Spaziergänge am Flüsschen Nuthe sind beliebt. Dieser Trend war bereits Ende des 19. Jahrhunderts erkennbar. Das Terrain zwischen Forsthaus Grüneberg und Ronney (heute Anhalt-Bitterfeld) gehörte einst zur Grafschaft Barby. Forst und Grundbesitzer ließen Wege und Brücken bereits vor dem Ersten Weltkrieg instand setzen.

Walternienburg/Barby l Anstelle einer wackligen Holzbrücke wurde 1912 eine feste Nuthebrücke aus Steinquadern errichtet. Sie liegt auf dem Weg von der Eisenbahnbrücke in Richtung Walternienburg oder Ronney. Der Elberadweg quert an dieser Stelle das Flüsschen.

Das alte Bauwerk hatte zwar gemauerte Widerlager - alles andere war jedoch aus Holz. Immer wieder zerrten die Hochwasser daran, bis die Brücke eines Tages so sehr beschädigt war, dass es nichts mehr zu reparieren gab. Der Neubau von 1912 überspannt nun in kühnem Bogen das Flüsschen. Anfang der 1990er Jahre wurde er zum ersten Mal grundsaniert.

Die am Flämingrand entspringende Nuthe hatte auch für die Barbyer schon immer eine besondere Bedeutung. Im Forst kurz vor der Mündung in die Elbe jagten die Grafen vor 500 Jahren. Bis heute zeichnet sich das kleine Auenwaldstück durch seinen Wildreichtum aus. Das wussten auch die Wilderer. Am Waldrand, mit Blick auf Flötz, wurde am 7. März 1919 der Revierförster Aloys Birkenfeld von einem Wilddieb aus Barby erschossen. Die Zeiten waren nach dem Krieg rau, viele Männer besaßen eine Waffe. Ein großer Findling mit eingemeißelter Schrift erinnert noch heute an die Mordstelle.

Urwaldzustand ist aus wegen Naturschutz gewollt

Während man den Lauf der Nuthe vor dem Zweiten Weltkrieg noch frei hielt, könnte man heute von Walternienburg bis zur Mündung keine Fahrt mehr mit dem Paddelboot machen. Jede Menge umgestürzter und im Wasser liegender Bäume versperren den Weg. Hier häuft sich das Schwemmgut, der Fluss wird gestaut. Ein urwaldähnlicher Zustand, der aus Naturschutzgründen gewollt ist. Auf diese Weise wird Biber, Eisvogel und anderen seltenen Arten Lebensraum geboten.

Ein besonders beliebtes Ausflugsziel war Anno dazumal die Hoplake, die knapp einen Kilometer nördlich der Nuthemündung liegt. Die Leute spazierten den "Grünen Weg" über das Forsthaus Grüneberg oder die Elbwiesen dorthin. Bis Ende der 1970er Jahre existierte eine Holzbrücke über die Nuthe, die gegenüber der Maisan lag und von sowjetischen Pionieren gebaut worden sein soll. Ein Frühjahrshochwasser nahm sie eines Tages mit. Seitdem ist der Wiesenweg von der Brücke zur Hoplake nicht mehr durchgängig begehbar.

Eine Gans als praktikabele Einigung

Dass das Flüsschen nach Kriegsende für Handkähne noch schiffbar war, beweist folgende Episode. Die Firma Beuchelt Co. errichtete den im April 1945 gesprengten Flusspfeiler der Eisenbahnbrücke neu. Dazu hatte man auf der ostelbischen Seite ein Lager für Baumaterial eingerichtet. Als die Arbeiter eines Wintermorgens zur Baustelle kamen, war die Tür aufgebrochen und es fehlten fünf Säcke Zement. Sie folgten der Spur im Schnee, die an der Nuthe endete. Es lag auf der Hand, dass die Diebe mit dem Kahn gekommen waren. Weil Walternienburg stromaufwärts lag, fiel der Verdacht schnell auf die Leute von der Hoplake. Als dort wenig später eine Abordnung handfester Bauleute erschien, gestanden die dortigen Bewohner den Zementklau ziemlich schnell. Weil man 1947 hungerte und lieber pragmatische Lösungen behördlichen Anzeigen vorzog, wurde in diesem Falle schnell eine "praktische" Einigung erzielt. Der Hoplake-Bauer und Gastwirt musste eine fette Gans rausrücken. Im Gegenzug "vergaßen" die Bauleute die Sache mit dem Zement.

Heute existiert das Gasthaus nicht mehr. Zu Himmelfahrt, Pfingsten und an lauen Sommerwochenenden bietet dort ein mobiler Gastronom seine Dienste an.

Anziehungskraft von Nuthe und "Grüner Weg" in Richtung Gödnitz oder Ronney sind bis heute ungebrochen. Bei schönem Wetter ziehen die Leute scharenweise zu Fuß oder mit dem Fahrrad dorthin.

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