Barby l Das tschechische Sportboot "Marabu" ist auf der Elbe talwärts in Richtung Hamburg unterwegs. An Bord sind zwei Männer mittleren Alters. Sie kommen aus Prag und wollen in Richtung Nordsee. Funk, wie er für Binnenschiffe vorgeschrieben ist, hat die "Marabu" nicht. Was vermutlich auch nicht viel genützt hätte, da die Freizeitkapitäne kein Wort deutsch sprechen. Melden sich größere Flussschiffe rechtzeitig vor Gierfähr-Passagen per Funk an, ist das im Falle der Tschechen nicht so. Sie halten auf die Barbyer Fähre zu, die gerade auf der Barbyer Seite ablegt. Die Männer sind unsicher, wo sie lang fahren sollen: vor oder hinter der ablegenden Fähre. Viel Erfahrung scheinen sie nicht zu haben.

Weil er die Strömungs- und Wasserverhältnisse falsch einschätzt, stoppt der Sportboot-Führer zu spät. Der Freizeitkapitän steuert sein Boot außerhalb der Fahrrinne zu dicht unter Land, so dass es auf der Rampe der linken Fährbuhne aufsetzt. Es gibt ein leises Knirschen und nichts geht mehr. Nun versucht der Tscheche, sein Boot durch maximale Motorleistung frei zu fahren. Doch alles ist umsonst. Die "Marabu" liegt wie Blei nur wenige Meter vom Ufer entfernt. Fährführer Stefan Teubner versucht das Sportboot frei zu schleppen. Doch die Kraft seines strömungsgetriebenen Wasserfahrzeuges reicht nicht aus.

Teubner verständigt die Wasserschutzpolizei in Dessau. Gegen Mittag sind die Beamten zur Unfallaufnahme vor Ort. Sie kontrollieren die Papiere der Tschechen, nehmen einen Alkoholtest vor. Alles sei in Ordnung, sagen sie.

Mittlerweile hat sich die Havarie in Barby herum gesprochen. Nicht zuletzt deswegen, weil zahlreiche potenzielle Fährnutzer frustriert wieder umdrehen und den Umweg über Schönebeck nehmen müssen. Der Barbyer Jochen Küstermann, der Erfahrung mit Sportbooten hat, wird verständigt. Er ruft Landwirt Yves Blume mit seinem 120 PS-starken Teleskoplader zu Hilfe. Ein Seil wird am Boot befestigt ... und reißt. Beim zweiten Versuch klappt es. Der Lader hat die "Marabu" von der gepflasterten Buhne gezogen.

Kurz vor 16 Uhr trollen sich die Tschechen stromabwärts. Ihre Landesfahne hatten sie zuvor in der Kajüte verfrachtet. Es ist ihnen peinlich, dass ein böhmischer Freizeitkapitän den Verkehr in Deutschland über Stunden lahm legte ...

 

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