Salzlandkreis/Gommern l Der Schock nach dem Gas-Unglück in Gommern sitzt noch immer tief. Nicht nur bei Angehörigen und Beteiligten, auch bei Verantwortlichen und Helfern anderer Tafeln im benachbarten Salzlandkreis stellt sich die Frage, welche Schlüsse aus dem Unfall gezogen werden können. Kann die Arbeit der Träger und Ehrenamtlichen normal weitergehen?

"Die Bestürzung ist natürlich groß." - Dennis Alber

"Sie muss weitergehen", sagt Dennis Alber, Koordinator bei "Suppe Seele", dem Betreiber einer Tafel für Bedürftige in Schönebeck. "Auch wenn die Bestürzung groß ist." Besonderer Handlungsbedarf bestehe bezüglich der technischen Wartung in der Einrichtung nicht. Alle Geräte werden von Firmen im Rahmen der Verträge turnusmäßig überprüft, erklärt Alber. "Einen vergleichbaren Ofen gibt es bei uns ohnehin nicht", sagt der Koordinator. Es werde zwar mit Gas gekocht. Im Umgang damit werden Mitarbeiter aber akribisch geschult. "Unser Personal ist in dieser Hinsicht sehr gut gewappnet", so der Sprecher.

Bei anderen Tafelbetreibern im Salzlandkreis ist man durch den Vorfall in gleichem Maße betroffen und sensibilisiert.

"Propangasofen wird bei uns nicht eingesetzt." - Ina Eberhardt

Ina Eberhardt vom Verein für Integration, Beschäftigung und Soziales (IBS), zuständig für die Tafel in Staßfurt, spricht von einem "großen Schock unter den Mitarbeitern". Man plane im Augenblick keine besonderen Maßnahmen zur Überprüfung, der turnusmäßige Technik-Check sei soeben erst erfolgt. "Ein Propangasofen wird in unserer Einrichtung außerdem nicht eingesetzt", so Koordinatorin Eberhardt.

Pfarrer Michael Weber, verantwortlich für den Christopherus-Laden in der Egelner Wasserburg, ist ebenfalls schockiert über den Vorfall in Gommern. Seinen Mitarbeitern und Kollegen sei die Tragödie sehr nahe gegangen, berichtet er. Technisch sei im Christopherus-Laden alles auf dem neuesten Stand. "Die Tafel ist vor einem dreiviertel Jahr aus einem baufälligen Haus in die Wasserburg umgezogen."

"Tafel ist aus baufälligem Haus ausgezogen" - Michael Weber

Unabhängig davon, ob es sich bei der Verpuffung um einen Defekt gehandelt habe, oder ob das Unglück andere Ursachen habe - in Egeln sei man froh, dass nach dem Umzug alle Geräte und die Räume neuwertig sind.

"Gekocht wird nicht bei uns im Haus" - Sylvia Wetzel

Sylvia Wetzel von der Hecklinger Essensausgabe und die dortigen Helfer machen weiter wie zuvor. Was natürlich nichts daran ändert, "dass wir sehr betroffen sind," so die Koordinatorin der von der Stadt betriebenen Tafel. "Gekocht wird ohnehin nicht bei uns im Haus", so Wetzel.

Die Unglücksursache für die Verpuffung ist indes noch immer nicht abschließend geklärt. Nach Ansicht der Ermittler ist ein defekter mit Propangas betriebener Heizofen die Ursache dafür, dass am vergangenen Donnerstag die ehrenamtlichen Mitarbeiter bei der Gasverpuffung mit anschließender Stichflamme und Druckwelle ums Leben gekommen sind.

"Ich habe keinen vergleichbaren Fall erlebt." - Hans-Jürgen Schulze

"Ein vergleichbarer Fall ist mir in all meinen Dienstjahren in der Feuerwehr noch nie untergekommen", sagt Hans-Jürgen Schulze, Gemeindewehrleiter der Feuerwehr Bördeland, auf Anfrage der Volksstimme. Ein solches Unglück kann passieren, "wenn sich ein Luft-Gas-Gemisch durch eine unbeabsichtigte Quelle entzündet. Es reicht, einen Lichtschalter zu betätigen oder ein Feuerzeug zu entzünden." Ob es sich im vorliegenden Fall gar um einen Defekt an der Transistorzündung des Ofens gehandelt haben könnte, vermag Schulze nicht abschließend zu beurteilen. Da die Spurensuche am Unglücksort nicht abgeschlossen ist, könne man ausschließlich spekulieren, so der Gemeindewehrleiter. Derweil hat die Stadt Gommern bereits einen Erfolg bei der Suche nach neuen Räumlichkeiten zu vermelden.

Bürgermeister Jens Hünerbein erklärte, dass am Dienstag ein vorläufiges Quartier zur Versorgung Bedürftiger gefunden worden sei. In der kommunalen Versammlungsstätte am Volkspark soll die Tafel ab der nächsten Woche immer donnerstags temporär Quartier beziehen.

"Niemand hätte dort weiterarbeiten können"
- Jens Hünerbein

Laut Hünerbein liegt das neue Quartier zentraler als das nach dem Brand verwüstete. Gleichwohl "wäre es niemandem zuzumuten gewesen, nach dem Vorfall in denselben Räumen weiterzuarbeiten", so das Stadtoberhaupt. Am morgigen Freitag soll für die Opfer des Unglücks ein Trauergottesdienst stattfinden. Um 17 Uhr bekommen Beteiligte, Rettungskräfte und Angehörige in der evangelischen Kirche St. Trinitatis Gelegenheit, das Geschehene zu verarbeiten. Dass sich unter den Teilnehmern des Gottesdienstes auch zahlreiche Helfer anderer Tafeln befinden werden, ist nach den zahlreichen Solidaritätsbekundungen sehr wahrscheinlich.