Schönebeck l Fassungslos steht die Besitzerin eines Mercedes vor den Trümmern ihres Autos. Orkan "Niklas" hat in der Schönebecker Wasserstraße einen Baum entwurzelt. Er ist auf das parkende Auto gestürzt. Das Fahrzeug ist völlig zerstört. Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Bad Salzelmen können den Baum nur noch mit der Kettensäge zerkleinern und Stück für Stück wegschaffen. "Immer wieder haben wir die Stadt aufgefordert, die Bäume zu beseitigen, nichts ist passiert", schimpfen die Nachbarn.

Im Ordnungsamt weist man die Vorwürfe zurück. Der zuständige Dezernent Joachim Schulke sagt, dass es durch die speziell ausgebildeten Mitarbeiter des Grünflächenamtes regelmäßig Baumschauen in der gesamten Stadt gebe. "Da wo Risiken bestehen, da wird auch sofort gearbeitet", sagt der Ressortchef und verweist auf den Passus Gefahr in Verzug. "Die Kraft des Windes darf nicht unterschätzt werden", so Schulke.

Heimattiergarten auf dem Bierer Berg geschlossen

Der umgestürzte Baum in der Wasserstraße ist einer von vielen, die auf das Konto des wütenden Orkans gehen. Die Feuerwehren aus der Tischlerstraße, aus Bad Salzelmen und aus Pretzien sind immer wieder im Einsatz. Am Cokturhof, auf der Eggersdorfer Straße oder im Pretziener Steinhafen fallen Bäume um, in der Friedrichstraße wird bereits Montag das Fenster eines leerstehenden Hauses gesichert. "Die Feuerwehren sind vielfältig gefragt. Es macht sich bezahlt, dass die Wehren über Spezialkräfte verfügen, die gut ausgebildet sind", sagt Schönebecks Stadtwehrleiter Ronald Mühlsiegel. Er meint vor allem die Kettensägenführer. Sie besuchen besondere Lehrgänge, um fachgerecht mit den Geräten umgehen zu können. Außerdem sind sie auch in der Lage, auf der Drehleiter in großer Höhe arbeiten zu können, wenn sie beispielsweise an Baumkronen heran müssten.

Dauereinsatz und Hochleistungsarbeit also für die Feuerwehrleute. "Das, was die Ehrenamtlichen vollbringen, ist eine Hausnummer. Seit mehreren Tagen sind sie immer wieder draußen. Sie bringen sich auch selbst ein Gefahr, wenn sie zu Gefahrenstellen fahren", sagt Dezernent Schulke und dankt den Blauröcken.

Die Stadtführung selbst reagiert auch auf den Sturm. Am frühen Nachmittag wird der Heimattiergarten auf dem Bierer Berg versorglich geschlossen, weil es immer wieder Schäden an Bäumen gibt. "Auf den Wegen liegendes Totholz, und weiter zu befürchtender Astbruch bergen eine mögliche Unfallgefahr", begründet Stadtsprecher Hans-Peter Wannewitz die Vorsichtsmaßnahme. Heute soll der kleine Zoo wieder offen sein. Für die Nacht allerdings hat die Stadt die Einsatzkräfte im Bauhof und im Ordnungsamt aufgestockt. "So können wir schnell reagieren, wenn was ist", sagt Joachim Schulke. Das Ordnungsamt kontrolliere Schäden im öffentlichen Raum und auch an Gebäuden oder Grundstücken, die leer stehen, von denen aber Gefahren ausgehen könnten.

Elbefähren stellen ihren Betrieb ein

Schäden gab es auch in Barby: Gegen 14.30 Uhr mussten die Freiwilligen Feuerwehren Gnadau und Barby in Gnadau einen umgestürzten Baum zersägen, der die Zinzendorf-Grundschule und einen parkendes Auto beschädigt hatte. Das Feuerwehrdepot Groß Rosenburg und die Marienkirche Barby erlitten zum Teil erhebliche Dachschäden. Alle drei Gierfähren der Einheitsgemeinde stellten wegen des Orkans im Laufe des Tages ihren Betrieb ein.

Sturm fegt Anhänger von der Straße und gegen Baum

Mit dem Schrecken davon gekommen ist der Fahrer eines Kleintransporters, der zwischen Calbe und Schönebeck unterwegs gewesen ist. Am Abzweig Kleinmühlingen erfasste eine Windböe den Anhänger und schleuderte ihn gegen einen Baum. Calbes Feuerwehrleute mussten mehrfach mit Kettensägen ausrücken, um weitere Sturmschäden zu beheben. In der Ringstraße fiel eine Pappel um. Auf dem Gelände des Feuerwehrdepots knickte eine Birke ab. Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Schwarz waren nahe der Bungalowsiedlung Norderney im Einsatz. Dort blockierte ein Baum die Straße, und ein Ast flog auf die Telefonleitung.

Mitarbeiterzahl in der Leitstelle aufgestockt

Bei aller Vielfalt der Einsätze - insgesamt ist man in der Region glimpflich davongekommen. So schätzen am Abend Sprecher von Landkreisverwaltung und Polizei im Salzlandkreis übereinstimmend die Lage ein. Wichtig sei, dass keine Opfer zu beklagen seien, hieß es von der Polizei. Dennoch, so sagt Kreissprecherin Alexandra Koch, sei das Einsatzaufkommen sehr hoch gewesen. Gegen 18.30 Uhr hatte die Leitstelle in Staßfurt 75 Einsätze aufgenommen und disponiert. 25 Ortswehren waren im Salzland unterwegs, um Sturmschäden zu beseitigen. Genaue Einsatzzahlen könnten erst genannt werden, wenn alle Wehren sich zeitnah abgemeldet hätten, so die Pressesprecherin. Allerdings seien Tendenzen klar erkennbar. "Schwerpunkte zu Sturmschäden an Gebäuden wurden in Schönebeck, Bernburg, Staßfurt, Güsten, Biere und Hoym verzeichnet. Viele Verkehrswege durch umgestürzte Bäume mussten durch Feuerwehren wieder passierbar gemacht werden."

Die Leitstelle, so Alexandra Koch, hat am Abend ihre Mitarbeiterzahl auf elf aufgestockt.

   

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