Eine neue Glocke soll die St.-Jakobi-Kirche im Breiteweg bekommen. An dem Projekt arbeiten die Ehrenamtlichen des Kirchbauvereins seit vier Jahren. Nun befinden sie sich im Endspurt. Denn der Termin für den Glockenguss steht. Nur eine Sorge plagt die Ehrenamtlichen. Sie brauchen noch 7000 Euro.

Schönebeck l Ein Stein ist gestern Michael Gremmes vom Herzen gefallen. Das bietet einen Moment des Durchatmens. Der ist nötig. Schließlich kämpft er nun schon seit vier Jahren mit seinen Kollegen vom Kirchbauverein St. Jakobi für ein ganz bestimmtes Projekt. Der Sakralbau im Breiteweg - auch als Stadtkirche gesehen - soll eine neue Glocke bekommen. Doch das kostet Geld. Geld, das ein ehrenamtlich tätiger Verein nicht einfach so aus der Tasche schütteln kann.

"Insgesamt gehen wir von Kosten in Höhe von 66.000 Euro aus", sagt Michael Gremmes. Den Großteil des nötigen Geldes haben die Ehrenamtlichen inzwischen zusammen - dank der Sparkassenstiftung (25000 Euro), des Kirchenkreises (18.000 Euro) und zahlreicher Einzelspenden. "Dafür sind wir enorm dankbar", sagt Michael Gremmes. Und genau auf dieses Engagement hofft der Kirchbauvereinsvorsitzende auch weiterhin. Denn noch plagt die Ehrenamtlichen eine Finanzierungslücke von rund 7000 Euro.

Um dieses Geld noch in diesem Jahr zusammenzubringen, haben sich die Vereinsleute etwas Kreatives einfallen lassen. "Wir wollen wahrscheinlich einen Kunstdruck verkaufen, auf dem das Bild ist, das auch die Glocke selbst schmücken wird", sagt Michael Gremmes. Das ist im Übrigen nicht irgendein Muster. Es wurde geschaffen von Anders Nyborg, der einen besonderen Bezug zu Schönebeck hat - er ist der Schöpfer der Salzblume und Rathauspreisträger der Stadt Schönebeck von 2014. "Für diese kostenfreie Unterstützung sind wir sehr dankbar", sagt der Kirchbauvereinsvorsitzende, der darauf hofft, dass die Kunstdrucke inklusive Anders- Nyborg-Signatur reißenden Absatz finden werden.

Das Muster ist fröhlich und naturbezogen gestaltet. Es zeigt die heimischen Vögel, die sozusagen mit der Elbe die Glocke umfließen. Am oberen Rand der Glocke wird zudem ein Text entlanglaufen. "Es wird wohl ein Spruch aus Matthäus sein", kündigt Michael Gremmes an. Für die kunsthandwerkliche Umsetzung - also das Aufbringen des Bildes inklusive Textes - hat der Verein Annette Schulz gewonnen.

Die neue Glocke, die für den Südturm vorgesehen ist, wird dann die alte Stahlglocke ersetzen. Der Termin für den Glockenguss steht schon fest: Am Freitag, 26. Juni, soll es in der Gießerei im brandenburgischen Lauchhammer so weit sein. Diesen Termin, "der für uns schon mit Gänsehautgefühl verbunden ist", werden die Kirchbauvereinsmitglieder für eine Busfahrt nutzen - sie wollen bei diesem besonderen Moment dabei sein. Schon einmal konnten sie so etwas Historisches erleben. Bereits 2007 hatte sich der Verein für eine neue Glocke eingesetzt - sie hängt seither im Nordturm und bringt mit dem Ton f den Stundenschlag zu Gehör. Die neue Glocke im Südturm soll mit einem satten, tiefen d erklingen und für den Viertel- und Halbstundenschlag zuständig sein.

"Langfristiges Ziel für die Stadtkirche ist ein fünfstimmiges Geläut", kündigt Michael Gremmes vorsichtig an, das noch drei kleine Glocken zu St. Jakobi passen würden. Das ist aber vorerst Zukunftsmusik. Schließlich muss das aktuelle Glockenprojekt erst einmal zu Ende gebracht werden.

"Am Glockenguss-Termin halten wir fest", sagt Michael Gremmes. Er ist zuversichtlich, dass der Verein die restlichen 7000 Euro mit Hilfe der Spender irgendwie "zusammenkratzen" kann. Somit könne auch das aufwendige Prozedere mit Aufziehen in den Turm und weiteren Reparaturarbeiten am Glockenstuhl realisiert werden. Und vielleicht erklingen beide Glocken dann zum Erntedank.