Die Orgel der Werkleitzer Katharina-von-Bora-Kirche soll saniert werden. Die Finanzierung dafür steht. Bei den vorbereitenden Arbeiten kam dann der Schock: Die tragenden Balken über der Orgel sind an ihren Enden verfault.

Tornitz-Werkleitz l So verkündete die Volksstimme im vergangenen Dezember die gute Nachricht: "Annette Dunkel, Vorsitzende des Gemeindekirchenrates Tornitz-Werkleitz, konnte dort mit Neuigkeiten aufwarten, die im kommenden Jahr anstehen.

Dann soll die 1718 gebaute Orgel spielbar gemacht werden. Die Sanierungskosten belaufen sich auf etwa 22000 Euro. Doch zuvor müssten auch Decke, Dach und Wände des Gotteshauses saniert werden ..."

"Steter Tropfen höhlt den Stein."

"Klar, das ist verständlich", sagt Annette Dunkel heute. "Die Denkmalpflege forderte intakte Wände, damit nicht der Putz in die neuen Orgelpfeifen rieselt." Auch dafür habe die Finanzierung in Höhe von 17000 Euro "gestanden". Doch jetzt sei wieder alles offen.

Warum?

Als die Handwerker im Zuge der Sanierungsarbeiten die Decke genauer unter die Lupe nahmen, kam, was in solchen Fällen oft kommt: Das gesamte Ungemach trat zutage. Die Balkenenden waren total verfault. Nur der sichtbare Bereich machte einen intakten Eindruck. Annette Dunkel spricht von "Blumenerde", wenn sie die Holzreste beschreibt, die seit 1701 im Mauerwerk steckten. Ein Wunder, dass sich die Decke über der Orgel infolge ihrer Eigenlast noch nicht senkte.

Nun müssen mehrere Balken sowie das Auflageholz im Traufbereich abgesägt und angeschuht werden. Ein Prozedere, das Zimmerleute in den vergangenen 25 Jahren zur Genüge absolvieren mussten, weil Werkleitz kein Einzelfall ist. Marode Dächer ließen über Jahrzehnte Feuchtigkeit und Regen eindringen, was Fäulnis und in einigen Fällen auch Hausschwammbefall zur Folge hatte. Um Beispiele zu finden, braucht man nur vom Werkleitzer Kirchturm rundherum zu gucken: Die Barbyer Marien- und die Johanniskirche wurden auf diese Weise saniert - jüngstes Beispiel ist die Rosenburger Kirche mit ihrem Turm. Überall hätte man über der Tür einmeißeln können: "Steter Tropfen höhlt den Stein."

Die Katharina-von-Bora-Kirche in Werkleitz hat ein DDR-Dach aus Betonziegeln. Was nach Aussage von Fachleuten damals wie heute sowieso nicht das Nonplusultra sei. Dass die Traufbereiche dermaßen undicht waren, hätte aber auch bei dieser Materialart nicht sein müssen. Als Annette Dunkel einen Fachmann fragte, gestand der sinngemäß: Wenn wir damals Balkenschäden feststellten - wir hatten sowieso nicht das Holz für eine Sanierung. Also ging man im direkten wie übertragenen Sinne "faule Kompromisse" ein, wenn Dächer neu gedeckt wurden. Nach dem Motto: "Augen zu und durch." So kann es auch in Werkleitz gewesen sein, denkt man an Annette Dunkels Beschreibung mit der "Blumenerde". Denn ehe ein massiver Balken seinen "Aggregatzustand" verändert braucht es viele Jahrzehnte.

Wie dem auch sei.

Nach Feststellung der Situation wurde jetzt erstmal ein Baustopp verhängt. Zwangsläufig.

Denn es müssen zusätzlich 16000 Euro für die Balkensanierung aufgetrieben werden. Für die 130-köpfige Kirchengemeinde Tornitz/Werkleitz kein Pappenstiel. Annette Dunkel nahm unter anderem Kontakt zu potenziellen Spendern auf.

"Es ist erstaunlich", sinniert die Werkleitzerin, "hätten wir nicht die Orgel sanieren wollen, wäre uns der Schaden überhaupt nicht aufgefallen."

Doch Gottes Mühlen mahlen bekanntlich langsam. Eines dramatischen Tages wäre die Decke abgesackt.

Ein Gutes hat die ganze Angelegenheit dennoch: Die Orgelsanierung, die quasi auf die Gefahr aufmerksam machte, ist finanziell von der Aktion nicht betroffen. "Das Geld kommt aus einem anderen Topf", sagt Annette Dunkel.

 

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