Pauline Trappe aus Barby ist Schülerin der Landesschule Pforta, Schwerpunkt Sprachen. Die 16-Jährige ist derzeit Gastschülerin im "Colegio Aleman Stiehle" in Ecuador. Für die Volksstimme schreibt sie folgenden Erlebnisbericht: Hallo, ich bin Pauline Trappe und ich hab mich in ein Abenteuer gestürzt. Ich hab meine Sachen gepackt und bin zu meiner Gastschwester nach Ecuador geflogen.

Doch was heißt es, in ein Land am anderen Ende der Welt zu reisen? Es heißt, sich ins Land der Bananen zu wagen, den Geruch von Kaffee völlig neu zu definieren, über kahle Berge zu fahren und durch grün bewachsene Täler zu streifen. Hier in Ecuador liegt alles so nah beieinander: Armut auf den Straßen und Reichtum in den Villenvierteln, Hinterlassenschaften der Inkas und gläserne Hochhäuser des 21. Jahrhunderts und nicht zuletzt das fruchtbare Amazonasgebiet und karge Landstriche in 3000 Metern Höhe.

"Man weiß nie so Recht, welchen Teil des Vogels die Köchin aus dem Topf fischt."

Das alles sind dennoch nur Bruchstücke dessen was das Land eigentlich auszeichnet, vielmehr sind es die Menschen. Wenn man, die laute Stimme meiner temperamentvollen Gastmutter "Negro, ahorita!" durch das Haus schreien hört, dann ist nicht etwa ein Streit im Anmarsch. Nein, es handelt sich lediglich um eine liebevolle Art meinen Gastvater zu rufen. Irgendwann sind dann alle, mit völlig normaler Verspätung am Küchentisch versammelt, und es kann gegessen werden.

Nach dem für dieses sehr katholische Land typischen Tischgebet kann man sich dann den großen Teller mit Reis und Mais schmecken lassen. Liebe Leser versteht mich nicht falsch: Selbst ich als Skeptikerin und als "Mäkelelli" verrufene bin von der ecuadorianischen Küche hellauf begeistert. Doch was es genau zum Reis gibt, ist jedes Mal wieder eine Überraschung. Huhn ist hier in Ecuador nämlich nicht gleich Huhn. Man weiß halt nie so recht, welchen Teil des Vogels die Köchin aus dem Topf fischen wird.

"In Ecuador werden keine Pläne gemacht, die länger als fünf Minuten in die Zukunft reichen."

Nachdem man dann gemeinschaftlich den Tisch abgeräumt hat und sich bei der Köchin und dem Hausherr bedankt hat, macht man oft noch einen spontanen Ausflug. In Ecuador werden keine Pläne gemacht, die länger als fünf Minuten in die Zukunft reichen! Das bedeutet allerdings auch, dass man sich als Gast auch noch um 10 Uhr abends bereithalten muss, falls es heißt "vamos!", zu Deutsch "gehen wir!". Samt Oma rein ins Auto und schon geht die Fahrt um Leben und Tod los. Nach ein paar Tagen in der Beifahrerposition bekommt man allmählich das Gefühl, als ob das ecuadorianische Verkehrssystem wie ein Bingospiel funktioniert: Wer zuerst auf die Hupe haut, hat die Vorfahrt gewonnen!

Wie man sieht, heißt eine Reise nach Ecuador also nicht nur geografisch ans andere Ende der Welt zu reisen, nein, größtenteils heißt es sich zu trauen, eine kulturelle Distanz zu überbrücken.

Für mich hat sich diese Reise schon nach den ersten zwei Wochen bezahlt gemacht, denn die Erfahrungen, die ich bisher gemacht habe und noch machen werde, werden mir immer erhalten bleiben.

 

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