Die Alzheimer-Gesellschaft in Sachsen-Anhalt bietet in Frohse die Betreuung von Erkrankten an. Und das seit 9 Jahren.

Schönebeck l Ein strahlender Frühlingstag im Schönebecker Stadtteil Frohse. Wenn Besucher die Holztür am Großen Steinklump passieren, finden sie sich inmitten eines idyllisch an der Elbe gelegenen Kleinods wieder. In ihrem Schönebecker Domizil feiert die Regionalstelle der Alzheimer-Gesellschaft ihr 9-jähriges Bestehen. Im Garten brutzeln Würste auf dem Grill, auf den Tischen liegen Blümchentischdecken. Viele Angehörige und Freunde sind gekommen. Acht der anwesenden Gäste kennen die Einrichtung bestens. Sie werden hier unter der Woche tagsüber bis 16 Uhr betreut. "Tagesgäste" heißen sie im Vokabular der Einrichtung. Leiterin Birgit Herter umreißt das Prinzip der Betreuungsstelle. "Alzheimerdemente Menschen sind bei uns in der Tagesbetreuung. Pflegende Angehörige werden dadurch entlastet."

Darüber hinaus leisten Herter und ihre Kollegen noch einiges mehr: Angehörige sollen im täglichen Umgang mit dem Betroffenen eine Stütze bekommen, schließlich gilt es nicht nur, den oft komplizierten Verlauf der Krankheit zu verstehen. Denn wird eine Alzheimererkrankung diagnostiziert, müssen Anträge bei Pflegekassen und Ämtern gestellt werden, eine Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) wird erforderlich. Allerhand zu tun für die vier Mitarbeiter. "Wir suchen immer nach ehrenamtlichen Helfern", sagt Leiterin Herter. Einen wie Bernd Kuhnert. "Seit August letzten Jahres arbeite ich in der Betreuungsstelle. Es macht unheimlich viel Spaß", sagt Kuhnert. Heute ist er der zuständige Grillmeister, im Tagesgeschäft arbeitet Kuhnert meistens im Fahrdienst.

"Die Schublade, die die Patienten aufziehen, in die krabbele ich hinein."

Morgens um 7.30 Uhr beginnt die Abholtour, die ihn bis nach Gommern führt. Um 9 Uhr sitzen die dementen Tagesgäste am Frühstückstisch in Frohse. Viele bunte Einrichtungsgegenstände und helles Holz prägen hier die Atmosphäre. "Das richtige Umfeld ist ebenso wichtig, wie die Einstellung der Mitarbeiter", sagt Birgit Opitz, die Leiterin der Gesellschaft. Sie plädiert dafür, die noch vorhandenen Kompetenzen der Kranken im Alltag anzusprechen. Deshalb liegt der Akzent auch auf der Betreuung und nicht auf der Pflege, so erläutert Opitz. Wichtig sei auch, so Birgit Herter, positiv auf die Bewohner zuzugehen, denn "eine negative Körpersprache fällt sofort auf". Daher sei auch die sogenannte Validation äußerst wichtig.

Das bedeutet, dass vermeintlich abwegige Bemerkungen der Demenzkranken nicht abgekanzelt werden. "Wenn mich ein Bewohner im Frühling fragt, wie ich die Feiertage, also Weihnachten, verbracht habe, versuche ich trotzdem, mich mit der Frage auseinanderzusetzten, sagt Herter. Dafür findet sie ein schönes Bild. "Die Schublade, die die Patienten aufziehen, in die krabbele ich hinein."

Einer der Tagesgäste ist die 78-jährige Liselotte Neumann. Dass die Rentnerin noch in einer eigenen Wohnung leben kann, ist unter anderem ein Verdienst ihrer Tochter Bettina Büring. Sie vereinfacht den Alltag ihrer dementen Mutter, indem sie in der Wohnung Klebezettel mit den wichtigsten Informationen anbringt. "Wenn meine Mutter mal wieder früh morgens um sieben Uhr aufsteht, erinnert sie beispielsweise ein Zettel daran, dass es Wochenende ist, sie keine Erledigungen machen muss und ausschlafen kann."

Im Aufenthaltsraum sitzt Wolfgang Rittweger. Auf die Frage, was es denn heute zu Mittag gegeben habe, weiß der demente Mann keine Antwort. "Aber geschmeckt hat es", bekräftigt Rittweger. Häufig treten bei Demenzerkrankungen zunächst Defizite im Langzeitgedächtnis und die Merkfähigkeit betreffend auf. Im weiteren Verlauf verschwinden auch Inhalte des Langzeitgedächtnisses. Wenn Wolfgang Rittweger weit in die Vergangehnheit schweift, werden die Erinnerungen wieder plastischer. Ein guter Schwimmer sei er gewesen. Bei vielen Schönebeckern sei er als der Elbeschwimmer bekannt gewesen. Von weitem an seiner weißen Badekappe erkennbar. Damit habe er Schiffe auf sich aufmerksam machen wollen, so erinnert sich der Tagesgast der Einrichtung.

Im Garten genießt unterdessen der ebenfalls demente Werner Grafe die Sonne. Besuch hat er von seiner Frau Gudula und von seinem besten Freund Bernd Hannebauer. Letzterer kommt immer gern zu Besuch: "Seit über zehn Jahren sind wir befreundet. Ich besuche Werner gern hier. Zudem ist die Lage an der Elbe einfach traumhaft", sagt Hannebauer. Nicht selten begegnet er seinem Freund hier bei einer seiner neuen Leidenschaften, der Gartenarbeit. Neue Hobbys sind hier keine Seltenheit. Obwohl die Mitarbeiter der Einrichtung mit den Betroffenen an der Erinnerung an die eigene Biografie arbeiten, kommt es nicht selten vor, dass die Erinnerungen an frühere Vorlieben verblassen.

Wer Interesse an einem Beratungsgespräch oder an einer ehrenamtlichen Tätigkeit hat, kann sich an die Regionale Beratungsstelle der Alzheimer-GesellschaftSchönebeck/Frohse, Großer Steinklump 11, 39128 Schönebeck, Telefonnummer (03928) 401490 wenden.

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