Schönebeck l Seit mehr als 20 Jahren soll der Tag der Kriminalitätsopfer jeweils am 22. März die Gesellschaft sensibilisieren für Personen, die an Leib und Seele Schaden genommen haben durch ihnen zugefügte Gewalt. Dazu zählen nicht nur die unmittelbar Betroffenen einer Straftat, sondern auch deren Angehörige. Mitarbeiter von Opferschutzorganisationen sowie Polizeibeamte berichten oft von Kindern, die mitleiden, wenn sie die Betroffenheit eines Elternteils spüren, das Opfer einer kriminellen Tat geworden ist. Den "Opferschutz" sowie die Vermittlung von Hilfe hat sich der Weiße Ring e.V. auf seine Fahnen geschrieben.

Ansprechpartner im Salzlandkreis ist Detlev-Henry Scherf. Er gehört zu einer Gruppe von zwölf Ehrenamtlichen in der Außenstelle Salzlandkreis. Seit deren Gründung im Juli 1992 wurden bis Ende Dezember des vergangenen Jahres 205 Opferfälle durch den Weißen Ring bearbeitet. 275 Hilfen unterschiedlicher Art konnten für die Betroffenen geleistet werden, wofür mehr als 107000 Euro zur Verfügung gestellt wurden.

Allein im Jahr 2014 sind den Angaben von Detlev-Henry Scherf zufolge 14 Opferfälle bearbeitet und 16 Hilfen geleistet worden, dafür flossen 4652 Euro an finanziellen Mitteln des Weißen Rings.

Worauf können Kriminalitätsopfer hoffen, wenn sie sich an den Verein wenden? Scherf listet auf: "Menschlicher Beistand und persönliche Betreuung nach der Straftat, Vorbereitung und Begleitung bei Terminen bei Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht, Übernahme von Rechtsanwaltskosten für eine umfassende Beratung in straf-, zivil- und sozialrechtlicher Hinsicht, Übernahme von Kosten für eine rechtsmedizinische Untersuchung in besonderen Fällen sowie für eine psychotraumatologische Erstberatung, Unterstützung bei der Durchsetzung rechtlicher Ansprüche gegenüber öffentlichen Verwaltungen und anderen Leistungsträgern, Hilfe bei der Überwindung tatbedingter Notlagen und bei Bedürftigkeit finanzielle Unterstützung."

Das diesjährige Motto zum Tag der Kriminalitätsopfer lautet "Damit Opfer nicht alleine stehen". Dazu sei die Bundesgeschäftsführerin des Weißen Rings, Bianca Biwer, zitiert: "Entscheidend ist, dass sich niemand selbst in Gefahr bringen muss, um Zivilcourage zu zeigen. Oft reicht es auch schon aus, die Polizei unter dem Notruf 110 zu verständigen." Täter würden sich immer dann sicher fühlen, wenn alle um das Geschehen herum passiv bleiben. Eine einfache und wirkungsvolle Regel sei es, andere Menschen aktiv und direkt zur Mithilfe aufzufordern, sofern es die Situation erlaube. "Wenn sich Straftäter beobachtet fühlen, lassen sie meist von ihrem Opfer ab", meint Biwer. Unerlässlich sei es, sich als Zeuge zur Verfügung zu stellen im polizeilichen Verfahren, führt sie weiter zum Thema Zivilcourage aus. Hauptsitz des Weißen Rings ist Mainz. Weitere Infos zum Verein gibt es im Internet unter www.weisser-ring.de.

Im Salzlandkreis widmet sich auch die Polizei dem Opferschutz. Jeder Beamte könne, etwa bei einer Anzeigenaufnahme, entsprechend informieren, wo es welche Hilfe gibt, sagte Polizeisprecher Marco Kopitz gestern gegenüber der Volksstimme. Zu Opferschutzbeauftragten seien vor allem Kriminalpolizisten qualifiziert worden. Es sind hauptsächlich die Tatbestände häusliche Gewalt und sexueller Missbrauch, bei denen die Beamten ermitteln, so Kopitz.

Bilder