Den gestrigen Weltmuseumstag haben viele Einrichtungen genutzt, um auf sich und die eigenen Exponate aufmerksam zu machen. In Schönebeck lockten das Industriemuseum und das Salzlandmuseum Gäste an.

Schönebeck l Zugegeben, die Materie ist eine spezielle - aber wer sich auch nur ein wenig mit Industriegeschichte befasst, wird feststellen, dass sie spannend ist. Das gilt vor allem auch für die Schönebecker Industriegeschichte. Und wer hier dazulernen will, ist im Industriemuseum in der Karl-Marx-Straße goldrichtig. Das Haus hatte gestern anlässlich des Weltmuseumstages geöffnet. Die feierliche Taufe der Ausstellungshaupthalle musste zwar ausfallen - aus technische Gründen, wie es hieß - dafür standen Museumschef Dr. Georg Plenikowski und die Seinen allen Fragenden Rede und Antwort. Gern auch ausführlich. So erfuhren die Gäste, dass sich das Schönebecker Industriemuseum bereits in die vom Magdeburger Tourismusverband initiierte "Salzige Tour" eingeklinkt hat. Wohl deshalb, weil in Schönebeck über Jahrhunderte Salz gesiedet beziehungsweise abgebaut worden ist? "Aber selbstverständlich. Ohne Salz läuft die ganze Industriegeschichte in Schönebeck nicht", betont Georg Plenikowski. Und überhaupt, diese Geschichte sei eine so bedeutende, dass es doch schade sei, dass sie in ihrer Relevanz allgemein nicht hoch genug eingeschätzt werde. Schönebecker Erfindungen seien Basis für vieles heute Gängige.

Industriegeschichtskunde regional in Fragen und Antworten:

Die erste Chemiefabrik Deutschlands entstand wo? In Schönebeck.

Die erste industrieelle Munitionsproduktion erfolgte wo? In Schönebeck.

Das um 1900 modernste Auto lief wo vom Band? In Schönebeck.

Die erste Tiefbohrtechnik ist 1909 wo ausprobiert worden?

In Schönebeck.

Der einzige Niederschachtofen der Welt stand wo? Nein, nicht in Schönebeck. Aber dafür in Calbe.

Auf die Frage, welche neuen Exponate in der Karl-Marx-Straße angekommen sind, verweist Plenikowski auf Sägen, Schleifkörper und Bohrmaschinen mit dazugehörenden Transmissionen. Das bedeutet, dass sie bereits eine Kraftübertragung besaßen, also nicht mehr von Hand angetrieben werden mussten. Das war für die Arbeiter eine enorme Entlastung hinsichtlich der körperlichen Anstrengung. Dafür arbeiteten die mit Dampf oder Benzin angetriebenen Energieerzeuger höchst lautstark. "Die ganze Halle muss von einem fürchterlichen Lärm erfüllt gewesen sein", wünscht sich Plenikowski diese Zeiten nicht unbedingt zurück.

Einmalig: Funktionierender Quecksilberdampfrichter

Leihgeber für die neuen Exponate sind die Schönebecker Reinigungsfirma Lichtenfeld sowie eine Gärtnerei aus Magdeburg. "Wir werden die Maschinen in den nächsten Monaten besuchergerecht aufbauen", verspricht der Museumschef.

Unterm Strich haben bislang 75 Privatpersonen, Firmen und Handwerker dem Museum Ausstellungsstücke zukommen lassen, darunter Einmaligkeiten, wie etwa ein Quecksilberdampfrichter, der sogar noch funktioniert. "Es blitzt und glüht wie ein Feuerwerk, wenn der läuft", erzählt Plenikowski begeistert.

Mit einem kleinen Programm auf den Thementag eingestellt hatte sich gestern auch das Salzlandmuseum am Markt von Bad Salzelmen. Der Eintritt war frei und Kinder konnten sich aus einem Fundus ein Kostüm aussuchen, das sie in der Zeit mehrere Jahrhunderte zurück katapultierte. Die elfjährige Manja ließ sich nicht lang bitten und verwandelte sich in ein Burgfräulein. Ihr und allen anderen jungen Besuchern bot Nicole Lüdecke vom Museumsförderverein an, aus Salzteig (versetzt mit echtem Schönebecker Salz) kreative Dinge herzustellen. Gebacken ist der Teig hart wie Ton und damit idealer Grundstoff etwa für Figuren. "Da ist nur Salz, Mehl und Wasser drin. Eine gute Alternative zur Knete", meint Nicole Lüdecke.

Driss Legmair, der im Salzlandmuseum gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert, empfing die Gäste mit Klarem. Allerdings gänzlich ohne Alkohol. Wer mochte, konnte aus drei Konzentratinen Sole herausschmecken, in welcher am meisten und am wenigsten Salz enthalten ist. Gar nicht so leicht.

Gegenüber der Volksstimme äußerte sich der junge Mann angetan von seiner Arbeit im Museum. "Ich arbeite viel mit Kindern, indem wir etwa mit Salz experimentieren. Das ist interessant und macht Spaß."

Und welche Ausstellung wird als nächste im Salzlandmuseum zu sehen sein? "Wir bereiten die Schifffahrtsausstellung vor. Die feierliche Eröffnung wird am 2. Juli sein, zu sehen ist sie dann ab 3. Juli", verweist Museumsleiterin Petra Koch auf Aktuelles. Wird die alte Schifferkabine wieder aufgebaut? Petra Koch: "Einfach mal überraschen lassen."

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