Die Verkehrssituation besonders in Pretzien und Plötzky stand vor zwei Jahren im Mittelpunkt einer Bürgerversammlung. Anwohner der Dörfer forderten einen Radweg. Passiert ist seitdem konkret nichts. Doch jetzt scheint Bewegung in die Sache zu kommen.

Pretzien/Plötzky l Fast auf den Tag genau zwei Jahre ist es her. Vor der Einwohnerversammlung im "Alten Krug" bittet die Volksstimme den damaligen Ortsteilbürgermeister Friedrich Harwig (parteilos) um ein Gespräch. Dabei gibt es einen Satz, den er immer wiederholt. Es sind vier Worte, die wie eine Warnung stehen: "Muss erst etwas passieren?" Seit Jahren macht der Ortsbürgermeister auf die mangelhafte Verkehrssituation in Pretzien aufmerksam.

Ein Beispiel von damals, das auch heute noch so gefährlich wie vor 739 Tagen zu beschreiben ist. Ortseingang von Plötzky: Wer sich dort postiert und die Fahrzeuge beobachtet, wie sie teilweise in das Dorf "fliegen", muss sich schon wundern, dass noch keine schweren Unfälle mit Fußgängern passiert sind. Die Polizei mache dort hin und wieder Geschwindigkeitskontrollen, diktiert Friedrich Harwig dem Reporter in den Block. Aber das reicht seines Erachtens nicht aus.

Harwig und viele andere Bürger des Dorfes wünschen sich einen sogenannten Verkehrteiler: Eine kleine Insel mit Schild mitten auf der Straße am Ortseingang, der die Fahrbahnen an dieser Stelle einengt und die Auto- und Lkw-Fahrer zwingt, die Geschwindigkeit zu reduzieren. Doch der Landkreis in Bernburg lehnt ab. "Fahren Sie auf der Straße mal fünf Kilometer weiter in Richtung Dannigkow im Jerichower Land. Dort steht eine Einengung auf der Kreisstraße. Ich frage mich, warum es da geht, nur bei uns nicht? Muss erst etwas passieren?"

Warnend erhebt der Pretziener Ortsteilbürgermeister vor zwei Jahren auch in Sachen Gefahrgutverkehr den Zeigefinger. Der sollte eigentlich von Schönebeck kommend in Richtung Dessau die Bundesstraße 246a nutzen. Doch bei den Brummilenkern hat sich die Abkürzung durch Pretzien herumgesprochen. Die Folge: Durch das Dorf und anschließend entlang der Seen im Naturschutzgebiet quälen sich die Laster. Nur eine kleine Leitplanke und ein dünnes Gitter trennen Kreisstraße und Tiefensee. Dahinter geht es steil hinunter ins Wasser. Wenn dort ein Lkw mit Gefahrgut verunglückt, dann werden alle Seen der Region in Mitleidenschaft gezogen. Friedrich Harwig fordert eine Tonnagebegrenzung, um die Lasterfahrer zu zwingen, die Bundesstraße zu nutzen.

Als Mahner tritt der Ortsteilbürgermeister vor zwei Jahren auch in Sachen Radweg auf. Den gibt es nämlich zwischen den beiden Dörfern Pretzien und Plötzky nicht, wenngleich es aber Radfahrer gibt, deren Zahl in den vergangenen Jahren zugenommen haben. Der Grund: In der Infrastruktur ergänzen sich die beide Kommunen. In Plötzky gibt es unter anderem die Schule, die Sparkasse und weitere Dienstleister; in Pretzien Ärzte und andere Angebote. "Wir benötigen dringend einen straßenbegleitenden Radweg", fordert Friedrich Harwig. "Oder muss erst etwas passieren?", fragt Harwig damals.

Inzwischen ist nicht nur viel Wasser die Elbe hinabgeflossen, sondern es haben sich auch politische Verantwortlichkeiten geändert. In Schönebeck regiert jetzt Bert Knoblauch, in Pretzien Gundhelm Frank. Beide eint eine Gemeinsamkeit: das CDU-Parteibuch. Und weil der Landkreis wie schon vor zwei Jahren keine Möglichkeit eines Radweges zwischen den beiden Dörfern sieht, ist man im Rathaus Schönebeck auf eine andere Lösung gekommen: "Es muss doch kein Radweg nach DIN-Norm sein. Ich denke, den Bürgern in den Dörfern genügt ein gut ausgebauter Waldweg auch", erklärt auf Anfrage der Volksstimme Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch.

Als Vorbild verweist er auf einen ähnlichen Weg, jenen zwischen Grünewalde und Elbenau. Dieser soll in diesem Jahr neu mit Splitt befestigt werden.

Der Oberbürgermeister hat schon konkrete Gespräche zur Umsetzung geführt, deren Inhalt aber noch nicht öffentlich gemacht werden kann. "Wir sind dabei, und wir finden eine Lösung", verspricht Bert Knoblauch.

Noch bevor etwas passiert ...

 

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