Eggersdorf l "Wir hatten schon Leute hier, die das letzte Mal vor 40 oder 50 Jahren in der Kirche waren. Sie haben sich noch an vieles erinnert und sich darüber gefreut, wie es hier heute aussieht", erzählen Annett Franzelius, Vorsitzende des Eggersdorfer Kirchbauvereins, und Gösta Zahn, Mitglied in selbigem. Menschen, die vor einem halben Jahrhundert ihre Konfirmation in der St.-Martin-Kirche gefeiert hatten, konnten den engagierten Eggersdorfern, die sich um den Erhalt und die Sanierung des Gotteshauses bemühen, zeigen, wo sie damals zu Jugendzeiten ihre Namen in die Empore geritzt hatten.

Das wäre vor gut 30 Jahren nicht möglich gewesen. 1982 war die Eggersdorfer Kirche nämlich baupolizeilich gesperrt worden. Das Gotteshaus war so zerfallen, dass aus Sicherheitsgründen niemand mehr hinein durfte. Und der Verfall wäre weiter fortgeschritten, hätten sich damals nicht einige Bürger rund um Friedrich Quaas, den damaligen Pfarrer der Gemeinde, zusammengetan und die Gründung eines Kirchbauvereins beschlossen.

Am 2. Oktober 1996 war es so weit: an diesem Tag stand die Gründungsversammlung des Eggersdorfer Vereins auf der Tagesordnung. Aber bereits vier Jahre zuvor hatten engagierte Dorfbewohner damit begonnen, für die schrittweise Sanierung ihres Gotteshauses zu kämpfen. Stück für Stück und ganz langsam gingen die Arbeiten damals voran. Mithilfe des Dorferneuerungsprogrammes des Landes Sachsen-Anhalt konnten damals Einzelvorhaben realisiert werden. So wurde beispielsweise das Dach der Eggersdorfer Kirche saniert.

Ladegast-Wanderorgel wurde der Kirche geschenkt

160000 D-Mark konnten einige Jahre später durch die damalige Fernsehsendung "Damit die Kirche im Dorf bleibt" des Mitteldeutschen Rundfunks gesammelt werden - davon wurde der Innenausbau des Gotteshauses bezahlt. Hinzu kamen in kleinen Schritten weitere Arbeiten: Die Emporenmalereien der St. Martin-Kirche wurden erneuert, die Altarfiguren nach langem Hin und Her mit dem Denkmalschutz wieder aufgestellt. Allmählich konnte sich die Eggersdorfer Kirche wieder sehen lassen.

Weil die Orgel des Gotteshauses nicht mehr bespielbar ist, nahm man 2004 zudem dankend ein Geschenk an. Nachdem sie als Wanderorgel mehrere Stationen durchlaufen hatte, landete eine Ladegast-Orgel in Eggersdorf, die im Jahr 1865 eigentlich für das Görlitzer Gymnasium erbaut worden war. Nun leistet sie den Gemeindemitgliedern in Eggersdorf gute Dienste, beispielsweise bei den Gebetskreisen, die immer montags stattfinden.

Seit Oktober 2014 bringt Annett Franzelius als neue Vorsitzende frischen Wind in den Kirchbauverein, der momentan 16 Mitglieder zählt. Annett Franzelius selbst kommt eigentlich aus Salzelmen - durch ihre Arbeit im dortigen Gemeindekirchenrat lernte sie bei Veranstaltungen das Eggersdorfer Gotteshaus kennen und lieben und engagiert sich seit einigen Jahren aktiv dafür.

Verstärkung sucht der Kirchbauverein, der die Erhaltung des Gotteshauses über Spenden und Beiträge finanziert, ständig. Bei einem alten Gemäuer wie der Eggersdorfer Kirche, die wahrscheinlich im 11./12. Jahrhundert entstand, gibt es nämlich immer etwas zu tun.

Kammerphilharmonie musiziert am 17. Mai

Wenn genügend Geld vorhanden wäre, stünden Arbeiten am Sockelbereich in der Kirche, an der Außenfassade, am Altar und an einem vernünftigen Beleuchtungskonzept auf dem Programm. Weil der Verein aber immer schrittweise plant, haben sich die Mitglieder bei ihrer kürzlichen Jahreshauptversammlung zunächst auf die Erneuerung des Fußbodens im Altarraum verständigt.

Das größte Vorhaben, das beim Eggersdorfer Kirchbauverein derzeit besprochen wird, ist jedoch der Neubau eines Gemeindehauses neben der St. Martin-Kirche. Eine entsprechende Arbeitsgruppe berät seit mehreren Wochen darüber. Für Veranstaltungen und das Miteinander der Gemeinde werde ein solches Gebäude unbedingt gebraucht, erklärt Annett Franzelius.

In der Eggersdorfer Kirche soll am 17. Mai die nächste Veranstaltung stattfinden. Um 17 Uhr spielen an diesem Tag Musiker der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie. "Die Akustik in der Kirche ist wunderbar, das sollte man mal erlebt haben", erzählt Vereinsmitglied Gösta Zahn. Der Kirchbauverein präsentiert sich - wie in den Vorjahren - beim Vereinsfest des Dorfes, das vom 17. bis 19. Juli stattfindet. Die Eröffnung wird wie gewohnt in dem Gotteshaus gestaltet. Besucher sind ständig willkommen. Wer Ideen für Aktionen mit der Kirche hat, kann sich jederzeit an den Kirchbauverein wenden.