Die spätromanische Kirche zu Döben erfährt eine späte Kultur-Ehrung. Im Zuge des "Rundfahrtkonzertes", das im Rahmen des Musikfestes "Klänge im Raum" stattfindet, machen hier Musiker und Gäste am Pfingstmontag, 25. Mai, Station. Das ehemalige Gotteshaus gehört der Döbenerin Johanna Hamann, die Teile ihres Lebens dem Erhalt widmete.

Gnadau-Döben l Es soll eine kleine Tournee quer durch den Salzlandkreis in überraschenden und ungewöhnlichen Spielstätten werden. Die Tour beginnt in der privaten Wehrkirche von Döben, führt über die St.-Pankratius-Kirche in Elbenau zur Kirche St. Maria Magdalena in Plötzky und weiter zur St.-Thomas-Kirche in Pretzien und St.-Lucas-Kirche zu Ranies.

In den jeweiligen Gotteshäusern wird abwechselnd Streicher- und Bläsermusik aus den Programmen "Frisch gestrichen" und "Angepfiffen!" der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie Schönebeck unter der Leitung ihres Chefdirigenten Gerard Oskamp erklingen. Am Ende steht für alle Teilnehmer ein üppiges Buffet in der Gaststätte "Zur Tanne" in Ranies bereit, bevor der Weg wieder zurück nach Schönebeck führt.

Ein Rundfahrtkonzert der ganz besonderen Art im komfortablen Reisebus, verspricht das Organisationsteam von "Klänge im Raum".

Konzert auf dem Kirchhof

Das Musikfest findet zum 22. Mal statt. Es soll die Musik zu den Menschen bringen und neue Spielstätten erschließen. "Die Klänge der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie können in diesem Jahr an eher ungewöhnlichen Orten, wie beispielsweise Kirchen oder Gärten, vernommen werden", sagt Anne Ströhler, Marketingfrau der Kammerphilharmonie. Mit 15 Veranstaltungen sei auch in diesem Jahr das musikalische Repertoire von Musikschulkonzerten über das Rundfahrtkonzert bis hin zu Klezmer breit gefächert.

Aber wie kam sie ausgerechnet auf die Döbener Kirche als Spielort, die ja auf einem privaten Hof steht und in privater Hand ist? "Ich hatte im November einen Artikel über die Besitzerin Frau Hamann in der Volksstimme gelesen. Den fand ich interessant", sagt Anne Ströhler. Daraufhin hatte sie Kontakt zu der Döbenerin aufgenommen, die sich über die Anfrage freute. Nach einer Ortsbegehung war man sich schnell einig, die alte Wehrkirche als Rundfahrt-Station einzubeziehen.

Johanna Hamanns spätromanisches Gotteshaus stammt aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Sie gehört zu jenen tausend Kirchen in Deutschland, in denen nicht mehr getauft, gepredigt und das Abendmahl gereicht wird. Wie lange das schon so ist, lässt sich nicht ermitteln. Es müssen Jahrhunderte sein. Aus der Ursprungszeit sind noch einige kleine Rundbogenfenster erhalten, die typisch für die Romanik sind. Sie stehen im Kontrast zu viereckigen Fensterluken, die in späterer Zeit in das Mauerwerk gebrochen wurden, als die Kirche Speicher, Stall oder Schmiede war.

Aus purem Idealismus saniert

Johanna Hamann erwarb das vormals von der LPG genutzte Grundstück mit Kirche 1992, weil sie eine innige Beziehung zu Döben hat und aus purem Idealismus den Verfall stoppen wollte. Die Sanierung erfolgte 2007 in mehreren Schritten. 2012 war die Kirche endlich fertig: die Dächer neu gedeckt, Risse geschlossen, quadratmeterweise Steine ersetzt, die Fassaden verputzt. Finanziert wurde das Riesenobjekt unter anderem aus Miet- und Ackerpachteinnahmen. "Mit dem Sanierungsabschluss vor zwei Jahren fiel eine große Last von Johanna Hamanns Schultern. Jetzt geht sie täglich frohen Mutes über ihren Hof, um nach den Pferden zu sehen und sich über die Kirche zu freuen", schrieb die Volksstimme vor einem halben Jahr.

Das "Rundfahrtkonzert" dürfte Johanna Hamanns Empfinden noch verstärken. Verdient hat sie es.

Karten gibt es über das Orchesterbüro der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie, Tischlerstraße 13a, 39218 Schönebeck, Telefon (03928) 400597.

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