Barby l Weil er zur Ausstellungseröffnung mit Superintendent Matthias Porzelle verhindert war, besuchte der Güntersberger Arnfried Müller, dessen 760 Zinnfiguren historische Reformationsszenen darstellen, die Ausstellung am vorletzten Tag.

Er plauderte der Volksstimme gegenüber über Dinge aus dem Nähkästchen, die der "Normal-Besucher" kaum wahrnimmt. So doppelten sich bei der Szene "Luthers Hochzeit" zwei Mönchsfiguren. Was man aber nicht sieht - steht der eine Kuttenträger mit dem Gesicht zum Betrachter, der andere mit dem Rücken zu ihm.

Auch bei einer Hexenfolter-Darstellung änderte Müller den Originalablauf etwas. Die ursprünglich fast nackte Frau wurde "angezogen". Arnfried Müller malte ihr ein Kleid. "Anderenfalls wäre das geschichtlich nicht korrekt gewesen, weil ‚Hexen‘ bei der Folter Kleider tragen mussten", erklärt der Künstler.


Die Ausstellung gibt Einblicke in die Zeit der politisch-kulturellen Umbrüche des 15. und 16. Jahrhunderts. Sie zeigt die wichtigen Stationen im Leben Luthers - von seinem Elternhaus, seinem Klostereintritt, seinen persönlichen Glaubenserfahrungen und theologischen Erkenntnissen mit Gott, die im Jahr 1517 in den berühmten Thesenanschlag an der Wittenberger Kirche münden, seiner Ächtung und Exkommunikation über den Bauernkrieg hin bis zum Augsburger Bekenntnis und Religionsfrieden. 2013 machte sie unter anderem auch in Zerbst Station.

Das Städtische Museum Halberstadt hatte die Ausstellung auf 27 Tafeln mit Text, Bild und Zinnfigurendioramen zusammengestellt, die anschaulich das Leben Martin Luthers, die Geschehnisse jener Zeit und die Hintergründe der Reformation beleuchten. Arnfried Müller lobte die Initiative der Kirchengemeinde Barby, die die Schau an die Elbe geholt hatte. Überwiegend tourt die Ausstellung in großen Städten der Bundesrepublik. Jetzt ist die Schau wieder unterwegs nach Halberstadt, wo sie im Städtischen Museum zu sehen sein wird. Ein weiterer Ausstellungsort soll danach Neuwied am Rhein sein.

Dioramen gehen auf Fotografie-Erfinder Louis Daguerre zurück, der im 19. Jahrhundert eine abgedunkelte Schaubühne mit halbdurchsichtigem, beidseitig unterschiedlich bemaltem Prospekt baute. Gemeinhin bringt man Dioramen mit naturkundlichen Museen in Verbindung. Durch die Veränderung des Maßstabs vom Vorder- zum Hintergrund entsteht scheinbar ein Übergang von plastischen Landschaftselementen in den gemalten Hintergrund. Oder man kennt sie, wenn historische Schlachtgetümmel nachgestellt werden.