"Suppe Seele" in Schönebeck stellt sich neu auf. Neben den Angeboten für Bedürftige gibt es seit Anfang Oktober die "Suppe Seele-Zauberküche", eine Lehrküche mit behinderten Menschen. Hier werden täglich Schulessen gekocht, der Salzlandkreis begleitet das Projekt.

Schönebeck l Am Anfang stand eine Idee: "Uns schwirrte durch den Kopf, täglich frisch zubereitetes Essen für Kinder in Schulen und Tagesstätten anzubieten. Gekocht von Profis in einer Küche, in der auch Menschen mit Behinderung die Chance für eine berufliche Verwirklichung finden", berichtet Monique Krause von den ersten Überlegungen für die "Suppe Seele-Zauberküche" Ende letzten Jahres. Diese Großküche, so die Geschäftsführerin, sollte neben der Suppe Seele-Tafel entstehen, in der über Ehrenamtliche und Kräfte des zweiten Arbeitsmarktes Bedürftige der Region mit Mittagessen und Lebensmittelbeuteln versorgt werden. Die Tafel wird weiterhin durch das Jobcenter des Salzlandkreises unterstützt, ohne diese Hilfe wäre die Existenz "der Tafel stark gefährdet.

Im SPD-Bundestagsabgeordneten Burkhard Lischka fanden Monique Krause und ihr Team schnell einen ideenreichen Partner, den besonders das angestrebte Integrationskonzept begeisterte. "Behinderungen dürfen in unserer Gesellschaft kein K.o.-Kriterium sein", so der Politiker. "Auf der einen Seite brauchen wir dringend motivierte Fachkräfte. Und auf der anderen Seite braucht jeder Mensch eine sinnvolle Beschäftigung." Grund genug für Burkhard Lischka, "Suppe Seele" zu unterstützen, beides zusammenzuführen.

Gute Entwicklung im ersten halben Jahr

Ein halbes Jahr später, seit Anfang März, läuft die Zauberküche. Verträge mit Lebensmittelhändlern stehen und auch die Nachfrage ist groß. "Wir haben nie damit gerechnet, dass wir so schnell so viel Zuspruch bekommen." Die Zauberküche bewarb sich um die Mittagsversorgung einer prestigeträchtigen Schule - des Dr.-Frank-Gymnasiums in Staßfurt. Und erhielt den Zuschlag. Die Testesser, darunter die Schulleitung und die Verantwortlichen aus dem Landkreis, fanden ein positives Urteil. Von weiteren vier Testessen gewann die Zauberküche vier. "Wir konnten es kaum glauben, dass Selbstgemachtes noch so viel Anerkennung erhält", sagt Monique Krause.

Sie stellt klar: Die Versorgung der Bedürftigen, die "Suppe Seele" seit sechs Jahren in der Stadt leistet neben Projektarbeit mit Kindern und Jugendlichen, ist strikt getrennt von der "Suppe Seele Zauberküche", die ein neues gewerbliches Unternehmen in der Stadt ist. "Die Tafel läuft auf Ehrenamtsbasis. Die Versorgung mit Mittagessen wird immer schwieriger. Möglicherweise können wir bald nur noch die Beutelausgabe bewerkstelligen." So sei es wichtig gewesen, erklärt die Chefin, sich neue Geschäftsfelder zu eröffnen.

Das wird auch am Sitz in der Böttcherstraße spätestens ab den Sommerferien ganz augenscheinlich zu erkennen sein. Umbauarbeiten stehen an. Eine bestehende Küche wird um das Doppelte erweitert und mit modernen Koch- und Arbeitseinheiten ausgestattet. Die Bedürftigenküche mit Essensraum ist in einen anderen Teil des Hauses gezogen. Um eine genaue Abrechnung garantieren zu können, hat man sich ein eigenes Onlinesystem konzipieren lassen. Die Kinder haben eine Foodcard, vergleichbar mit einer Bankkarte. Die wird an einen Sensor gehalten und das Essen eingelesen. Am Ende des Monats gibt es die Abrechnung per E-Mail oder per Post. "So gibt es keinen Trubel bei kurzfristigen Abbestellungen." Das junge Unternehmen hat für alles bereits mehrere Zehntausend Euro investiert. Begleitet werden die Konzeption und der Umbau vom Gesundheitsamt des Salzlandkreises.

Und sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze werden geschaffen. "Allein zu unserem Team in der Küche gehören bereits neun Festangestellte, darunter drei ausgebildete Köche und ein Küchenleiter", sagt Monique Krause. Mit frischen Zutaten, gekauft und nicht aus den Spenden, bereiten die Köche täglich drei Essen zu. Jeden Tag 250 Kilogramm frisches Gemüse und bis zu 100 Kilogramm Kartoffeln werden verarbeitet. Es gibt vegetarische Wochen und freitags ist Pastatag. Das neueste Angebot ist ein Low-Carb-Essen, also kohlenhydratarme Nahrung. Mehrere hundert Essen verlassen das Haus, die Geistigbehindertenschule "Lindenstraße" und die Förderschule "J. H. Pestalozzi" gehören zu den Kunden. Es sollen nicht mehr als 1500 Essen werden. "Unser Anspruch ist, dass die Kinder sagen: Es schmeckt wie bei Mutti!", erklärt Monique Krause das Ziel der Zauberküche.

Bürgermeister hofft weiter auf soziales Engagement

Jetzt hat sich Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch bei einem Besuch einen Überblick über die neue Firma in Schönebeck gemacht. Er freut sich mit den Initiatoren über die Entwicklung, schreibt aber gleichzeitig die Bitte ins Stammbuch, die Ärmsten der Stadtgesellschaft nicht zu vergessen. "Ich freue mich, dass hier ein Weg gefunden wurde, sich gewerblich aufzustellen und nachhaltig wirtschaften zu können. Und ich hoffe und wünsche mir, dass das Karitative dadurch weiter möglich ist und davon die Bedürftigen dieser Stadt profitieren können." Monique Krause sagt, dass die Bedürftigenküche auch ganz praktisch von der Zauberküche profitieren könne, dann nämlich, wenn Schulessen übrig bleiben würden.