Martin Kütz ist Ortsbürgermeister von Plötzky. Der 62-Jährige lebt seit drei Jahren im ostelbischen Dorf. Und er freut sich über seine Verantwortung.

Plötzky l Wenn Martin Kütz durch seinen Heimatort spaziert, ist er wie in einer anderen Welt. "Ja, Plötzky bietet mir wirklich zuerst Ruhe und Ausgleich vom Arbeitsalltag. Ein wirklich schöner Ort mit allem, was es zum Wohlfühlen braucht", sagt der als Professor an der Hochschule Anhalt in Köthen Lehrende. Der 62-Jährige genießt die besondere Stimmung der Elbauenlandschaft. Urige Bäume, grüne Wiesen, schwarzbraune Äcker und dazwischen die grünblau, klar schimmernden Seen. Nicht verschwiegen werden darf an dieser Stelle, dass Martin Kütz mit seiner Lebensgefährtin auch sein privates Glück in Plötzky gefunden hat.

Sein Blick auf den 1000 Einwohner zählenden Schönebecker Ortsteil hat sich aber seit Sommer letzten Jahres geweitet. Martin Kütz nimmt nicht mehr nur die Schönheiten der Natur war, sondern verspürt auch eine innere Verantwortung. Er ist zum ersten Plötzkyer gewählt, übernimmt seither die ehrenamtliche Funktion des Ortsbürgermeisters. "Ich sehe vieles anders und ich verspüre eine innere Pflicht, die Freude, aber auch die Sorgen der anderen zu meinen zu machen."

Wenn der 1953 in Krefeld Geborene von dieser gebotenen Einstellung spricht, klingt das fast ein bisschen pathetisch und altmodisch. Im Gespräch wird aber schnell deutlich: Das macht den Typ Martin Kütz aus. Genau aus dieser Motivation heraus hat er für den Ortschaftsrat kandidiert und die Wahl angenommen, als ihm die Ortsvertreter das Vertrauen ausgesprochen hatten. Seit er in Plötzky lebt, pflegt er intensiven Kontakt zum Heimatverein. "Wenn man zusammensitzt und ein, zwei Bier miteinander trinkt, dann reden die Menschen auch schnell über Probleme", sagt Martin Kütz. Er, als Mann der Tat, fragt dann immer, was man selbst unternehme, um sie anzugehen. Seine Erfahrung ist aber, dass es dann meistens still wird. Aus dieser Stille heraus ist Martin Kütz` Willen zum Politikmachen gewachsen. "Die Devise ist: Nicht nur jammern, sondern auch mitmachen."

"Ein Vereinsstammtisch könnte die Gemeinschaft neu beleben."

Dass er Zugezogener ist, empfindet Martin Kütz als Chance. Sie biete die Möglichkeit anderer Sichtweisen und anderer Offenheit gegenüber allen gleichermaßen.

Und auch wenn der neue Ortschef eher fast ein bisschen zurückhaltend wirkt, er ist ein Macher. Er studierte in den 1970er Jahren an der Technischen Universität Braunschweig Mathematik und promovierte hier auch. Heute ist er Professor für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Anhalt.

Zudem führt er ein eigenes Beratungsunternehmen. Nach seinem Studium war er fast 27 Jahre im Management von IT-Organisationen und in der Management- und IT-Beratung tätig. Der Wissenschaftler befasst sich insbesondere mit der Steuerung von IT-Organisationen und IT-Projekten, dem Transfer von Steuerungsverfahren in das IT-Umfeld und der praxisgerechten Aufbereitung von Verfahren zur Entscheidungsunterstützung.

Neben diesem komplexen Alltag hat Martin Kütz auch in Plötzky in seinen ersten Tagen als Ortsbürgermeister umlernen müssen. Hinter der Idylle steckt ein "Universum für sich", wie er sagt. Er trifft nicht nur auf eine große Erwartungshaltung, sondern auch auf gesetzte Grenzen, gegen die er mehr oder weniger anzukommen versucht: Da ist der eng gestrickte Haushalt der Stadt Schönebeck, der kaum finanziellen Spielraum lässt. Da sind aber auch bürokratische Hürden und die Erkenntnis darüber, dass vieles einen langem Atem brauche. "Bei manchen Entscheidungen müssen viele Beteiligte und Behörden einbezogen werden. Dementsprechend lang dauert es, bis Entscheidungen getroffen werden."

Da verbindliche Zusagen zu geben und auch dafür einzustehen, sei manchmal schwer. Dennoch, Martin Kütz hat sich Arbeitsschwerpunkte gesetzt. Einige wurden ihm ins Hausaufgabenheft geschrieben. Da steht voran die Hochwasser- und Abwasserproblematik, aber auch die vielbefahrene Ortsdurchfahrt mit angedachten Plänen einer Ortsumgehung. Neben dem Tagesgeschäft hat Martin Kütz aber auch eigene Visionen vor Augen.

"Ich will mich stark machen für ein echtes Miteinander im Ort." Es gebe viele Vereine und Interessensgruppen. "Ein Vereinsstammtisch könnte sie alle zusammenführen und die Gemeinschaft, die jetzt vielleicht etwas eingeschlafen ist, neu beleben." Auch die Jugend solle dabei einbezogen werden. Der Ortsbürgermeister erinnert an die passionierte Arbeit des Rückenwind-Vereins mit seinen mobilen Angeboten. Er erhofft positive Effekte für alle und für das Leben im Dorf. Mit der Konsequenz, dass Plötzky noch attraktiver für Zuzieher, vielleicht für junge Familien, werde. Auch die Zusammenarbeit mit den anderen ostelbischen Ortschefs spiele eine Rolle, sagt Martin Kütz. Und schließlich solle das Dorf eine echte Mitte haben. "Da ist jetzt ein Vakuum. Vielleicht kann man im Dorfgemeinschaftshaus Angebote einrichten, die anziehen und ausstrahlen."

Bei allem will sich der Ortschef keinen Ideen verschließen. Eine Frage des Geldes, sagt der ökonomisch Erfahrene, sei das nicht allein. Sondern vielmehr ein Bewusstwerdungsprozess, getreu dem Sprichwort, dass Gutes nur gelinge, wenn man es tue. Schließlich, und wer weiß das besser, kann man so auch Bürgermeister werden.