Barby l "Nein", schüttelt Ulf Mailänder den Kopf, "so ein Kino wie in den großen Städten wird das nicht." Die Sache gehe eher in Richtung ausgewählte Filme, Kleinkunst (Kabarett, Lesungen) oder musikalische Darbietungen (zum Beispiel kleine Bands).

Der Berliner hat nicht viel Zeit, um neugierige Fragen zu beantworten. Er hat einen Sack Zement geschnappt, um ihn in das obere Stockwerk zu schleppen. Dort muss ein Loch in der Wand vermauert werden. "Wenn ich das einen Handwerker machen lassen, kostet mich das schnell mal 100 Euro", sagt der 59-Jährige im Gehen.

"Man muss die Probleme hier nicht groß reden, sondern klein denken."

Diese Grundhaltung ist bezeichnend für das Kino-Projekt. Der neue Eigentümer versucht, möglichst viel selbst zu machen. Sonst würden die Kosten aus dem Ruder laufen.

Und wer sind die Handwerker? "Das sind Mitglieder eines Museumsvereins", antwortet Ulf Mailänder. Ein Elektriker ist den untergründlichen Wirrungen der Elektroanlage auf der Spur, um einen Gordischen Knoten zu entwirren. Denn Verlegepläne existieren nicht mehr. Die Installation stammt zum Teil aus der Urzeit des Kinos, die durch DDR-Technik ergänzt wurde. So ist der Durchgangsprüfer das Hauptmessgerät, um zu klären, welche Leitung wohin geht. Das größte Problem grinst aber hässlich von der Decke. Obwohl das Flachdach mit Schweißbahnen mal abgedichtet wurde, müssen marode Balken und Bretter darunter ausgetauscht werden. Eine Aufgabe, die nicht von Pappe sein dürfte.

Ulf Mailänder blickt derweil gelassen in die Zukunft. Dem Persönlichkeitstrainer und Buchautor sprudeln zwischen Zementstaub und Schuttbergen immer mal wieder Aphorismen aus dem Mund: "Arbeit ist nicht nur zum Geldverdienen da, sie dient vor allem der persönlichen Erfüllung." Oder: "Man muss die Probleme hier nicht groß reden, sondern klein denken."

"Vollkommen klar, dass so ein Objekt nicht kostendeckend laufen kann."

Ein guter Ansatz. Aber ob er mit den gestrengen Vorgaben der Bauordnung korrespondiert, bleibt abzuwarten. Denn es gibt noch keinen zweiten Fluchtweg. Der führte einst über das Nachbargrundstück, was früher zum Kino gehörte und mittlerweile verkauft wurde. An dieser Forderung (und an den Sanierungskosten) scheiterte bereits ein Hamburger Cineast, der sich jahrelang um das Barbyer Kino bemühte. Die Männer um Mailänder versuchen nun, aus Räumen hinter dem Kino einen kleinen (Rettungs-) Hof zu schaffen.

"Uns ist vollkommen klar, dass so ein Objekt nicht kostendeckend laufen kann", gesteht der Berliner. Er sieht nur Chancen durch die Unterstützung eines Fördervereins. Das würde anderenorts auch gut klappen, spricht Mailänder aus Erfahrung.

Er hört mit Wohlgefallen, dass die Barbyer ein gewisses Interesse an Filmen mit Lokalkolorit haben. So war es zur 1050-Jahr-Feier im "Rautenkranz" rammelvoll, als Detlef Gaßler Schmalfilme seines Vaters Erwin zeigte, die besonders in den 1960er Jahren gedreht wurden. Auch Herbert Kolbes Auftragswerk zur 1025-Jahr-Feier (1986) flimmerte mehrfach bei unterschiedlichen Anlässen über die Leinwand. Er war auch einer der letzten Filme, der Anfang der 1990er Jahre im Barbyer Kino gezeigt wurde.

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