Ab 1. April sind die beiden Regionalbereichsbeamten (RBB) der Polizei im Barbyer Schloss erreichbar. Dort finden vierzehntägig Bürgersprechstunden statt.

Barby l Die beiden "RBB`s" Lutz Maser und Bernhard Wessner haben ihren Dienstraum im Schloss Barby, mit dessen Aussicht andere Amtsdomizile kaum konkurrieren können. Der Blick aus dem Fenster geht über den rückwärtigen Schlosspark durch den "Eichelwald" zur Elbe.

Hier tourt erstmal ab, wer seinen Nachbarn wegen ungebührlichen Verhaltens anzeigen will ...

Und noch etwas anderes fällt dem Besucher auf: Es ist offensichtlich kein Raum nach Dienstvorschrift, sondern bei aller polizeilichen Sachlichkeit mit persönlicher Note. Dafür spricht eine Fotomontage an der Wand, die Bernhard Wessner mitbrachte. "Das war ein Geschenk meiner Kollegen von der Pressestelle Magdeburg", verrät der gebürtige Hesse. Das Motiv zeigt nichts Geringeres als "Das Abendmahl" von Leonardo da Vinci, das Jesus mit den zwölf Aposteln darstellt. Nur dass in diesem Falle Jesus Wessners Antlitz trägt und die Apostel Polizeikollegen sind ...

Doch das nur nebenbei.

Bereits vor einem Jahr kündigte Barbys Bürgermeister Jens Strube freudig an, dass zwei Polizeibeamte im städtischen Haus der Begegnung "installiert werden". Doch dabei blieb es über Monate. Um Miete zu sparen, wies das Innenministerium an, landeseigene Liegenschaften zu nutzen. Jedenfalls, soweit sie vorhanden sind. Im Falle des Barbyer Schlosses ist das so, das als Grundbucharchiv genutzt wird.

Wer jetzt zu den "RBB`s" möchte, muss sich an der Wache des streng geschützten Grundbucharchivs anmelden. (Der politisch motivierte und nie aufgeklärte Brandanschlag vom April 1993 wirkt auch heute noch nach.) Von dort werden die Besucher von einem der Polizisten abgeholt. "Wir haben die Sprechzeiten 14-tägig festgelegt, weil die Erfahrung lehrt, dass das ausreicht", sagt Wessner. Viel wichtiger sei die Präsenz der Beamten auf der Straße. Das bestätigt auch Polizeirat Dirk Kost, der gestern das neue Domizil seiner Mitarbeiter inspizierte.

Bernhard Wessner und Lutz Maser haben in dieser Beziehung bereits erste Erfolge zu verzeichnen. Sie nehmen Anzeigen auf, werden von den Bürgern auf der Straße angesprochen. Ihre Streifentätigkeit macht sogar vor Schulen oder Bushaltestellen nicht Halt. Weil der Tabakwaren-Konsum von Teenagern unter 18 Jahren nicht gestattet ist, werden Jugendliche mit einer Kippe in der Hand schon mal ermahnt. Auch auf ordentliches Fahrradlicht oder innerörtliches Geschwindigkeitsverhalten haben die "RBB`s" ein Auge. Sogar ein bedröhnter Pkw-Fahrer ging den Beamten kürzlich in der Gnadauer Straße mit 2,44 Promille ins Netz. Er fiel ihnen auf, weil er nicht angeschnallt war ...

Bernhard Wessner bringt es mit einem Beispiel auf den Punkt, was die Bürger von dieser reaktivierten Form polizeilicher Präsenz halten. Als ein Falschparker in Barby zur Verantwortung gezogen wurde, grollte der anfangs, kam aber am Ende zu dem Schluss: "Das ist ärgerlich für mich. Aber ich bin trotzdem froh, dass es Sie jetzt wieder gibt!"