Es gibt einen Hoffnungsschimmer für den kränkelnden Wochenmarkt: Ab Mai wird die Deutsche Marktgilde die Bewirtschaftung übernehmen. Dem hat der Stadtrat im Rahmen des verabschiedeten Haushaltes 2015 und des fortgeschriebenen Konsolidierungskonzeptes einstimmig zugestimmt.

Calbe l Dienstags und donnerstags ist es deutlich vor dem Rathaus zu erkennen: Calbes Wochenmarkt mit seiner langen Tradition hat seine besten Tage zweifelsfrei hinter sich. Einst pilgerten Calbenser gern zum Marktplatz, um sich mit frischem Obst, Gemüse, Blumen, Gartenpflanzen, Fleisch und Wurst, Fisch und weiteren Dingen des täglichen Bedarfs einzudecken.

Höhere Marktgebühren haben negativen Effekt

Nicht zuletzt gilt der Wochenmarkt als beliebter Ort der Kommunikation. Mittlerweile ist aber die Zahl der Händler deutlich gesunken, immer mehr Besucher bleiben weg. Diejenigen, die ihre Stände noch aufbauen, murren angesichts von Marktgebühren, die seit Jahresbeginn merklich gestiegen sind. Zur Erinnerung: Der Stadtrat beschloss im vergangenen Oktober auf Druck der Kommunalaufsicht des Salzlandkreises, die Gebühren auf Grundlage der Kalkulation einer beauftragten Firma von 6,30 Euro auf kostendendeckende 9,13 Euro pro laufendem Frontmeter anzuheben. Das sollte zusätzlich 5500 Euro in die Stadtkasse spülen.

Es blieb beim guten Vorsatz. Vielmehr sah sich die Stadtverwaltung angesichts der schlechten Entwicklung gezwungen, das Ruder wieder herumzureißen, sprach dazu auch mit den Händlern. "Aus ihren Reihen wurde letztendlich der Vorschlag an uns herangetragen, die Bewirtschaftung des Wochenmarktes an einen Dritten zu übertragen", erklärte Bürgermeister Sven Hause in den vorberatenden Ausschüssen.

Hoffnungsträger ist nun die Deutsche Marktgilde eG (DMG). Das Dienstleistungsunternehmen mit rund 160 Mitarbeitern mietet bundesweit (aktuell rund 150) Wochenmärkte von Kommunen an, beispielsweise in Burg, Staßfurt und Dessau-Roßlau. Bei der Sitzung am Dienstagabend stand DMG-Mitarbeiter Frank Hadan den Stadträten Rede und Antwort. Im Vorfeld kritisierte Stadtrat Frank Wilhelm (CDU/FDP) die bereitgestellte Beschlussvorlage: "Darin war keinerlei Konzept als Grundlage für einen Beschluss erkennbar."

Neuer Marktmeister sollte aus Calbe kommen

Frank Hadan bestätigte, dass die Erhöhung der Calbenser Marktgebühren "alles andere als ein glücklicher Schritt" gewesen sei. Mit der Bewirtschaftung des Marktes durch die DMG spare die Stadt langfristig die Kosten für das Marktpersonal. Zudem würden zuverlässige Mieteinnahmen in die Stadtkasse gespült. Organisationskosten, beispielsweise für Rechnungsstellung, Zahlungsverkehr, Reinigung, Abfallentsorgung und weiteres entfallen für die Stadt. Diese Arbeit werde ein neuer Marktmeister übernehmen, der idealerweise aus Calbe kommen sollte, erklärte Hadan weiter. Vom Aufschließen der Stromkästen und der Einteilung der Standplätze bis zur Reinigung des Marktplatzes organisiert und kontrolliert er alles selbst.

Hadan machte deutlich, dass die DMG auf dem Calbenser Wochenmarkt wieder für eine größere Angebotspalette sorgen werde. "Für uns ist das Minimum acht bis neun Marktstände", sagte Hadan. Die DMG fördere mit Blick auf regionale und saisonale Lebensmittel auch kleinste Produzenten, die das "Herzstück" eines Wochenmarktes bilden. Das Ziel: Mehr Händler mit einem größeren Angebot sollen wieder mehr Besucher anziehen. Stadtrat Uwe Klamm (ALC/SPD) plädierte dafür, zielgerichtet den Bedarf der Calbenser zu erfassen und darauf zu reagieren.

"Davon profitiert die gesamte Innenstadt", weiß Hadan und erntete damit ein Kopfnicken von Dieter Tischmeyer, der als Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Gewerbetreibenden (IGG) im Publikum den Ausführungen folgte.

Mit der Übernahme der Bewirtschaftung wolle die DMG auch Althergebrachtes auf den Prüfstand stellen und Neues versuchen, erklärte Hadan. "Wir müssen hinterfragen, ob Dienstag und Donnerstag die geeigneten Markttage bleiben und ob nicht auch ein Nachmittagsmarkt angeboten werden sollte."

Das Unternehmen weiß aus mehr als 25-jähriger Erfahrung, dass frische Produkte allein heutzutage keine Garantie mehr sind, dass ein Wochenmarkt auf gute Resonanz stößt. Im hart umkämpften (Lebensmittel-) Einzelhandel stehe der Wochenmarkt immer stärker im direkten Wettbewerb zu den großen Filialisten und Discountern. Daher unternehme die DMG Anstrengungen im Bereich Marketing, Werbung und Öffentlichkeitsarbeit, um auf den Wochenmarkt hinzuweisen.

Sven Hause weist darauf hin, dass ein entsprechender Nutzungsvertrag mit der DMG vorerst auf drei Jahre vereinbart werde. Darin werde eine Ausstiegsklausel nach einem Jahr vereinbart, falls die Entwicklung nicht wie gehofft verlaufe. "Es kann nur besser werden", resümierte Fraktionschef Mario Kannegießer (ALC/SPD).

Der Stadtrat stimmte nach den Ausführungen schließlich einstimmig für die Privatisierung des Wochenmarktes. Ziel ist es, dass der Vertrag nach finalen Gesprächen schon ab 1. Mai in Kraft tritt. Ab dann wird sich zeigen, wie sich das Bild des Wochenmarktes verändert und die Calbenser darauf reagieren werden.