Die Zeichen stehen gut für Nachwuchs bei Calbes Turmfalken. Die Vögel sind wieder rund um ihr langjähriges Stammquartier gesichtet worden. Im Mai nehmen die Beringer Dr. Gustav Grundler und Gebhard Edner vom Naturschutzbund (Nabu) zwei Brutplätze der St.-Stephani-Kirche genau unter die Lupe.

Calbe l "Im vergangenen Jahr haben wir 44 Turmfalken in Calbe, Schönebeck, Gnadau und Plötzkau beringen können. Das war ein sehr gutes Ergebnis", erklärt Dr. Gustav Grundler. Grund dafür sei ein sehr Mäusereiches 2014 gewesen. Mit anderen Worten: Der Tisch war mit der Leibspeise des Turmfalken mehr als reichlich gedeckt (siehe Infokasten). Gute Voraussetzungen also, um sich fortzupflanzen. Durch den milden Winter dürften in diesem Jahr ähnlich günstige Bedingungen vorherrschen, meint Grundler aufgrund seiner reichen Erfahrung. Der Calbenser beschäftigt sich seit rund 35 Jahren mit der Ornithologie und dem Beringen von Vögeln.

Dabei sei die St.-Stephani-Kirche neben weiteren Standorten in der Saalestadt stets eine gute Kinderstube für Turmfalken gewesen. Bislang gibt es zwei hochgelegene Brutplätze am Gotteshaus, zum einen in einer natürlichen Gesteinshöhle an der Westseite einer der Türme, zum anderen in einem extra Brutkasten. Derzeit kreisen Turmfalken um die Doppeltürme von St. Stephani und stoßen hoch über den Dächern ihre charakteristischen "kikikiki"-Rufreihen aus.

Das Weibchen legt zwischen Mitte April und Mitte Mai vier bis sechs Eier und brütet 29 Tage lang. Nachdem die Jungen geschlüpft sind, werden sie gut vier Wochen lang gefüttert. Nachdem sie das Nest verlassen haben, begleiten sie ihre Eltern noch weitere vier Wochen und füttern sie.

"Wie groß die Gelege in diesem Jahr sind, kann erst nach einer Vor-Ort-Begutachtung gesagt werden", erklärt der Hobby-Ornithologe Gebhard Edner. Zusammen mit Dr. Gustav Grundler wird der Schönebecker voraussichtlich Ende Mai die Stufen der Kirche erklimmen, einen Blick in das Nest werfen und die Jungvögel beringen. Die "Personalausweis-Daten" gehen zur Vogelschutzwarte auf Hiddensee.

"Das machen wir, um die Population und das Nistverhalten nachvollziehen zu können", erklärt Edner das Ziel. Und der Schönebecker weiß: Für Gebäudebrüter wie den Turmfalken wird es wegen der Sanierung von Kirchtürmen, Scheunen und Wohnhäusern immer schwieriger, geeignete Unterschlupfmöglichkeiten zu finden. Der Naturschutzbund setzt sich daher seit Jahren auch für die Errichtung von Brutgelegenheiten für Schleiereulen, Mauersegler, Schwalben und Fledermäuse ein.