Drei Schulklassen bevölkerten am Montagvormittag den Calbenser Tierpark. Sie hatten ihren Wandertag in die Einrichtung gelegt, weil die Schafe ihre Wolle verlieren sollten. Das wollten die Kinder nicht verpassen.

Calbe l Rund eine Stunde sind drei zweite Klassen der Lessingschule zum Calbenser Tierpark gewandert. Die Mädchen und Jungen haben die Strecke auf sich genommen, weil sie am Montagvormittag erleben wollten, wie den Schafen die Wolle abgenommen wird.

Zunächst heißt es für die Kinder aber erst einmal warten. Denn der Schafscherer hat sich verspätet. Fast eine Stunde später trifft er ein. Dennoch bleiben die Kinder ganz gespannt, als es endlich losgeht. Mit wenigen Handgriffen hat Rocco Rösch seinen Stand aufgebaut. An der hölzernen Unterlage befestigt er an einem Galgen einen Motor. Über ein Gestänge wird damit die Schermaschine angetrieben.

Früher, erzählt er, habe er das Scheren der Schafe hauptberuflich gemacht. Heute gebe es aber kaum noch genug Schafe dafür. Deshalb sei er nur noch im Frühjahr unterwegs. Von April bis in den Juli hinein übe er seinen einstigen Beruf aus, sagt er.

Das Scheren der Schafe ist für den geübten Zerbster kein Problem. "Nur wenige Minuten benötige ich für ein Tier", sagt er. Viel schwieriger sei es mitunter, die Tiere zu fangen. Nur mit Futter lassen sie sich aus dem Gehege locken. In die Enge gedrängt, haben sie keine Chance gegen den erfahrenen Schafscherer. Blitzschnell schnappt er sich das Tier und bringt es zum Platz. Einmal richtig hingesetzt, verhalten sich die Schafe ruhig und zappeln nicht.

Dann geht alles ganz schnell. Die Schermaschine arbeitet sich in Sekunden durch das dicke Fell. Unter der grauen Wolle kommt die weiße Haut des Tieres zum Vorschein. Sechs Millimeter der weichen Wolle bleibt am Schaf stehen. Die kurze Behaarung schützt das Tier weiter vor Kälte. Aber in den kommenden warmen Monaten kommen die Tiere ohne den dicken Wollmantel besser klar. Geschoren werden müssen die Schafe in jedem Jahr, sagte eine Mitarbeiterin des Tierparks. Schließlich seien die Schafe wegen der Wolle so gezüchtet worden. Ohne die Schur würden die Tiere den Sommer wohl nicht überleben, meint sie.

Die Mädchen und Jungen wollen nach der ersten Schur die Wolle des Tieres anfassen. Die kleinen Hände strecken sich durch den Zaun, um die weichen Haare zu ertasten.

Früher spielte die Schafwolle für die Industrie noch eine große Rolle, sagt Rocco Rösch. Heute decken die Einnahmen für die Schafwolle nicht einmal mehr die Kosten für den Schafscherer, kennt er die Situation.

Für die Wolle werden die Schafe hierzulande nicht mehr gezüchtet. Heute spielt vor allem das Fleisch eine Rolle. Bekleidung aus Schafwolle ist zu einem Nischenprodukt geworden. In einigen Regionen gibt es noch Vereine oder Arbeitsgruppen, in denen die Schafwolle verarbeitet wird, weiß der Zerbster.

Im Tierpark gibt es für die Wolle keine Verwendung. Gern können sich die Schulklassen mit den Haaren eindecken.

In den Tagen vor dem Wandertag haben sich die Klassen bereits mit dem Thema Wolle beschäftigt, erzählen die Lehrerinnen. Dabei gingen sie auch auf die Geschichte ein. Die Kinder beeindruckt beim Fühlen der Wolle vor allem, wie weich sich die Haare anfühlen. Das liege vor allem an dem Fett, mit dem Haare umgeben sind. Das mache die Wollfasern wasserabweisend. Schließlich dürfe sich das Fell der Tiere bei einem Regenguss nicht vollsaugen. Dringt zu viel Wasser in die Wolle ein, würde das Schaf frieren, erklären die Lehrerinnen. Den Schafen macht das Scheren nichts aus. Nach der Schur springen sie mit einem Satz auf und laufen davon. Derweil kümmert sich die Tierpark-Mitarbeiterin um den Nachschub und lockt das nächste Tier an. Innerhalb von einer Stunde ist die ganze Arbeit erledigt und die sechs Schafe haben ihr kurzes Sommerkleid. Es wächst nun wieder bis zum Winter.