Sobald die Kinder in die Grundschule gehen und oft auch den eigenen Ort verlassen, kommen bei den Eltern die Sorgen auf. Verhalten sich die Sprösslinge korrekt und lassen sich nicht von Fremden überreden? Mit einem neuen Präventionsprojekt will die Polizei genau dafür sorgen.

Eggersdorf l Was macht Hänschenklein falsch? Diese Frage wussten die Kinder der Kindertagesstätte (Kita) "Zwergenland" in Eggersdorf prompt zu beantworten. "Er geht einfach von Zuhause weg und sagt seiner Mama nicht Bescheid", hallte es durch den Raum als die beiden Regionalbereichsbeamten Petra Peters und Sylvio Gebser nach dem gemeinsamen Singen des gleichnamigen Liedes die aufmerksamen Kinder fragten.

Die beiden Polizisten waren extra für einen Vormittag in die Kita gekommen, um ein neugeschaffenes Präventionsprojekt mit den Kleinen zu starten. Begleitet werden sie dabei von "Lilly Schlau" und "Bärti". Die kleine Puppe wird die Kinder die gesamte Zeit über durch den Präventionsunterricht begleiten. Ihr Freund "Bärti" wird nicht immer dabei sein, dafür aber einen Vertreter schicken.

In der ersten von insgesamt vier Einheiten ging es um das richtige Verhalten auf dem Weg in den Kindergarten, die Schule oder nach Hause. Schnell wurde klar, dass die meisten Kinder schon jetzt alles richtig machen. Ihren Namen wissen nahezu alle. Nur der kleine Noah sagte bei der Frage nach seinem Nachnamen: "Ich habe keinen." Natürlich hat auch er einen und wurde prompt mit einer Hausaufgabe "bestraft". Er soll seine Eltern mal nach dem Nachnamen fragen, bat ihn Petra Peters freundlich.

Die Zwerge sind gut erzogen, denn die angehenden Grundschüler wussten beispielsweise alle, dass sie stets Mama und Papa Bescheid geben müssen, wenn sie mit Freunden unterwegs sind oder sie sich neue Ziele als die eigentlich zuvor abgestimmten suchen. "Das ist ja schon ganz toll", lobte die Regionalbereichsbeamtin die Kleinen.

"Und wenn doch was passiert, wie ruft ihr die Polizei?", fragte ihr Kollege Sylvio Gebser, um eine überraschende Antwort aus der Kinder Münder zu erhalten: "Na, mit dem Handy natürlich!" Da konnte sich auch der erfahrene Polizist ein Lachen nicht verkneifen.

Um den Ernst der Lage machte er dann aber auch schnell wieder aufmerksam. Die vermisste Inga aus Schönebeck wurde von den Kindern selbst angesprochen. "Unsere Kollegen suchen ganz intensiv und finden sie hoffentlich", entgegnete Gebser mit optimistischem Klang in seiner Stimme.

Am Ende bekommt jedes Kind einen "Dienstausweis"

Bis Anfang Juni wird es noch drei Veranstaltungen in der Kindertagesstätte geben. In der nächsten Sitzung wird "Rotkäppchen" das Thema sein. Die Hauptfigur des gleichnamigen Märchens läuft bekanntlich durch den Wald und lässt sich von einem Wolf vom Wege abbringen. Wie man in solchen Situationen im realen Leben richtig reagiert, werden die Kinder ebenso lernen, wie das sichere Bewegen im Straßenverkehr auf dem Weg in die Schule. Eine Reise durch den gesamten Märchenwald schließt den Präventionsunterricht ab.

Diese etwas andere Herangehensweise an die Thematik ist ganz und gar neu. Das "Zwergenland" ist Versuchskaninchen und Premierenbühne zugleich. "Ich habe das Konzept entwickelt", erklärt Gebser, "weil der klassische Präventionsunterricht oftmals zu trocken ist." Dabei spielen dem Regionalbereichsbeamten seine Erfahrungen als Trainer in der Polizeidirektion Nord in die Karten. "Das hilft natürlich ungemein", sagt der Polizist weiter, "immerhin hat man so schon die eine oder andere Situation vor Publikum erlebt." Das sei bei einigen Kollegen eben nicht der Fall. "Aber die können dann wieder besser einen Unfallbericht schreiben", sagt Gebser und muss herzlich lachen.

Am Ende bekommen alle Kinder einen Ausweis als "Kommissar". "Dafür müssen sie aber alles ganz genau lernen", betont Gebser mit erhobenem Zeigefinger und lobt Extrapreise aus: "Die fünf Besten dürfen sich auch Kuscheltiere der Polizei aussuchen."

 

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