GroßRosenburg l Auch wenn es jetzt hart klingt, bietet es ein drolliges Bild: Wenn Norman Schnitzendöbel seine Strauße zum Schlachten nach Thurland (zwischen Köthen und Bitterfeld) bringt, recken sie ihre langen Hälse aus einem Pferdeanhänger. Immerhin erreichen die großen Vögel mit den langen Wimpern eine Größe von fast drei Metern.

"In der Tierwelt kommen große Wimpern nur in Gefilden vor, in denen viele relativ große Sandpartikel durch die Luft fliegen", erklärt Norman Schnitzendöbel. Für ihn ist es der Traumjob, diese Tiere am Busen der Natur, sprich am Rande des Biosphärenreservates, zu halten.

Neue Kükengeneration

Als sich der ehemalige CNC-Maschineneinrichter vor drei Jahren die ersten Strauße anschaffte, musste er den Küken noch das Fressen beibringen. Was kein Züchterlatein ist. "Die waren ja neu und konnten mit den Körnern noch nichts anfangen", erinnert er sich. Soll heißen: Weil die gerade auf die Welt gekommenen Laufvögel nicht von älteren Artgenossen lernen konnten, musste der Mensch Norman ihnen vormachen, wie man frisst ... "Ich habe mich auf den Boden gesetzt und mit dem Finger immer wieder in das Getreide getippt. Wir hatten ja beide keine Ahnung", grinst der Klein Rosenburger. Irgendwann sei bei den neuen Hauptakteuren seiner Farm der Groschen gefallen. Heute regelt sich das "Fressen lernen" von selbst, weil mehrere Generationen Artgenossen die Farm bevölkern.

Der Strauß stammt ursprünglich aus Afrika, passt sich aber unseren europäischen Klimabedingungen problemlos an. Er kann selbst in Regionen mit erheblichen winterlichen Minusgraden in Offenstallhaltung leben.

Derzeit tummelt sich schon wieder eine Kükengeneration auf den Saalewiesen, wo man eigentlich keine lange Wimpern braucht. Denn Staub fliegt dort nicht. Höchstens in der Nähe der Saaledeich-Baustelle derzeit ein bisschen, von deren Camp man die Straußenfarm und ihre Bewohner sieht.

Die Riesenvögel brauchen etwa ein Jahr bis zur Schlachtreife. Bis dahin tummeln sie sich artgerecht, artgerechter geht es in unseren Breiten nicht. Was sich auch auf die Qualität des Fleisches auswirkt, das keine belastende Stoffe in sich bürgt. Das Futter ist natürlich: Gras, Grassilage, Heu, Getreide aus der Region.

Denn werden bei der Tierzucht zu viele Antibiotika eingesetzt, entstehen Resistenzen. Dann wirken die Medikamente nicht mehr, wenn Tiere erkranken. Antibiotika schlagen immer weniger an, weil das Maß verloren gegangen ist. 2013 wurden allein in Deutschland über 1400 Tonnen Antibiotika an Tiere verabreicht - doppelt so viele wie beim Menschen.

Die im Freiland gehaltenen Strauße brauchen derartige Behandlung nicht. Was allerdings auch seinen Preis hat: Das Kilogramm Straußengulasch kostet 20 Euro, zarte, magere Straußensteaks 29 Euro. Straußengehacktes, Pastete oder Straußenleberwurst sind freilich erheblich billiger. Norman Schnitzendöbel: "Vielleicht sollte man seinen Fleischkonsum die Woche über ganz bewusst einschränken und sich dann lieber auf einen richtig guten Braten am Wochenende freuen." Wie er das sagt, klingt es nicht in erster Linie nach Marketing. Der Klein Rosenburger ist von der Qualität des Fleisches überzeugt.

"Viele Kunden haben mir versichert, dass sie vom feinen Geschmack beeindruckt waren", unterstreicht er. Straußenfleisch ähnele auch in Farbe und Struktur dem feinsten Rindfleisch.

Mehr darüber erfährt man auch im kürzlich eröffneten Hofladen von Norman Schnitzendöbel, der im Afrika-Look angelegt wurde. Dort können auch Führungen über die zwei Hektar große Farm vereinbart werden.

Mittelstraße 24, (0177) 3118181, www.straussenfarm-klein-rosenburg.de

 

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