Mit einem Rundgang durch das Gymnasium wurden am Montagmorgen Schüler aus Schweden und Russland in Schönebeck begrüßt. Die 28 Jugendlichen von Partnerschulen des Hermanngymnasiums bleiben bis Sonnabend in der Stadt.

Schönebeck l So richtig vom Hocker gehauen hat die Schweden das nicht. Als Lehrerin Kerstin Lüddeke den Medienraum mit allen technischen Rafinessen zeigt, unter anderem eine interaktive Tafel, nicken die Gäste aus Skandinavien zustimmend. Sie kennen das und haben - so berichten sie - solche Tafeln im Übrigen in jedem Klassenraum.

Eine Woche lang wird nun schwedisches, russisches, englisches und deutsches Stimmengewirr im Dr.-Carl-Hermann-Gymnasium zu hören sein. Schulleiter Ulrich Plaga ist froh, dass es gelungen ist, gleich zwei Partnerschulen gemeinsam nach Schönebeck zu bekommen. Zwölf Schüler aus Västerås (Schweden) und 16 Jugendliche aus Sowjetsk (Russland), alle im Alter zwischen 14 und 18 Jahren, haben sich auf den langen Weg nach Schönebeck gemacht. Erstmals können die Gäste auch das neue Schulgebäude in Augenschein nehmen.

Stolz ist das Gymnasium nicht nur auf die feste Partnerschaft mit der russischen Schule, sondern auch auf die mit der aus dem hohen Norden: Seit 1995 besteht eine Schulpartnerschaft und ist damit eine der ältesten in ganz Sachsen-Anhalt, wie Schulleiter Plaga berichtet.

Von dieser langen Freundschaft, die in diesen Tagen 20 Jahre alt wird, können die Russen nur träumen. "Nach Sowjetsk pflegen wir seit vier Jahren enge Kontakte", so Kerstin Lüddeke. Und das alles trotz oder aber auch wegen der derzeitigen politischen Lage. "Die Spannungen sind ja vorhanden. Deshalb freue ich mich, dass unsere Gäste aus Russland kommen konnten", freut sich der Schulleiter. Bildung sollte nicht an Grenzen Halt machen und weltoffen sein. Die gegenwärtige politische Lage ist schon am Sonntagabend im internen Kreis der russischen und deutschen Lehrer Thema gewesen.

Am heutigen Dienstag wird für die 28 Gastschüler kein Unterricht sein - zumindest nicht im eigentlichen Sinn. Gemeinsam mit ihren deutschen Freunden machen sie sich am Morgen auf eine Tagesexkursion nach Langenstein/Zwieberge: Nach einer Führung durch die Gedenkstätte legen die Schüler ein Blumengebinde nieder. Anschließend steht die Stadt Quedlinburg auf dem Programm. Morgen dann wird am Gymnasium an gemeinsamen Projekten gearbeitet.

Das alles und was ansonsten in dieser Woche noch auf dem Plan steht, kann nicht ohne die Unterstützung der Gasteltern und des Fördervereins auf die Beine gestellt werden, betont Ulrich Plaga. Ein Vertreter des Fördervereins begrüßt die Schweden und Russen ebenfalls und wirbt dafür, über Grenzen hinweg Freundschaften zu knüpfen.

Mehrmals entschuldigen sich die Deutschen, dass das Schulgebäude innen in einem zeitlosen krankenhaus-weiß gehalten ist. Aber das hat profane Gründe: Der Landkreis als Träger der Schule möchte nicht, dass die Wände in den Klassenräumen und in den Fluren mit Nägeln, Dübeln und anderen Dingen durchlöchert werden.

So erklärt die Schulleitung auch bei den Schweden, warum die Gastgeschenke aus früheren Besuchen, zwei Gehörne von Elchen, noch nicht im Haus hängen - obwohl im Zimmer des Schulleiters für diese schwedischen Kostbarkeiten sicherlich noch ein Plätzchen zu finden wäre.

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