Schönebeck l Entspannung gibt es selten im Klassenzimmer. Dazu dient der Pausenhof oder auch die Kantine. Anders ging es da bei dem Besuch von Marion Richter in der Grundschule "Ludwig Schneider" in Schönebeck zu.

Die Gesundheitsförderin des "Klasse2000"-Projekts stattete der Lerngruppe C einen Besuch ab und behandelte mit den Schülern das Thema Entspannung. Gleich zu Beginn mussten die Mädchen und Jungen aber erst einmal körperliche Stärke beweisen. "Die Kinder wurden aufgefordert, ihre Mappen so lange wie möglich mit ausgestreckten Armen nach vorn zu halten", erklärte Klassenleiterin Angelika Hesse.

Diese "schwierige Aufgabe" war natürlich nicht ohne Grund so von Marion Richter ausgewählt worden. Nach körperlich oder geistig anspruchsvollen Aufgaben braucht der Körper eine Entspannungsphase, so die Schlussfolgerung aus dem kleinen Experiment.

Anschließend ging es darum, welche alltäglichen Aufgaben denn die Kinder stark belasten. Sind es die Hausaufgaben? Oder das Rechnen oder Schreiben? Oder doch das Helfen im Haushalt oder das Aufräumen des eigenen Kinderzimmers?

Jedes Kind hat eine andere Belastungsgrenze

Schnell wurde klar, dass nach anfänglichem Tatendrang die Motivation nachlässt und auch die Kleinsten irgendwann müde, schlapp und unkonzentriert werden. "Das ist dann ein deutliches Zeichen dafür", erklärte Marion Richter, "dass der Körper Erholung braucht." Die Individualität der Kinder lässt aber keine pauschale Aussage darüber zu, welche Tätigkeit denn nun wirklich am anstrengensten ist.

Da aber eine Pause nicht gleich Pause ist, schlugen die Kinder verschiedene Begriffe vor, die die Entspannung umschreiben. Ob nun kuscheln mit Mama oder Papa oder einfach schlafen und lesen. Jedes Kind hat seine eigene Taktik.

Mit Hilfe von Klaro, der Symbolfigur des Projekts, bekamen die Kinder gezeigt, dass anstrengende Tätigkeiten die Waagschale aus dem Gleichgewicht bringen. Deshalb muss nicht nur Klaro, sondern müssen auch die Kinder regelmäßig Pausen einlegen.

Am Ende der Stunde bekamen die Schüler noch eine besondere Kugel, mit der sie bei ruhiger Entspannungsmusik eine Partnermassage durchführten. "Das hat den Kindern sehr viel Spaß gemacht", sagte die pädagogische Mitarbeitern der Schule Sabine Häntsch. "Sie empfanden es als sehr erholsam und wohltuend."

Das Projekt "Klasse2000" steht unter der Schirmherrschaft der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler. Einer der wichtigsten Partner ist der Lions Club. Die verschiedenen lokalen Lions Clubs stehen, wie es beispielsweise in Schönebeck der Fall ist, als Förderer zur Verfügung.

Gesundheitsförderer mit medizinischem Hintergrund

Das Programm umfasst ungefähr 15 Unterrichtseinheiten pro Jahrgangsstufe, die die Lehrkräfte sowie speziell geschulte Gesundheitsförderer umsetzen. Sie sind speziell ausgewählt und bekommen eine zusätzliche Ausbildung. Die Gesundheitsförderer hätten zumeist einen medizinischen Hintergrund oder bereits Erfahrung in der Arbeit mit Kindern. Die Themen der Einheiten umfassen gesunde Ernährung, Bewegung und Entspannung sowie sich selbst mögen und Freunde haben. Auch das Lösen von Konflikten und Nein sagen können wird behandelt.