Nach fast 24-jährigem Wirken in der Saalestadt ist der katholische Pfarrer Robert Denzel bei einer Heiligen Messe feierlich in den Ruhestand verabschiedet worden. Unzählige Gäste kamen am Sonntag in die St. Norbert-Kirche, um dem Geistlichen auch persönlich die besten Wünsche mit auf seinen weiteren Weg zu geben.

Calbe l 120 Sitzplätze reichten in der hellen St. Norbert-Kirche bei weitem nicht aus. Viele Gäste nahmen gern mit einem Stehplatz vorlieb, um bei der Heiligen Messe mit Pfarrer Robert Denzel und Pfarrer Dr. Thomas Thorak dabei zu sein. Der Anlass war ein besonderer, schließlich geht mit dem Ruhestand von Robert Denzel in der Saalestadt auch eine Ära zu Ende.

Rückblick: Nach seelsorglichem Wirken in Delitzsch, Lehelitz, Bernburg und Löbejün war es mit dem 7. August 1991 ein glühend heißer Sommertag, als Pfarrer Robert Denzel in die Saalestadt kam und die Nachfolge von Günter Czernik antrat. Es sei ein etwas "holpriger Start" gewesen, erinnert sich Denzel an die Anfänge zurück.

"Bei der Kirche ist nicht das Äußere entscheidend sondern der eigentliche Kraftstoff."

Lange habe der 70-Jährige für den Anlass seiner Verabschiedung nach einem passenden sprachlichen Bild gesucht. Schließlich habe er sich dabei an eine der geselligen Faschingsveranstaltungen der katholischen Kirchgemeinde erinnert, bei der ihm die "Drei von der Tankstelle" aus dem bekannten Schwarz-Weiß-Film der 1930er Jahre begegneten. Denzel verglich im Rückblick die Kirche mit einer Tankstelle als ein Ort um aufzutanken. "Wie bei einer Tankstelle ist auch bei der Kirche nicht das Äußere entscheidend, sondern der eigentliche Kraftstoff", sagte Denzel. Als Kraftstoff fungiere der Glaube und die Möglichkeit, in einer immer schneller werdenden Zeit "zur Ruhe zu kommen". Während anfangs und im Gegensatz zu heute noch rund 30 Kinder zum Religionsunterricht kamen und eine eigene Jugendgruppe das Gemeindeleben bereicherte, seien es in den vergangenen Jahren immer weniger, die an den Gottesdiensten teilgenommen haben. Doch ungeachtet dessen spricht Denzel der katholischen Kirchgemeinde mit ihrer 155-jährigen Historie auch künftig eine wichtige Stellung innerhalb der Saalestadt zu.

"Stolz bin ich auf die gelungene Sanierung der Kirche, die hell und freundlich wirkt."

Beispielhaft nannte er die Caritas oder die Malteser, die mehr als 50 Arbeitsplätze in Calbe schafften. Doch auch in Sachen gelebter Ökumene brauche sich Calbe nicht zu verstecken. "Die katholische und evangelische Kirche können viel voneinander lernen", sagte Denzel. Daher freute er sich, dass unter den Gästen neben zahlreichen Vertretern der evangelischen und neuapostolischen Kirchgemeinden aus Calbe auch vier Vertreter der katholischen Partnergemeinde aus dem niedersächsischen Burgdorf anwesend waren. "Und das obwohl die Burgdorfer an diesem Tag 80-jähriges Kirchweihjubiläum feierten", sagte Denzel. Stolz zeigte sich der Pfarrer im Ruhestand gegenüber der Volksstimme auf die gelungene Sanierung des Pfarrhauses und des Kirchgebäudes. "Ich werde vor allem die Menschen vermissen, die in der Pfarrei immer präsent waren", sagte der 70-Jährige. Dazu zählt neben Organist Jaromir Neumann vor allem die im Februar verstorbene Hedwig Wenke, die über 36 Jahre lang an den Orten seines Wirkens als Haushälterin arbeitete. Die letzten Jahre besuchte der gebürtige Eislebener sie im Seniorenwohnpark "Lindenhof". Dort übernahm der ruhige und zurückhaltende Pfarrer mit typischer Baskenmütze auch die seelsorgerische Betreuung der Bewohner.

Im Anschluss der Messe am Sonntag, zu der auch Bischof Gerhard Feige schriftliche Grüße übermittelte, schüttelte Robert Denzel die Hände vieler Wegbegleiter und Freunde, die nicht mit leeren Händen kamen. Am 11. Mai zieht der leidenschaftliche Briefmarkensammler und Skatspieler um ins Magdeburger Roncalli-Haus.

   

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