Der demografische Wandel und der Fachkräftemangel veranlassen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, verstärkt über das Thema Weiterbildung nachzudenken. Ende April findet in Bernburg eine Messe für Aufstiegsweiterbildung statt.

Tornitz/Bernburg l "Hoch hinaus - Messe für Aufstiegsweiterbildung" lautet die Überschrift zu dieser Veranstaltung. "Eine betriebliche oder akademische Aufstiegsweiterbildung schafft bessere Aufstiegs- und Verdienstmöglichkeiten, hilft Fachkräftemangel zu vermeiden und Lücken im Betrieb zu füllen", sagt Thomas Holz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bernburg. Zusammen mit Stefanie Deutschbein, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, stellte er nun das Projekt im Metallbau Henschel vor. Firmenchef Eckhard Henschel und Metallbaumeister Marcel Pesla waren sich einig darüber, dass der beruflichen Weiterbildung beim Ausbau der Wettbewerbstätigkeit eine große Bedeutung zukomme.

Nicht nur Investition in Technik, sondern auch in Personal und Weiterbildung seien die Garantie für den zukünftigen Erfolg. So stellt Henschel seit Jahren "Quereinsteiger" ein, die aus anderen Berufen kommend zum Konstruktionsmechaniker umgeschult werden.

"Was das Handwerk betrifft, herrscht bei den Jugendlichen immer noch ein Vorurteil. Sie verbinden es mit Dreck, Schweiß und krummem Rücken."

"Wir müssen vorausschauende Personalplanung betreiben und auf lange Sicht hin qualifizieren. Das ist aber gar nicht so einfach", gestand Eckhard Henschel. So ließen Motivation und schulische Vorbildung der Auszubildenden zu wünschen übrig. Die Zahl der Ausbildungsabbrecher werde immer größer. Ein Fakt, den Thomas Holz bestätigte. Derzeit verzeichne das Arbeitsamt etwa ein Viertel der Lehrlinge, die das Handtuch werfen. Dabei seien heute die Chancen deutlich gestiegen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen.

Henschel beklagte am dualen Ausbildungssystem ein Unverhältnis von Theorie und Praxis. Es sei zu "theorielastig", worunter die praxisbezogene Ausbildung leide.

Der Tornitzer Metallbauchef kritisierte zudem die Effektivität der Bildungsträger: "Der Bund gibt vielleicht 20 Milliarden Euro für 3 Millionen Leute aus, von denen viele keine Lust zum Arbeiten haben." Eckhard Henschel und Thomas Holz warben für den "Tag der Berufe". Schüler und Eltern würden in der Zeugnismappe dazu eine Einladung finden, damit zukünftige Azubis in die Arbeitswelt hineinschnuppern können. Diese Möglichkeiten würde allerdings zu wenig genutzt. "Beim letzten Mal waren wir ganz unter uns. Kein Mensch kam", winkte Eckhard Henschel ab.

"Was das Handwerk betrifft, herrscht bei den Jugendlichen immer noch ein Vorurteil", sagte Marcel Pesla. Sie verbänden es mit "Dreck, Schweiß und krummem Rücken". Was nicht den Tatsachen entspreche.

"Die Besucher erfahren aus erster Hand, wie Weiterbildung oder Studium und Beruf miteinander in Einklang gebracht werden können."

"In der Zukunft werden wir etwa die Hälfte der Arbeitsplätze mit nachrückenden Azubis besetzen können", schätzte Thomas Holz ein. Für den Rest werde man auch Zuwanderer brauchen. Mit der Messe für Aufstiegsweiterbildung will die Agentur für Arbeit Fachkräfte stärken. "Hier erfahren die Besucher aus erster Hand, wie Weiterbildung oder Studium und Beruf miteinander in Einklang gebracht werden können", so Holz.

Anbieter wie beispielsweise die Bildungszentren der Kammern, staatliche und private Bildungseinrichtungen/Berufsschulen und Hochschulen stellten ihre berufsbegleitenden und Vollzeitangebote vor. Außerdem kann man sich über verschiedene Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten informieren.

Mittwoch, 29. April, von 17 bis 19 Uhr in der Aula des "Campus Technicus" Bernburg, Kollwitzstraße 12 bis 14