Das Kriegerdenkmal auf dem Breitenhagener Kirchhof verfehlt seine Wirkung nicht. Besonders 70 Jahre nach Kriegsende interessieren sich Einheimische und Besucher dafür. 15 Zivilpersonen kamen 1945 ums Leben.

Breitenhagen l Dank der handschriftlichen Aufzeichnungen von Pfarrer Treutler wissen wir relativ gut über die letzten Kriegstage Bescheid. Wie er schrieb, kreisten im April 1945 unablässig amerikanische Flugzeuge über dem Elbe-Saale-Winkel. Aus der Luft stellten die Piloten fest, dass "emsige Schanzarbeiten auf heftigen Widerstand schließen ließen".

Die ersten Granaten schlugen am Nachmittag des 15. April in der Breitenhagener Schifferstraße ein. Bombe um Bombe versenkte in langen Reihen auf der Elbe liegende Kähne. Die Fähre war zuvor bereits von der Wehrmacht auf Grund gesetzt worden, um den vorrückenden Amerikanern die Flussquerung zu erschweren.

Granate schlägt im Hauskeller ein

In den letzten Kriegstagen wurden insgesamt 15 tote Zivilisten in Breitenhagen beklagt. Am härtesten traf es den Bauern Otto Kaatz. Er hatte sich mit seiner siebenköpfigen Familie, dem Schmied Reiz und einer Umsiedlerin mit ihren zwei Kindern in den Hauskeller geflüchtet. Kurz nachdem eine Granate in das nahe Wirtschaftsgebäude eingeschlagen war, verließ Kaatz den Keller, um nach dem Schaden zu sehen. In diesem Moment schlug eine weitere Granate im Keller ein, in dem die Menschen saßen. Sie wurden bis zur Unkenntlichkeit zerrissen.

Wie Pfarrer Treutler schreibt, waren nur noch der Bruder von Heinrich Kaatz und das Töchterchen am Leben. Beide wurden ins Krankenhaus nach Calbe überführt. Kurz danach erlagen sie ihren schweren Verletzungen. Von der ganzen Familie blieb nur Otto Kaatz am Leben, weil er sich während des Granatentreffers außerhalb des Kellers befand.

Weiterhin kamen zahlreiche deutsche Soldaten ums Leben, die auf der Flucht vor den Russen in der Elbe ertranken. So wurden fünf Leichen einen Kilometer oberhalb Breitenhagens gefunden. Nur einer von ihnen konnte mit Namen und Heimat festgestellt werden.

Deren Gräber mit Kreuzen befinden sich noch heute an dieser Stelle.

Gleichermaßen erschrocken

Zeitzeuge Fritz Gruß aus Schönebeck erlebte, wie am 16. April 1945 Breitenhagen von der amerikanischen Artillerie zur Mittagszeit beschossen wurde.

Fritz Gruß schreibt: "Wir entschlossen uns, den Keller zu verlassen und zur Kabel (schmales Ackerstück) zu laufen. Dort lagerten wir uns an eine der Eichengruppen an. Über uns kreiste ganz niedrig ein kleiner Doppeldecker, der wohl für Beobachtungszwecke verwendet wurde.

Es mochte eine halbe Stunde vergangen sein, da schlugen erneut Granaten im Dorf ein und wir sahen die Fontänen der Einschläge von Norden nach Süden durch das Dorf wandern. Dann war wieder Ruhe. Als es nach einer ganzen Weile immer noch ruhig blieb, bin ich als `Einmann-Spähtrupp` zum Damm zurückgegangen, bin die Böschung hinauf gerobbt und habe vorsichtig über den Damm gespäht. Da kein Mensch zu sehen war, bin ich ins Dorf rein gegangen.

An der Ecke Schloßberg/Querstraße stand ich plötzlich einem amerikanischen Soldaten gegenüber, der ebenfalls um die Ecke peilen wollte. Wir waren wohl beide gleichermaßen erschrocken. Ich habe wortlos kehrt gemacht, bin auf die Wiese zurück und habe dort verkündet: `Leute, wir können wieder nach Hause, auf der Hauptstraße steht ein amerikanischer Panzer` ..."

Wrackteile stecken noch immer im Elbufer

Bereits ein Jahr zuvor waren die Breitenhagener schon mal auf andere Weise mit dem Krieg konfrontiert worden. Am 28. April 1944 bohrte sich ein viermotoriger B-17-Bomber in das Elbufer südlich des Ortes. Die US-Boeing war von der deutschen Flak abgeschossen worden. Wie es hieß, hätte sich eines von zehn Besatzungsmitgliedern mit dem Fallschirm retten können, die anderen neun kamen ums Leben.

Ortskundige Einheimische finden noch heute Wrackteile am Elbufer. So hat der Breitenhagener Bernd Albrecht in den vergangenen Jahrzehnten einen ganzen Eimer Flugzeugschrott zusammengetragen.

   

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