Ein Comic-Superheld wie Superman oder Batman ist Hans-Joachim Pohland sicher nicht. Trotzdem gilt er als Friedensstifter. Denn der Schönebecker fungiert seit 21 Jahren ehrenamtlich als Schiedsmann in der Elbestadt. Als solcher schlichtet er Streitereien, die somit nicht vor Gericht verhandelt werden müssen.

Schönebeck l "Ich bin seit Anfang dabei", sagt Hans-Joachim Pohland. Denn in Sachsen-Anhalt und damit auch in Schönebeck sind die Kommunen seit 1993 verpflichtet, Schiedsstellen vorzuhalten. "Ein Kollege hat mich damals gefragt, ob ich da mitmachen möchte", blickt der 57-Jährige mehr als 20 Jahre zurück. Damals wie heute ist er in der Stadtverwaltung tätig - "doch das hat nichts mit meinem Ehrenamt zu tun", erklärt er. Er macht das aus einem anderen Grund. "Aus Überzeugung", sagt Hans-Joachim Pohland. Denn: "Ich glaube an das Gute im Menschen." Und er lässt sich davon motivieren, dass er letztlich "nachbarschaftlichen Frieden" schaffen kann. Aber der erfahrene Schiedsmann gibt zu, dass er auch schon Zeiten des Zweifelns erlebt hat.

"Ich habe mir manchmal auch gedacht, dass das doch eigentlich alles Kleinkram ist, wenn man bedenkt, das woanders Krieg herrscht", blickt er zurück. Gleichzeitig habe sich der Schönebecker immer wieder bewusst gemacht, "dass diese Streitigkeiten geklärt werden müssen". Vor allem bringe das ehrenamtliche Engagement der Schiedsmänner und -frauen eine gewisse Entlastung der Gerichte. Denn was im Grunde beim Schiedsgespräch in einem Vergleich mündet, muss nicht mehr vor Gericht verhandelt werden. Als Richtwert gelte hier der sogenannte Streitwert bis 750 Euro. "Alles, was darüber geht, da kann der Richter entscheiden, ob es vor Gericht verhandelt wird", erklärt der Schiedsmann.

"Dieses Ehrenamt erfülle ich aus Überzeugung. Ich glaube an das Gute im Menschen."

Im vergangenen Jahr hat Hans-Joachim Pohland sechs Schiedsgespräche geleitet. Dazu gehört das Hören des Betroffenen, das Vereinbaren von Terminen das und Schreiben der Einladung bis hin zur Führung des Streitgesprächs.

Einfach ist diese Aufgabe nicht. Eher vielschichtig. "In meinem ersten Fall ging es um Beleidigung", erinnert sich Hans-Joachim Pohland. Wörter wie "Stasischwein" seien dabei wohl gefallen. Bevor der Fall vor Gericht landete, wurde der Schiedsmann gerufen. "Und ich habe es tatsächlich geschafft, dass sich beide wieder vertragen", berichtet er mit einem Lächeln im Gesicht. Die Bandbreite der Themen sei groß. Für den Außenstehenden wirken sie wie Nichtigkeiten, für den Betroffenen sind es Angelegenheiten, die einer Klärung bedürfen. Dabei kann es um den Nachbarhund gehen, der stets und ständig bellt, oder der Streit um einen Baum, dessen Äste vom Nachbargelände herüberwachsen. Diese Diskrepanzen zwischen den Betroffenen sind meist emotional aufgeladen. "Deshalb benötigt das Schiedsgespräch auch Regeln", sagt Hans-Joachim Pohland. So sei es ihm wichtig, dass die Betroffenen ordentlich miteinander reden. Mit den Fällen ging es vor 21 Jahren gemischt los. Den Großteil machten aber laut Hans-Joachim Pohland Beleidigungen und Verleumdungen aus. Zu heute hat sich das gewandelt. "Heute sind es eher Nachbarrechtssachen", sagt er.

Noch eine Veränderung: "Wir verhandeln inzwischen weniger Fälle." Woran das liegt? Darauf weiß der Schiedsmann nicht unbedingt eine Antwort. Klar sei, dass nicht automatisch mehr Fälle vor Gericht landen.

Und in der Gegenwart ist es nun so, "dass viele sogar ihren Anwalt zum Schiedsgespräch mitbringen", berichtet Hans-Joachim Pohland. Eine Entwicklung, die der Schiedsmann nicht von Vorteil findet. "Mir ist es wichtig, dass die einzelnen Parteien miteinander reden und nicht die Anwälte", stellt er klar.

"Das Schiedsgespräch benötigt Regeln. Manche bringen sogar ihren Anwalt mit."

So ein Schiedsgespräch dauert mindestens anderthalb Stunden, sagt Pohland aus Erfahrung. Nach oben hin sei die Zeit offen. "Unter Umständen vertage ich so eine Sitzung auch." Am Ende eines jeden Schiedsgespräches steht immer ein Vergleich. "Darin vereinbaren die Parteien, wozu sie sich verpflichten", erklärt er.

In seiner gesamten Laufbahn als Schiedsmann hat Hans-Joachim Pohland selbstverständlich so einige Kuriositäten erlebt. "Im Gespräch stellt sich schnell heraus, dass die vermeintlichen Dinge, die passiert sein sollen, doch nicht passiert sind", plaudert er aus dem Nähkästchen, ohne Details zu nennen. Eine andere Gegebenheit: "Nachdem die Parteien einen Vergleich geschlossen haben, landen sie trotzdem vor Gericht." Dieser eher enttäuschende Moment sei Pohland bisher nur einmal passiert. "Dieser Fall wurde mit Blick auf den bei mir geschlossenen Vergleich vom Gericht abgeschmettert", erinnert sich der Schiedsmann.

Ende 2014 sind die drei Schiedspersonen Christina Barby, Manuela Hoppe und Hans-Joachim Pohland, die im Stadtgebiet ehrenamtlich tätig sind, durch den Stadtrat neu gewählt worden. Die Amtszeit dauert fünf Jahre.