Das Projekt "Unsere Jugend kocht" hat Station gemacht in der Schönebecker Pestalozzi-Schule. Anliegen sind gleich mehrere Dinge: gesunde Ernährung, Förderung der Kommunikation in der Familie, aufmerksam machen auf das Berufsbild Koch. Es gab viel Arbeit - und viel Vergnügen.

Schönebeck l Essen ist mehr als Nahrung fassen. Viel mehr. Sofern man es will. Diese Erfahrung konnten jetzt Schüler der Basisförderschule "J.-H. Pestalozzi" machen. Das Projekt "Unsere Jugend kocht" machte am Mittwoch halt in der Schönebecker Tischlerstraße.

Dazu muss erklärt werden: Ideengeberin für dieses sachsen-anhalt-weite Projekt ist die jüngste Tochter des Hallensers Dieter Bührnheim. Wie kam das? "Sie ist Diätassistentin. Als ich in den Ruhestand ging, hat sie mir die Idee vorgeschlagen mit dem Hinweis, dass der Staat ja nicht alles machen muss", erklärt Bührnheim gegenüber der Volksstimme. Er hörte auf das Töchterlein, meldete das Projekt an und tourt damit seit 2010 durch Sachsen-Anhalt. Inzwischen hat auch Sachsen Interesse angemeldet.

Das gemeinsame Abendessen in den Familien ist oft nicht mehr gang und gäbe.

Gut. Aber was ist das konkrete Anliegen von "Unsere Jugend kocht"? Bührnheim hat für Fragen dieser Art einen Hefter bei sich, da es doch einen größeren Informations-Hintergrund gibt. Darin heißt es unter anderem: "Die Jugend kocht gGmbH versteht sich als gemeinnützige Initiative mit Spendenpool. Das Ziel besteht darin, Eltern, Unternehmen und Institutionen für die gesunde Ernährung der Jugend zu interessieren." Und das kann bei Jugendlichen am besten gelingen mit einem gemeinschaftlichen Kochen in einer Schule, findet Bührnheim

Das Anliegen geht aber noch weiter: "Wir wollen das Berufsbild Koch und damit verbundene Berufe vermitteln und Kochen als einen Integrationsfaktor in Familie und Gesellschaft neu etablieren." Denn, so Bührnheim, das früher selbstverständliche gemeinsame Abendessen sei heute keineswegs mehr gang und gäbe; da komme dann auch die Kommunikation unter den Familienmitgliedern oft genug zu kurz.

Schüler und Lehrer der Pestalozzi-Schule setzten sich bereits vor zwei Jahren mit dem Projekt auseinander. Ein Termin kam aber erst jetzt zustande. Im Vorfeld hatten die Schüler einen Menüplan erstellt und der sieht vor: Salatteller, Lasagne, Tiramisu. Dankenswerter Weise haben sich mit den Stadtwerken Schönebeck und der Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) Schönebeck zwei Sponsoren gefunden. Deren Chefs Friedrich Husemann und Detlef Eitzeroth helfen kurzerhand beim Vorbereiten und Kochen und auch der eingeladene Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) ist sich nicht zu schade, Hand anzulegen beim Servieren.

Chef am Herd ist Christian Lifka vom Dorint-Hotel Halle. Er bringt zur Verstärkung seinen Auszubildenden im dritten Lehrjahr Fritz-Patrick Stelzer mit. Kurz nach 9 Uhr ging es los. Nudelteig rühren, Gemüse putzen und schneiden, Tiramisu-Creme rühren... Viel Arbeit für knapp 30 Leute, aber auch viel Vergnügen dabei. Im Hauswirtschaftsraum der Schule herrscht drei Stunden lang ein emsiges Treiben. Und dann, endlich, der Genuss.

Beim ersten Gang, dem Salat, bestehend aus fünf Salat-sorten, gehen noch recht viele Teller ungeleert zurück. "Grünzeug ist nicht für jeden was", weiß Chefkoch Lifka aus Erfahrung. Nicht abgegessene Teller sind bei der selbstgemachten Lasagne kaum noch zu sehen. Das leckere Tiramisu (übrigens ohne Alkohol und lediglich mit entkoffeinierten Kaffee zubereitet) geht ratze putz weg.

Frage an den Chefkoch, als alle anderen genüsslich zu Tische sitzen: Ist Lasagne ein gesundes Essen? Christian Lifka zögert beim Antworten: "Das ist schon sehr mächtig. Im Unterschied zu gekaufter Lasagne hat unser Gericht aber ein Drittel Gemüseanteil." Zudem sei alles "handmade", also selbstgemacht, alles, auch die Lasagneplatten, auch die Béchamelsoße. Einzig das verwendete Tomatenmark ist eine fertig gekaufte Komponente. Stadtwerke-Chef Friedrich Husemann ist begeistert darüber, dass die Schüler mit "Feuer und Flamme dabei sind". WBG-Vorstand Detlef Eitzeroth lässt wissen, dass die Wohnungsbaugenossenschaft das Projekt gern unterstützt, "weil es einfach gut ist". "Was hier passiert, wird nachhaltig wirken", setzt er auf einen großen Lerneffekt.

Oberbürgermeister Bert Knoblauch frohlockt: "Mich hat gefreut, mit welcher Aufmerksamkeit und Ernsthaftigkeit die Schüler an die Schüsseln und Töpfe gingen. Hier wurde Teamarbeit mit Genussfreude, Kreativität und Berufsorientierung verknüpft - eine leckere Angelegenheit."

Bleibt die Frage an den Auszubildenden Fritz-Patrick Stelzer, warum er den Koch-Beruf erlernt. "Mein Traumberuf seit ich zwölf bin. Wenn ich fertig gelernt habe, will ich in die weite Welt und vielleicht auf ein Schiff", sagt er.

Den nicht gerade geringen Abwasch erledigen die Schüler. "Das gehört dazu", kennt Christian Lifka keine Gnade.

   

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