kommunalen Schäden befassen soll.

Volksstimme: Seit Jahren fordert die Kommunalaufsicht eine Verschlankung bei den Freiwilligen Aufgaben. Sie dürfen in einem Kommunalhaushalt nur zwei Prozent ausmachen. Wie ist in Barby der Stand?

Karin Knopf: Eine schwierige Frage. In jedem Fall liegen wir derzeit noch deutlich darüber.

Jens Strube: Da müssen wir uns noch eine Menge einfallen lassen. Zum Beispiel beim Seepark, der ein ziemlicher Negativposten ist.

Volksstimme: Gab es auf diesem Feld überhaupt schon "Erfolge"?

Jens Strube: Ja, auf jeden Fall, so wurde beispielsweise der Sportpark Glinde an die Kannenberg-Akademie verpachtet.

Volksstimme: Thema Schule: Eltern und Lehrer beklagen den Zustand der Sekundarschule. Instandsetzungsarbeiten ließen auf sich warten. Die Stadt ist Eigentümer, der Landkreis Mieter.

Karin Knopf: Da gibt es eine klare Regelung: Für Räume, die von der staatlichen Sekundarschule genutzt werden, ist der Landkreis, für solche der christlichen Sekundarschule sind wir zuständig.

Volksstimme: Bei der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr wurde die selbstlose Hilfe eines Barbyer Unternehmers gewürdigt. Auch im Bereich Kultur und Sport gibt es immer wieder engagierte Bürger. Nicht zu vergessen die Handwerkerschaft. Warum dankt die Stadt ihnen nicht beim Neujahrsempfang mit einem Bürgerpreis, wie ihn beispielsweise Calbe und Schönebeck in der Nachbarschaft seit Jahren haben?

Jens Strube: Das stimmt, das war bisher aber noch keine Forderung des Stadtrates. Ich bin aber der Meinung, dass diese Art Ehrung auch für Barby eingeführt werden sollte.

Es gibt viele Bürger in unserer Einheitsgemeinde, die über das normale Maß wertvolle ehrenamtliche Arbeit Tag für Tag erledigen. Viele der Bürger haben wir schon in den jährlichen Neujahrsempfängen benannt. Warum soll dies nicht mit einem Ehrenpreis oder den Eintrag in die Chronik unserer Stadt erfolgen?

Über die Modalitäten der Auswahl müsste in den politischen Gremien wie Hauptausschuss oder Stadtrat beraten werden.

   

Bilder