Der Bahnhof von Eickendorf ist die Auflösung des Heimaträtsels in dieser Woche. Die Volksstimme-Redaktion hatte genau 40 Anrufe und Zuschriften. Doch nicht alle Leser fanden die richtige Lösung, auch die Bahnhöfe Gnadau, Felgeleben und Bad Salzelmen wurden genannt.

Eickendorf l Leserin Rita Ritter brachte es in ihrer Zuschrift auf den Punkt: "Das Rätsel war zu leicht", schrieb sie. Damit lag sie offenbar auch richtig, denn so viele Zuschriften und Anrufe gab es beim Heimaträtsel lange nicht. Insgesamt zählte die Redaktion 40 Anrufe und Zuschriften. Rita Ritter lag mit ihrer Lösung des Bahnhofs Eickendorf auch vollkommen richtig. "Ich habe dort gelernt und gearbeitet. Und heute noch bin ich bei der Bahn, fahre dazu aber nach Leipzig."

Ruth Endemann aus Schönebeck erkannte den Bahnhof ebenfalls richtig. "Da mein Mann aus Eickendorf stammt, bin ich früher sehr oft von dort nach Hause gefahren. Meine Schwiegermutter wohnte bis zu ihrem Tode 1987 in Eickendorf, so dass wir später immer dort angekommen beziehungsweise abgefahren sind", schreibt sie.

Von 1983 bis 1990 fuhr Christel Schaap aus Eickendorf täglich ab Eickendorf um 5.50 Uhr zur Arbeit ins Heizkesselwerk und zurück ab Schönebeck um 16.45 Uhr und von 1985 bis 1990 auch noch an drei Arbeitstagen in der Woche zum Studium bis Magdeburg. "War schon eine schöne Zeit", erinnert sich die Leserin. Wenn sie zurück von Schönebeck bis Eickendorf fuhr, waren sie meist sechs bis sieben Frauen. "Jeder hatte irgendetwas ergattert, es wurde gekostet und genascht." Ja, das sind Erinnerungen.

Im Ausschlussverfahren tastete sich Gerhard Waldt aus Schönebeck an die Lösung heran: Die Strecke Magdeburg-Halle fällt heraus, denn die war elektrifiziert, auf dem Bild ist davon nichts zu sehen. Auf der Strecke Schönebeck-Blumenberg fuhren in letzter Zeit nur noch Schienenbusse, auch "Ferkeltaxen" genannt. Die Kanonenbahn war schon außer Betrieb, die Strecke Förderstedt-Wolmirsleben ebenfalls. "Was übrig bleibt, ist die Güstner Bahn, und das Bild passt nur auf den Bahnhof Eickendorf", schreibt Gerhard Waldt und fügt Textzeilen eines Liedes an:

Stemmern, Biere, Bahrendorf

Zens, Mühlingen, Eickendorf

Ülnitz und Glöthe

Brumby und Farstädte

Atzendorp is´ ok dabie

solln dat nich 11 Dörper sie.

Dass der Ort Eickendorf im Jahr 1897 seinen Bahnhof an der Strecke Magdeburg-Schönebeck-Güsten bekam, wusste Sybille Zimmermann zu berichten.

"Neuer Bahnsteig für bequemes Aussteigen"

Die richtige Lösung wusste auch Werner Schwenke aus Großmühlingen. "Wir fahren öfters von dort, um zu unseren Laufveranstaltungen zu kommen. Es ist schade um das Bahnhofsgebäude, denn der Verfall schreitet langsam voran. Seitdem der neue Bahnsteig da ist, ist das Ein- und Aussteigen aber bequemer", berichtet der Großmühlinger. Auf dem alten Bahnsteig musste man nämlich früher immer sehr sportlich sein: "Um in den Zug zu gelangen, musste man eine Höhe von 60 Zentimetern überwinden. Und das Fahrrad sollte auch noch mit." Im Januar und im März dieses Jahres hatte Werner Schwenke bei der Deutschen Bahn angerufen, da am Tage die Beleuchtungen auf den Bahnsteigen eingeschaltet sind. Die Lampen leuchten immer noch tagsüber - auch gestern noch ...

Eine E-Mail bekam die Redaktion auch von Anna Scharsig. Ihre Mutter erzählte ihr folgende Geschichte: "Als Kinder fuhren wir immer donnerstags von Eickendorf nach Schönebeck mit dem Zug zum Schwimmunterricht. Einer unserer Mitschüler war ein Langschläfer und kam öfter mal zu spät. Wir standen nun schon fast alle auf dem Bahnhof und warteten auf unseren Zug. Die Schranken gingen runter, und ein langer Güterzug fuhr ein. Er war so lang, dass er bis über die Schranken stand. Dann kam unser Mitschüler angerannt und kletterte nicht nur unter den Schranken hindurch, sondern auch unterm Güterzug. Er hat dann noch den Personenzug geschafft und ist sich der Gefahr seiner Aktion erst später bewusst geworden."

Brigitte und Harald Bahr von Ehrenberg schreiben, dass der Bahnhof Eickendorf für Dampflok-Liebhaber scheinbar ein "Muss" war, denn dort kamen einst die Kriegslok 52 DRG DR DB und von 1982 von 1988 die Dampfloks vom Bahnbetriebswerk Güsten vorbei.

Auf dem abgebildeten Foto ist neben dem Bahnhofsgebäude auch der Abstellschuppen für die Fahrräder und aus DDR-Zeiten das Toilettengebäude zu sehen. Das erkannte Astrid Bierschenk aus Eickendorf.

Das "E" vom Bahnhof Eggersdorf und das "E" von Eickendorf wurde einmal Wolfgang Pretziel aus Brumby zum Verhängnis. Er wohnte früher in Glöthe, fuhr von dort mit Rad zum Bahnhof und dann mit dem Zug nach Schönebeck. Er war auf dem Bau tätig. "Einmal hatten wir freitags Richtfest und gut dazu getrunken. Auf dem Heimweg am Bahnhof Eggersdorf habe ich aus dem Fenster nur ein `E` gesehen und bin raus. Erst als der Zug weg war, merkte ich, dass ich zu früh ausgestiegen bin." Nach einem Marsch bis nach Hause war Wolfgang Pretziel wieder nüchtern.

Erinnerungen an den Bahnhof hat auch Anita Lenz aus Calbe. Sie hatte 1945 ihre Heimat Pommern verlassen und kam nach Eickendorf. Dort ging sie in den Kindergarten, zur Schule und lernte ihren Mann kennen.

Dass morgens um 4.50 Uhr mit dem ersten Zug das "halbe Dorf" unterwegs war, daran erinnert sich Andreas Gärtner. Und auch daran, dass sich kurz nach 15 Uhr die Rentner unter der Eiche trafen. "Als der Zug aus Magdeburg kam, sind die älteren Damen schnell einkaufen gegangen."

Eine Fahrkarte kostete damals 80 Pfennig

Über die Preise der Fahrkarten konnte Andreas Kiebel berichten, der jahrelang von Eickendorf nach Magdeburg gefahren ist. Nach Schönebeck kostete die Fahrkarte 80 DDR-Pfennig, eine Monatskarte 11 DDR-Mark.

22 Jahre lang war für Hartmut Schröder der Bahnhof Eickendorf der Arbeitsplatz. Der heute 58-Jährige war Fahrdienstleiter. "Tausende Male habe ich die Schranken herunter- und wieder hochgedreht", berichtet der Eickendorfer. Er weiß auch noch, dass seit dem Jahr 1995 keine Fahrkarten mehr verkauft wurden. Der Bahnhof wurde im Jahr 2007 gänzlich geschlossen. "Ich habe mit das Licht ausgemacht", so Hartmut Schröder.

Die richtige Lösung erkannte auch Heidrun Grebarsche aus Eickendorf. Für sie war die Auflösung sehr einfach. "Ich wohne gegenüber, habe einfach die Zeitung hochgehalten und das Foto mit der Realität verglichen", so die Leserin.

Weitere Zuschriften oder Anrufe bekam die Redaktion von Ute Endemann , Susanne Richter, Bernd Kelle, Berndt Wenzel, Edgar Hyde, Bärbel Grimm, Bernd Hamel, Rolf Finger, Annelies Neuhold, Lothar Kaufmann, Waldemar Kowalski, Brigitte Scherping, Bianka Blau, Werner Hilbrich, Renate Wilhelm, Jutta Biedermann, Margot Lindemann, Christel Eiswasser, Dieter Schmidt, Erna Eisfeld, Christel Müller, Wolfgang Stäker, Christian Lehmann, Axel Rosemeier und Dietmar Weihe. Er gab abschließend noch eine Empfehlung: "Nicht nur mit dem Zug erreicht man Eickendorf. Empfehlenswert ist eine Tour entlang des Bördehamster-Radweges, der auch am dortigen Bodenkundemuseum vorbei führt."

Fortuna hat gelost: Gewonnen hat in dieser Woche Anna Scharsig aus Großmühlingen, die sich ab Montag einen kleinen Preis in der Redaktion in Schönebeck abholen kann.

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