In der Nachtigallenoase Schönebeck grünt, blüht und summt es. Bester Anlass also für die Mitstreiter der Ortsgruppe des Naturschutzbundes, zum Frühlingsfest einzuladen.

Schönebeck l Eigentlich war alles ganz anders geplant, erklären Michael Wunschik und Karlheinz Schuppe schmunzelnd. Eigentlich sollten beim Frühlingsfest in der Nachtigallenoase die Krokusse im Mittelpunkt stehen. Doch: "Sie sind leider schon durch", musste Ortsgruppen-Vorsitzender Wunschik einräumen. Deshalb hatten die Hummeln ihren großen Auftritt und standen im Mittelpunkt.

Und Karlheinz Schuppe hatte einiges Wissenswertes zu den Hummeln zu erzählen. Zum Beispiel, dass das Hummelleben sehr arbeitsreich ist. "Wer sich hineindenkt, was eine Hummel so leistet, der fängt nicht mehr an zu jammern", sagt er. Die Hummeln legen Honigtöpfchen an - die bei den Bienen die Waben sind. Das sei schon sehr anstrengend, so Schuppe, immerhin würden sie ausgehungert aus der Winterruhe kommen. Aber, sobald sie aus dem Winter raus seien, bemühen sie sich um Nahrung. Und sobald sie zu Kräften gekommen sind, versuchen sie, eine Wohnstätte zu finden. Und diesbezüglich seien sie alles andere als zimperlich. Hummeln wohnen gern bequem und isoliert. "Da nehmen sie auch mal einen Bau in Kauf, der schon bewohnt ist. Die Hummel setzt sich einfach rein und vertreibt die eigentlichen Bewohner", erzählt Karlheinz Schuppe und fügt hinzu: "Da ist sie ziemlich durchsetzungsfähig."

Und dieses Insektenleben sei nicht nur arbeitsreich, so Schuppe, sondern auch gefährlich. "Jeder Vogel freut sich, wenn er eine Hummel sieht: Oh, da, ein dicker Brocken."

Auch Marcel Majchrzak führte an diesem Tag Gäste durch die Nachtigallenoase. Er studiert Naturschutz und Landschaftsplanung in Bernburg und beschäftigt sich derzeit für seine Bachelorarbeit mit der Wildbiene (anderer Name für Hummel). Beste Gelegenheit also, über sein Steckenpferd zu plaudern - die Hummel. Von den etwa 250 Arten waren beim Frühlingsfest einige zu sehen. Auf dem blühenden Taubnessel-Feld summten Dunkle Erdhummeln, Wiesenhummeln, Ackerhummeln ... Ein Hummelvolk lebe nur ein Jahr, es überlebe nur die Jungkönigin, erklärte Marcel Majchrzak. Deshalb sei momentan auch nur diese unterwegs.

Und im Spätherbst gebe es dann die sogenannte Hummelrevolte. Staunende, neugierige Blicke. Der Student erklärte: Anfangs kontrolliere die Königin ihre Töchter hormonell sehr sorgsam, damit sie ja keine Eier legen. Später lasse diese Sorgfalt aber nach. Es kommt, wie es kommen muss: Die Töchter legen Eier, die Drohnen. Das finde die Königin nicht gut und setze sich zur Wehr. Das wiederum finden die Töchter nicht gut und setzen sich ebenso zur Wehr - und stechen die Königin tot.

Die Naturschützer betonen, dass viele Hummelarten aufgrund veränderter Landwirtschaft gefährdeter seien als früher. Denn die Insekten sind vor allem auf Lippenblütler angewiesen, die aber immer weniger werden.

Lust auf Natur? Die Ortsgruppe bietet am Freitag, 17. April, eine Vogelstimmenwanderung an. Treff ist um 19 Uhr der Hexenhügel am Soleturm im Kurpark Bad Salzelmen.

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