Schönebeck l Der eine oder andere Bewohner Felgelebens könnte sich am Dienstagabend um ein Jahr zurückgesetzt gefühlt haben. Denn wie schon 2014 war auch 2015 der Abfanggraben das erste Thema während der Einwohnerversammlung. Schönebecks Baudezernent Guido Schmidt verkündete jedoch eine gute Nachricht: "Der Spatenstich für den Bau soll noch in diesem Jahr erfolgen." Zu 100 Prozent unterschreiben könne er es aber nicht. "Noch immer könnte es Einsprüche beim Vergabeverfahren geben", so der Dezernent.

Somit wurden die Felgeleber - sollten sie sich denn an das vergangene Jahr erinnert gefühlt haben - schnell in das Hier und Jetzt geholt. Dass es solange gedauert hat, habe an "sehr komplizierten" Gesprächen mit allen Partnern gelegen, erklärte Oberbürgermeister Bert Knoblauch.

Unter anderem musste die Stadtverwaltung intensiver mit den Kommunen Bördeland und Barby verhandeln. "Sie waren zuerst nicht einfach bereit, den Bau zu unterstützen", erinnerte Knoblauch. Da der Schönebecker Oberbürgermeister nicht einfach für andere Gemeinden entscheiden kann, mussten Stunden der Diskussionen und des Austauschs her.

Doch beide Seiten sollten mit ins Boot geholt werden, da auch Wasser aus ihren Gebieten in Richtung Schönebeck läuft. Zudem kann eine Kommune nur dann auf fremdem Land investieren, wenn sie selbst daraus einen Vorteil zieht. Schlussendlich gelang ein entsprechendes Abkommen aller Beteiligten. "Bördeland wird nun drei Prozent der Kosten tragen, Barby vier", sagte der CDU-Politiker weiter. Das Land Sachsen-Anhalt steuere den Großteil mit 85 Prozent bei, die restlichen acht müssen von der Stadt Schönebeck getragen werden.

Das allerdings war nicht das einzige Problem. Die Teilnehmergemeinschaft, bestehend beispielsweise aus den Grundstückseigentümern, ist der eigentliche Auftraggeber für den Abfanggraben.

Damit die Stadt überhaupt erst arbeiten kann, müssen beide Seiten einen entsprechenden Vertrag unterschreiben. "Der dazugehörige Beschluss soll im Juni durch den Stadtrat gehen", hofft Knoblauch.

Bei den anwesenden Stadträten Mark Kowolik und Werner Grundmann bereitete eine Formulierung in der Beschlussvorlage für den Stadtrat Sorgenfalten. Es sei von einer höheren Menge Wasser die Rede, die nach erfolgtem Bau durchfließen soll. Doch Oberbürgermeister Knoblauch beruhigte: "Der Graben werde nicht mehr Wasser führen, als jetzt auch der Sol- oder Randelgraben." Extreme Wettersituationen könne aber auch der Abfanggraben nicht ohne Weiteres verwerten. Unter dem Strich blieb zu dieser Thematik festzuhalten: "Der Abfanggraben wird Felgeleben nicht trockenlegen können." Da waren sich Verwaltung und Bürger einig.

Wasser spielte auch bei der Nachfrage eines Anwohners eine Hauptrolle. Störe das hoch wachsende Schilf am Randelgraben das Wasser beim Ablauf? Das konnte bei der kürzlichen Deichbegehung nicht festgestellt werden, so Oberbürgermeister Knoblauch. Zudem werde das Schilf an der Grabenanlage zweimal im Jahr entsprechend gekürzt. "Wir gehen davon aus, dass dies auch rechtmäßig erfolgt", erklärte Knoblauch.

Darüber hinaus wurden die Felgeleber über die Arbeiten bezüglich des Lärmschutzes an der Bahnstrecke informiert. "Vom 1. Juli bis zum 4. August wird dieser gebaut", erklärte Baudezernent Guido Schmidt. Dabei werde es zu vereinzelten Absperrungen und Beeinträchtigungen im Zugverkehr kommen. Die Arbeiten erfolgen zudem in Tag- und Nachtschichten. "So wird eine schnelle Beendigung garantiert", fügte Schmidt hinzu. Mark Kowolik wollte daraufhin noch wissen, ob die Deutsche Bahn noch einmal gesondert auf die Baumaßnahmen aufmerksam machen wird. "Uns interessiert vor allem, ob der Bahnübergang gesperrt wird oder nicht", warf der Stadtrat ein. Dies sei bisher nicht geplant und müsste mit der Verwaltung abgestimmt werden, antwortete Guido Schmidt.

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