Ungewiss ist, wo zehn körperbehinderte Kinder aus dem Salzlandkreis künftig beschult werden sollen. Magdeburg war bisher die Lösung. Doch ab 2016 müssen neue Wege gefunden werden.

Schönebeck/Staßfurt l Eine unsichere Zeit herrscht für zehn Kinder und ihre Familien. Denn sie wissen nicht, wo sie ab 2016 zur Schule gehen werden. Hintergrund ist: Die zehn Kinder, um die es hier geht, sind körperlich behindert. Der Salzlandkreis verfügt zwar über Förderschulen, diese sind aber nur auf Geistig- und Lernbehinderte ausgerichtet. Deshalb ist es seit Jahren Praxis, dass die körperbehinderten Kinder, die nicht an einer Schule im Salzlandkreis beschult werden können, die Körperbehindertenschule Fermersleber Weg (FöS) in Magdeburg besuchen. Eine Gangart, der auch die Landkreise Börde und Jerichower Land bisher folgen.

Aber: Die FöS in Magdeburg ist überfüllt, heißt es aus der Landeshauptstadt.

Hinzu kommt, dass die Schule saniert werden muss. Der Termin steht fest: ab 2016. Während der Bauzeit müssten die Schüler an einem Ausweichstandort beschult werden - und schon dort gebe es keinen Platz mehr für Kinder, die nicht aus Magdeburg stammen.

Das bedeutet: 2016 werden die körperbehinderten Schüler aus dem Salzlandkreis so wie die anderen Auswärtigen vor die Tür gesetzt. Ein unhaltbarer Umstand. Eine Idee der betroffenen Landkreis-Chefs ist, dass die FöS in die Trägerschaft des Landes übergeht. Dann wäre Magdeburg als Träger nicht mehr allein betroffen.

Diese Forderung hat Landrat Markus Bauer in einem Schreiben an das Kultusministerium noch einmal bekräftigt. Darin heißt es: "Gleichzeitig wurde von den Mitgliedern des Kreistages ein Entschließungsbeschluss gefasst, mit dem die Forderung gegenüber dem Land Sachsen-Anhalt verbunden ist, für Schüler mit Körperbehinderung, die nicht im gemeinsamen Unterricht beschult werden, im Raum Magdeburg eine Förderschule in Landesträgerschaft zu errichten und zu betreiben."

Der Brief stammt vom 2. März. Eine Antwort steht noch aus.

Die Beschulung der körperbehinderten Kinder in Magdeburg ist für den Salzlandkreis mit Kosten verbunden. Es fallen sogenannte Gastschulbeiträge in Höhe von 12534 Euro an, und der Schülerverkehr kostet 75000 Euro im Jahr.

Diese finanziellen Mittel müssen aufgebracht werden, weil der Salzlandkreis selbst keine geeignete Schule vorhält. "Die Tatsache, dass eine Vielzahl der Schulen im Salzlandkreis behindertengerecht ertüchtigt wurden, schließt nicht automatisch die Möglichkeit ein, einen Schüler mit einer Körperbehinderung in einer allgemeinbildenden Schule zu beschulen", sagt Kreissprecherin Alexandra Koch auf Volksstimme-Nachfrage.

"Der Begriff ,Körperbehinderung` umschreibt eine sehr heterogene Gruppe von Menschen", sagt Alexandra Koch. Die Erscheinungsformen und Schweregrade der Beeinträchtigungen sind vielfältig. Weitere Schulen mit diesem Schwerpunkt befinden sich in Tangerhütte und Halle.

Eindeutig näher ist da Magdeburg. Daran hält auch der hiesige Landrat fest. Und weil die Salzländer nicht nur fordern wollen, sondern auch etwas tun, schreibt Markus Bauer weiterhin in dem Schreiben an den Kultusminister: "Der Kreistag des Salzlandkreises stimmte in seiner Sitzung am 12. März einer finanziellen Kostenbeteiligung des Salzlandkreises am Neubau beziehungsweise einer Sanierung sowie an den anfallenden Betriebskosten zu, insoweit die Stadt Magdeburg für das Vorhaben eine Stark-III-Förderung erhält."

Gleichzeitig - während die Antwort des Ministeriums aussteht - prüft der Salzlandkreis, an welchen Schulen - bei entsprechendem Elternwillen - auch die Beschulung von Kindern mit einer körperlichen Einschränkung erfolgen kann.