In der Reihe "Philharmonisches Phrühstück" hat der Chefdirigent der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie, Gerard Oskamp, die Pianistin Valentina Barbor und den brasilianischen Dirigenten Laércio Diniz eingeladen.

Schönebeck l "Wir warten auf einen höheren Stuhl", sagt Chefdirigent Gerard Oskamp beim jüngsten Philharmonischen Phrüstück im Hotel am Kurpark. Dessen Beginn ist ein wenig abhängig von der Sitzposition der Pianistin. Die heißt Valentina Babor und hat in Schönebeck während eines Gastauftritts im Februar bereits für Beifallsstürme gesorgt. Das mag beim männlichen Publikum sicher auch daran liegen, dass hier eine höchst attraktive Frau auf der Bühne zu erleben ist. Ganz und gar unbestritten ist jedoch ihr künstlerisches Können. Was für ein Genuss. Und das - in diesem Fall - am frühen Morgen. Am Sonntagmorgen. Drei Stücke spielt die gebürtige Münchnerin während der Veranstaltung, in der Oskamp locker plaudernd mit seinen Gästen ins Gespräch kommt. Diese Beiträge als musikalische Untermalung zu bezeichnen, wäre deplatziert. Die Musik, die Valentina Babor spielt, scheint aus ihr selbst zu kommen, fließt durch ihre Hände. Sie gibt sich der Musik hin, mit Haut und Haar. Vielleicht ist das auch zu erwarten bei einer professionellen Musikerin, beeindruckend zu erleben ist es allemal. Kompositionen von Robert Schumann, Franz Lizst und Frederik Chopin bringt die 25-Jährige zu Gehör. Und was sie aus dem Keyboard, aus diesem elektronischen Instrument herausholt (ein Flügel passte einfach nicht durch die Tür), ist fantastisch.

Das Gespräch beginnt Gerard Oskamp mit Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch, der vor einem Jahr bereits Gast beim Philharmonischen Phrüstück war und damals seine Affinität zur Musik als eher bescheiden beschrieben hatte. Was er denn in seiner Amtszeit schon umsetzen konnte, will Oskamp vom Stadtoberhaupt wissen. Knoblauch verweist hier auf die Orts- und Ortsteilversammlungen und die von ihm angebotenen Bürgersprechstunden, aber auch auf die Bemühungen, den Abfanggraben an der Ortsumgehung zu realisieren. "Wir stehen kurz vor Vertragsabschluss. Wahrscheinlich ist noch in diesem Jahr Baubeginn", sagt der Oberbürgermeister. Nun, auch in dieser Bemerkung steckt Musike, wenn auch auf andere Art.

Gemeinsamer Auftritt mit David Garrett

Valentina Babor, erfährt Oskamp auf Nachfrage, hat mit fünf Jahren angefangen, Klavier zu spielen, später folgte Querflöte. Auch ihre Eltern sind heute mit von der Partie. "Sie wollte schon als kleines Kind Pianistin und Dirigentin werden", berichtet der Papa. Zu ihren nächsten Projekten zählt ein gemeinsamer Auftritt mit David Garrett. "Er hat mich angesprochen", erzählt Valentina Babor vom Zustandekommen dieser Zusammenarbeit.

Weiterhin sitzt der brasilianische Dirigent und Violinist Laércio Diniz auf dem Gästesofa. Er hat erst mit 16 Jahren begonnen, Violinunterricht zu nehmen. In Brasilien sei das normal. Seine späteren Lehrer in Europa mochten nicht glauben, dass er innerhalb von knapp drei Jahren so gut zu spielen gelernt haben könne. Deshalb sagte er später auf entsprechende Nachfragen, er habe mit fünf angefangen. Damit war dann Ruhe im Karton. "Ich habe halt viel geübt", begründet Diniz (im besten Deutsch) sein rasch angeeignetes Können. Er ist sich sicher, dass das Ganze eine reine Kopfsache ist: "Wenn mir jemand gesagt hätte, mit 16 bist du zu alt, hätte ich es wohl geglaubt", meint der Maestro, der in der Millionenstadt Sao Paulo lebt und in seinem Heimatland zwei Orchester leitet.

Angesichts des relativ späten Lernerfolgs des Brasilianers zeigt sich Oskamp auch hinsichtlich der musikalischen Talente des Oberbürgermeisters optimistisch: "Bert, du hast auch noch eine Chance", sagt er aufmunternd.