Die Debatte um den Erhalt oder die Schließung des Freibades erreicht derzeit ihren Höhepunkt. Am heutigen Donnerstag wird der Stadtrat entscheiden. Gestern gaben Schüler der Pestalozzi-Schule mit einer Unterschriftenliste ein Votum pro Freibad ab. Die Volksstimme veröffentlicht hier weitere Lesermeinungen.

Schönebeck l Sozialkunde pur haben gestern drei Schüler der Schönebecker Förderschule "J. H. Pestalozzi" erlebt. Gemeinsam mit ihrer Klassenlehrerein übergaben die Neuntklässler Sophie Titsch, Selina Schulz und Justin Nenn, stellvertretend für ihre Bildungseinrichtung, eine Willensbekundung zum Erhalt des Freibades an Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU). Der nahm sich, trotz Termindrucks, Zeit, um sich die Argumente der Schüler anzuhören. Unterstützung erhielten sie von ihrer Lehrerin Helga Frenzel. "Das Schwimmbad soll bleiben", votierte die Abordnung, denn viele Kinder und Jugendliche in Schönebeck würden in Familien leben, die sich nicht ohne Weiteres einen Urlaub in einem fernen Ferienparadies leisten können. "Mit kleinem Portemonnaie kann man keine großen Sprünge machen - aber sehr wohl schöne Ferienstunden im hiesigen Schwimmbad verbringen", formulierte es Helga Frenzel. Gegenüber der Volksstimme erklärte sie: "Mit großem Interesse und tiefer Betroffenheit verfolgen wir die Debatte zum Schwimmbad." Da komme es gut, fügte sie hinzu, dass ihre Klasse derzeit am Volksstimme-Projekt "Schüler machen Zeitung" teilnimmt. So komme jeden Morgen die Tageszeitung auf den Schultisch und damit die neuesten Infos auch hinsichtlich der Freibad-Diskussion.

Die kleine Gruppe hörte sich auch die Argumente des Oberbürgermeisters an, der auf erhebliche Steuermindereinnahmen und gesunkene Landeszuweisungen hinwies sowie auf zu erwartende Mehrausgaben durch höhere Tarife für die Verwaltungsmitarbeiter und die Umsetzung des Kinderförderungsgesetzes. Allein in diesem Jahr würde zwischen Einnahmen und Ausgaben ein Minus von 5,2 Millionen Euro stehen.

An der Stelle knüpft Kathrin Dommach aus Schönebeck an. Für sie sind die Eintrittspreise des Freibades ein Ansatzpunkt. "Man kann doch nicht 2,50 Euro von jemanden verlangen, der den ganzen Tag das Bad besucht und ebenfalls von jemanden, der das Bad nur eine Stunde nutzt", schreibt sie in ihrer E-Mail an die Redaktion. "In der Schwimmhalle muss ich doch auch nachzahlen, wenn ich die Badezeit überschritten habe. Ein Gast, der den ganze Tag im Freibad verbringt, verursacht auch den ganzen Tag Kosten, wie zum Beispiel die Toilettennutzung", sagt Kathrin Dommach weiter.

Egal welche Preise für das Freibad erhoben werden, für Achim Goertz ist wichtig, dass diese Freizeiteinrichtung überhaupt geöffnet wird. "Ich bin ein Kämpfer und ich kämpfe für den Erhalt", sagt er am Lesertelefon. Er ist sichtlich enttäuscht von den Mitarbeitern in der Verwaltung, die in seinen Augen nichts gegen die drohende Schließung machen.

Und auch Familie Kohlschmidt aus Schönebeck meldet sich in der Redaktion. "Wir verfolgen sehr irritiert die ganze Diskussion", schreiben die Schönebecker in ihrer E-Mail. Sie sind sich einig: "Ein Neubau einer Schwimmhalle mit Außenbecken kann nie ein Ersatz für ein Freibad sein, denn es liegt nicht nur am Schwimmbecken, sondern an den Liegewiesen, wo auch Ball beziehungsweise Federball gespielt werden kann." Die Familie ist der Meinung, dass das Schönebecker Freibad für jeden etwas zu bieten hat: Dort gibt es ein Becken für jeden Bedarf. Für die ganz Kleinen ein Becken, die sonst keine Möglichkeit haben, sich mit ihren Kindern erholen zu können. Es gibt ein Becken für die, die gerne toben und rutschen und auch ein Becken, wo man in Ruhe längere Strecken schwimmen kann.

Nicht nur Kostenfaktor

"Ist es unseren Städtern wirklich nicht möglich, Sponsoren zu suchen, die sich mit Geld, Material oder Arbeitskräften einbringen könnten", appellieren sie. Denn: "Wenn das Bad erst einmal geschlossen ist, wird es keinen Ersatz geben." Familie Kohlschmidt hofft, "dass die Stadtväter ein Einsehen haben und das Freibad nicht schließen".

Sehr empört über die ganze Geschichte ist Eike Garz. Deshalb schreibt er ausführlich seinen Standpunkt nieder: "Über das Verhalten und die Argumentation der Stadtverwaltung in der Diskussion über die Schließung des Freibades kann man nur mit Kopfschütteln reagieren." Für ihn ist es unverständlich, dass anstatt defekte Anlagen zu ersetzen, diese teilweise stillgelegt und nötige Reparaturen weit in die Zukunft verlegt wurden. "Das erweckt den Anschein, als wäre systematisch auf die Schließung hingearbeitet worden", schlussfolgert er.

"Das Vertrösten der Bewohner der Stadt auf den Neubau der Schwimmhalle mit Außenbecken, erweckt den Anschein das Problem erst einmal in ferne Zukunft zu verschieben, um die Diskussion vom Tisch zu haben", führt Eike Garz weiter aus. Und: "In Zusammenhang mit dem Neubau ist meines Wissens auch immer nur von einem Außenbecken die Rede. Also ist ein Spaßbecken für Kinder nicht geplant? Könnte zu viel Lärm machen, oder?" Deshalb seine Frage: "Kann dieser Neubau dann wirklich der Ersatz für das Freibad sein, wie es offenbar geplant ist?"

Beim Thema Freibad geht es dem Schönebecker nach um die Attraktivität der Stadt im Freizeitangebot. "Wenn man bedenkt, was Schönebeck als Stadt mit über 30000 Einwohner alles nicht im Freizeitsektor hat, ist es traurig, auch noch das Freibad schließen zu wollen", sagt er. Außerdem kritisiert Eike Garz, dass das Freibad fast nur als Kostenfaktor gesehen werde. "Dann sollte man auch den Sinn in Frage stellen, dass das Bad nur sieben Wochen im Jahr geöffnet hat. Kosten entstehen das ganze Jahr und für Einnahmen sorgt man nur in knapp zwei Monaten."