Ein apokalyptisches Bild hat das Sturmtief "Niklas" in Damaschkeplan hinterlassen. Dort rissen Sturmböen das Dach von Lutz Müller herunter. Bei kräftigen Böen und Graupelschauern übernahmen gestern Calbenser Dachdecker die Sicherung.

Damaschkeplan l Lutz Müllers Blick ging zum dunklen Himmel, als er sich am Dienstagnachmittag ins Auto setzte und in die Stadt zum Einkaufen fuhr. Mitten im Supermarkt klingelte sein Handy. Seine Mutter sagte, dass er sofort wieder nach Hause kommen müsse. "Es klang schon bedrohlich, aber so etwas hätte ich nicht erwartet", sagt der Calbenser am Tag danach und blickt auf das Chaos in seinem Garten.

"So etwas habe ich noch nicht erlebt. Und konnte es mir auch nicht vorstellen."

Noch am Dienstagnachmittag rückte Calbes Feuerwehr an und stieg bei heftigen Böen auf das Wohnhausdach, um loses Material herunterzuholen. "Mehr konnten wir nicht machen", sagt Ortswehrleiter Uwe Wirth.

Styroporplatten, Dachpappe, Folie und Rinnenteile liegen noch immer weit verstreut auf dem Grundstück. "So etwas habe ich noch nicht erlebt. Und konnte mir es auch nicht vorstellen", sagt Lutz Müller und blickt auf sein Geburtshaus. Der Ziegelbau war einst Wohnhaus für gehobene Angestellte des Musterguts "Bartels Hof". Erst im vergangenen Jahr hatte er die Terrasse hinter dem Haus überdacht. Nun haben sie Teile seines Hausdachs in Mitleidenschaft gezogen. "Es hat in die Räume unterm Dach geregnet. Mancherorts steht das Wasser noch immer", sagt Lutz Müller. Auch der Schornstein hat dem Sturm nicht standhalten können und fiel regelrecht um. Im Dach der benachbarten Scheune klaffen Löcher.

Lutz Müller hofft, dass er nach dem Besuch eines Gutachters die Sturmschäden unkompliziert ersetzt bekommt. "Glücklicherweise habe ich noch eine Elementarversicherung aus DDR-Zeiten", sagt der Calbenser.

Gestern übernahmen Dachdecker aus der Saalestadt die Sicherungsarbeiten. Auch sie mussten bei Schnee- und Graupelschauern das Hämmern und Anheften immer wieder unterbrechen und vom Dach steigen. Zu gefährlich waren die plötzlich aufbrausenden Böen, die über ihre Köpfe hinwegrasten.

"Unser Schleppdach hat es regelrecht davongeweht"

Für das Team des Dachdeckermeisters Hans-Joachim Demele war es nur eine von vielen Baustellen, das Telefon klingelte ununterbrochen. Beim Calbenser hatte der Sturm am Dienstag ebenfalls zugeschlagen. Fast zeitgleich wie das Müllersche Haus in Damaschkeplan war sein Firmengrundstück am Hänsgenhoch betroffen. "Unser Schleppdach hat es regelrecht davongeweht. Es ist in der Nähe der Schönebecker Straße wieder gelandet", sagt Demele, der regelmäßig die regionalen Wetterdaten im Blick hat. "Zu diesem Zeitpunkt wurde der Sturm im Bereich Calbe mit rund 110 Stundenkilometern angegeben", sagt Demele.

Im Fall von Lutz Müller hatten zwei große Ziegelbauten direkt vor seinem Wohnhaus, in denen die Stadt zuletzt Obdachlose unterbrachte, wie ein Windschutz gedient. Nach deren Abriss muss die Häuserreihe den kommenden Stürmen stärker trotzen.

 

Bilder