Heike und Rolf-Dieter Schmeißel haben gestern ihre Goldene Hochzeit gefeiert. Das Calbenser Ehepaar wohnt mit Tochter Antje in nunmehr zehnter Generation im Schmeißelschen Familienhaus in der Neustadt am Übergang zum Neuen Markt. Auch das Gebäude feiert ein Jubiläum: Es wurde vor 300 Jahren gebaut.

Calbe l Wenn Rolf-Dieter Schmeißel die lange Liste seiner Vorfahren vorliest, dann muss der 74-Jährige schon etwas weiter ausholen. Nicht ohne Grund, denn der Name Schmeißel gehört seit vielen Generationen zur Saalestadt wie der Roland oder die Bolle. Seine Vorfahren arbeiteten beispielsweise als Tischler, Kolonialwarenhändler oder in der Zuckerfabrik. Das langjährige Mitglied des Heimatvereins hat die Familienzeugnisse akribisch gesammelt und geordnet.

Er selbst ist im Familienhaus in der Neustadt 41 aufgewachsen, wohnte zeitweise im altmärkischen Bismark, um im benachbarten Kalbe (Milde) seine Ausbildung zu absolvieren. Nach seiner Zeit als Sanitäter bei der Marine in Peenemünde und Stralsund kehrte Rolf-Dieter Schmeißel von der Ostsee wieder in die Saalestadt zurück. 1963 fing er beim damaligen Wasserwirtschaftsbetrieb in Calbe an - eine berufliche Laufbahn, die unter vielen Namensänderungen seines Arbeitgebers bis zur Pensionierung im Jahr 2000 dauern sollte. "Auch danach riefen mich Leute an oder klopften, wenn es irgendwo in Calbe einen Rohrbruch gab", erinnert sich Schmeißel zurück. Doch am Anfang seiner beruflichen Karriere stand er vor einem Problem. Für ein Betriebsvergnügen fehlte ihm eine Tischdame. So war es schließlich seine Mutter, die ihm den entscheidenden Tipp geben sollte. Nicht weit vom elterlichen Haus arbeitete eine junge Friseurin namens Heike und Rolf-Dieter entschied sich, sie mutig an der Hohendorfer Straße zu fragen, ob sie ihn begleiten wolle. Der Rest ist eine Erfolgsgeschichte. "Wir sind immer auf einer Wellenlänge geblieben", sagt Heike Schmeißel, deren aus Ostfriesland stammende Mutter einst beim jüdischen Kaufmann Hugo Steiner am Marktplatz arbeitete. Augenzwinkernd zeigt Rolf-Dieter Schmeißel auf ein liebevoll bepflanztes Fleckchen hinter dem Haus. "Der kleinste Garten Calbes", sagt der 74-Jährige. Eingerahmt von einem stabilen Zaun wachsen auf rund acht Quadratmetern entlang eines Weges bunte Blumen. Diese eigentlich tote Ecke am sogenannten Schweinetor pflegen die beiden seit langem. Das damalige Schweinetor, dem heute der Überbau fehlt, war zur Jahrhundertwende der "Schwarze Bär", beliebter Anlaufpunkt für Zechbrüder. Nach einem langen Abend in der Kneipe haben sich viele an der schützenden Schweinetor-Ecke erleichtert. Daraufhin entstand die Idee, als "Abwehr" einen kleinen Garten anzulegen.

Nach vielen gestrigen Gratulationen, darunter auch von Bürgermeister Sven Hause, feiern die Schmeißels heute zusammen mit Familie, Freunden und Bekannten ausgiebig ihre Goldene Hochzeit.

 

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